Asthma und COPD: Nur Tabletten oder auch Reha und Sport?

Prof. Claus Franz Vogelmeier zum Thema "Asthma und COPD: Nur Tabletten oder auch Reha und Sport?"

Asthma und COPD: Nur Tabletten oder auch Reha und Sport?

Dass man trotz Asthma und COPD - also mit chronischen Atemwegserkrankungen – sportlich aktiv sein sollte machte Prof. Dr. med. Claus Franz Vogelmeier, Vorsitzender der DGIM 2018/2019 und Direktor der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie des Universitätsklinikums Gießen/Marburg im Vorfeld Fachkongresses DGIM 2019 klar. MeinAllergiePortal sprach mit ihm darüber, wie Reha und Sport die Tabletten-Therapie ergänzen können.

Herr Prof. Vogelmeier, warum gehören bei Asthma und COPD Sport und Reha unbedingt zur Therapie?

Bei der Therapie vom Asthma und COPD sollten nicht nur Tabletten im Zentrum der Therapie stehen. Die körperliche Aktivität ist bei chronischen Erkrankungen wie Asthma und COPD genauso wichtig. Dabei geht es nicht nur um die Verbesserung der Lungenfunktion, sondern auch um die Verbesserung der Lebensqualität. Außerdem ist es möglich, durch Sport Folgeerkrankungen zu vermeiden. Bei einer guten Reha-Maßnahme lernen die Patienten, was sie selbst zur Erhaltung ihrer Gesundheit beitragen können. Außerdem werden sie an den Lungensport herangeführt.
In der deutschlandweit durchgeführten COSYCONET-Studie hat sich gezeigt, dass viele Patienten mit Asthma und COPD jede Anstrengung meiden und jede Belastung reduzieren, damit es nicht zu Symptomen kommt. Das führt dazu, dass sich sämtliche Muskeln zurückbilden, die Leistungsfähigkeit wird noch mehr eingeschränkt und die Symptome verstärken sich. Damit beginnt ein Teufelskreis, der zu einem passiven Leben mit verminderter Lebensqualität führt. Hinzu kommen Depressionen.

Warum kann es bei Asthma und COPD zu Depressionen kommen?

Bei Asthma und COPD ist die Isolation ein zentrales Problem für die Patienten. Die Betroffenen empfinden sich als „nicht mehr gesellschaftsfähig“, vereinsamen und das kann dann auch zu Depressionen führen.

Abgesehen von der Depression, welche Folgeerkrankungen können bei Asthma und COPD auftreten?

Die COSYCONET-Studie zeigte, dass mit Asthma und COPD eine ganze Kaskade chronischer Erkrankungen verbunden sein kann, insbesondere im höheren Lebensalter. Klassische Komorbiditäten sind Herzerkrankungen, Schlafapnoe oder das metabolische Syndrom, inklusive Diabetes. Sie alle verstärken die Tendenz der Patienten, jegliche körperliche Aktivität einzustellen

Wie kann Lungensport bei Asthma und COPD Depressionen und andere Folgeerkrankungen vermeiden?

Die Effekte des Lungensports sind frappierend. Die Patienten erreichen eine höhere Lebensqualität und gleichzeitig entkommen sie ihrer sozialen Vereinsamung. Durch den Lungensport werden die Patienten nicht nur aktiviert, sondern sie erfahren auch, dass man sich mit anderen Betroffenen, die die gleichen Probleme haben, austauschen kann und Unterstützung erfährt. Deshalb ist es so wichtig, diesen Teufelskreis frühzeitig zu durchbrechen.

Was sollten Patienten mit Asthma und COPD tun, wenn Sie eine Reha-Maßnahme durchführen möchten oder sich für Lungensport interessieren?

Insbesondere bei einem Klinikaufenthalt sollten Patienten nach der Möglichkeit einer anschließenden Reha-Maßnahme fragen. Aber auch der behandelnde Arzt sollte auf diese Möglichkeit sowie auf Kontaktadressen zu Lungensport-Angeboten angesprochen werden. Auskunft geben kann auch die Deutsche Atemwegsliga.

Herr Prof. Vogelmeier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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