Kindergesundheit Feinstaub Stickoxide

Dr. Thomas Lob-Corzilius zum Thema: Kindergesundheit - welchen Einfluss haben Feinstaub und Stickoxide?

Kindergesundheit: Der Einfluss von Feinstaub und Stickoxiden

Und was ist über die Auswirkungen von NO2-Belastungen in der Schwangerschaft bekannt?

Eine schwedische Studie2) hat sich mit der Wirkung von Stickoxiden in der Schwangerschaft beschäftig. Hier haben die Forscher festgestellt, dass, im Vergleich zu Reinluftgebieten, eine über 22,5 μg/m³ liegende NO2-Konzentration das mütterliche Risiko für eine Schwangerschaftsvergiftung bzw. Bluthochdruck um 50 Prozent und das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes um 70 Prozent erhöht. Diese mütterliche Belastung stellt eine Gefährdung für den Embryo dar, denn eine Schwangerschaftsvergiftung und Bluthochdruck sind wichtige Gründe für Frühgeburtlichkeit und die Notwendigkeit einer Kaiserschnitt-Geburt. Nachdem im untersuchten Gebiet eine Umweltzone eingerichtet worden war, hat man erneute Schadstoffmessungen durchgeführt. Zwar konnte man dadurch lediglich eine Minderung der NO2-Belastung um durchschnittlich 5 μg/m³ nachweisen. Das Risiko für Schwangere, an einer Schwangerschaftsvergiftung zu erkranken, reduzierte sich jedoch um 11 Prozent. Das ist noch kein endgültiger Beweis, denn dazu ist die Anzahl der Studien im Vergleich zu den Feinstaub-Studien zu gering, aber die Studie ist schon als wichtiges Indiz für den Einfluss von Stickoxid zu bewerten.   

 

Wurden in diesen epidemiologischen Studien, abgesehen vom Feinstaub auch andere gesundheitsgefährdende Einflüsse berücksichtigt?

Bei allen Untersuchungen auch den an Schwangeren wurden andere Störfaktoren, sogenannte Confounder, mit einbezogen. Dazu gehören auch andere Feinstaubquellen, wie zum Beispiel Aktiv- und Passivrauchbelastung. Die Unterzeichner der Stellungnahme um Prof. Köhler kritisieren, dass diese Confounder in den betreffenden Studien nicht berücksichtigt worden seien. In zahlreichen Stellungnahmen, auch des Umweltbundesamtes, wurde dies jedoch eindeutig wiederlegt.

Wie lässt sich in dieser Konstellation Evidenz nachweisen – die Messlatte hierfür ist ja grundsätzlich sehr hoch angesetzt…

Evidenz heißt ja übersetzt: „überwiegende bis vollständige Gewissheit“. Neben den genannten epidemiologischen Studien gehören dazu auch Tierversuche, die Ursache-Wirkungsketten untersuchen.

Zum Beispiel konnten Düsseldorfer Kollegen in Studien am Mausmodell kausal nachweisen, dass sich Feinstaub negativ auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt – man fand sogar Hinweise auf einen Zusammenhang mit Alzheimer.3) Wie bei allen anderen Tiermodellen auch, kann man diese Erkenntnisse aber nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Da Menschenversuche aber nur begrenzt und nur bei Freiwilligen möglich sind, wird es nie möglich sein, eine vollständige kausale Gewissheit = Evidenz zu erreichen.

Wie schon oben ausführlich erläutert, müssen gut dokumentierte epidemiologische Studien mit großen Fallzahlen die Evidenz verstärken; diese sind vor ihrem Erscheinen in renommierten Fachzeitschriften auch überprüft worden. Nur solche Studien sind dann in dem Report der World Health Organization (WHO) aus dem Jahr 2018 aufgenommen worden, in dem die weltweite Belastung von Kindern durch Luftverschmutzung dargestellt ist. Dies gilt ebenfalls für die Ergebnisse großer Geburtskohorten-Studien. In diesen wurde die gesundheitliche Entwicklung von der Geburt bis in die Jugend- bzw. junge Erwachsenenzeit untersucht.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.