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Kindergesundheit Feinstaub Stickoxide

Dr. Thomas Lob-Corzilius zum Thema: Kindergesundheit - welchen Einfluss haben Feinstaub und Stickoxide?

Kindergesundheit: Der Einfluss von Feinstaub und Stickoxiden

Die Diskussion um Luftschadstoffe schlägt aktuell hohe Wellen. Im Fokus stehen insbesondere Feinstaub, Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Vor dem Hintergrund, dass gerade Kinder zunehmend von Erkrankungen betroffen sind, die in früheren Jahren nicht im gleichen Ausmaß vorkamen, stellt sich die Frage, welchen Anteil Luftschadstoffe an dieser Entwicklung haben könnten. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Thomas Lob-Corzilius, Kinder- und Jugendarzt i.R., Allergologie, Kinderpneumologie, Umweltmedizin über den Einfluss von Feinstaub, Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid.

Herr Dr. Lob-Corzilius, was weiß man über die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Kindergesundheit?

Aus internationalen Untersuchungen, die in Europa, den USA, Kanada, Asien und Lateinamerika mit großen Fallzahlen und teilweise über Jahre durchgeführt wurden, wissen wir, dass es klare Bezüge zwischen der Luftqualität und der Gesundheit gibt. Dabei hat man die Gesundheitswirkung von Atemluft, die mit Feinstäuben unterschiedlicher Größe angereichert war, ebenso untersucht wie den Einfluss von Stickstoffdioxid.

Insbesondere für Ultrafeinstäube kleiner als 0,1 µm zeigt sich, dass diese über die tiefen Atemwege auch die Lungenbläschen erreichen, von dort in den Kreislauf gelangen und Entzündungen in Blutgefäßen aber auch inneren Organen hervorrufen. Tierexperimentelle Untersuchungen aus den letzten Jahren lassen zudem vermuten, dass diese ultrafeinen Stäube auch die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und so ins Gehirn gelangen könnten. Die Epidemiologie der letzten fünf bis zehn Jahre zeigt, dass der Einfluss von Luftschadstoffen weit über die Atemwege hinausgeht. Dies wird durch die lungenfachärztlichen Unterzeichner der „Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx)“ aktuell in Frage gestellt.

In der Stellungnahme wird argumentiert, dass es zur Auswirkung von Luftschadstoffen keine eindeutigen Studien an Menschen gäbe…

Das ist aus meiner Sicht ein „Wissenschafts-Fake“. Bei den 130 Unterzeichnern des Aufrufs handelt es sich um eine Minderheit, die mit dieser Stellungnahme einer erdrückenden Mehrheit weltweit veröffentlichter Studien gegenübersteht. Die Studie, die die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie im November 2018 herausgegeben hat, zitiert 451 epidemiologische Studien, die belegen, dass es klare Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung unterschiedlicher Intensität und verschiedenen Erkrankungen gibt. Die Europäische WHO-Sektion hat eine Publikation herausgegeben, in der über 1000 Studien zitiert werden. Sie sind alle in entsprechenden Fachzeitschriften, die mit Peer-Reviews arbeiten, erschienen. Diese belegen in ihrer Gesamtheit sehr klar und eindeutig, dass in erster Linie Feinstäube, aber auch Stickoxide, eindeutige Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen haben.

Aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte ist dabei natürlich besonders bedeutsam, dass davon auch bereits Kinder betroffen sind. Das gilt sowohl für die wichtige Reifungsphase in der Säuglings- und Kleinkinderzeit, aber auch schon für die Zeit vor der Geburt, in der Schwangerschaft. Die Kinder sind in dieser Zeit ganz besonders empfindlich.  

Was weiß man über die Belastung durch Feinstaub in der Schwangerschaft und die Folgen für das Kind?

Fasst man die Quintessenz der zur Verfügung stehenden epidemiologischen Studien zu Feinstaub zusammen, die ich in meinem Beitrag1) in der „Pädiatrischen Allergologie“ detailliert beschrieben habe, ergeben sich aus unterschiedlichen Studien die folgenden Aussagen:

  1. Schon bei niedrigen PM2,5-Konzentrationen zwischen 9,7 und 10,2 μg/m³ konnte eine signifikant positive Assoziation zu einem erhöhten Risiko von niedrigem Geburtsgewicht am Termin und Frühgeburtlichkeit festgestellt werden.
  2. Es gibt einen geringen, aber eindeutigen Zusammenhang zwischen einem Anstieg des PM2,5 um 10 μg/m³ über die gesamte Schwangerschaft hinweg für „Small for Gestional Age“ und reduziertem Geburtsgewicht am Termin. Allerdings fand sich in dieser Arbeit keine Signifikanz zwischen einem Anstieg des PM2,5 und Frühgeburtlichkeit.
  3. Das Risiko für Frühgeburten steigt eindeutig an, wenn die Mütter während der Schwangerschaft mit PM2,5 belastete Luft durch Dieselabgase oder offene Holzfeuer in Innenräumen einatmen.

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