Obstruktive Lungenerkrankungen Herzerkrankungen Asthma COPD

Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover zum aktuellen Erkenntnisstand zu den Zusammenhängen zwischen obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen!

Obstruktive Lungenerkrankungen? Herzerkrankungen? Zusammenhänge?

Kann man sagen, was beim gemeinsamen Auftreten von obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankung zuerst da war?

Das ist die berühmte „Henne–Ei-Frage“ – beides ist möglich!

Die Pneumologen betrachten die Erkrankungen naturgemäß aus der Perspektive der Lunge und sehen die Einflüsse der Lungenerkrankung auf die Herzerkrankung. Aus kardiologischer Sicht beeinflusst eine Herzerkrankung das Ausmaß der Atemwegsobstruktion.

Wie gesagt: Es gibt sehr enge Zusammenhänge zwischen den Erkrankungen des Herzens und der Lunge. Dabei können beide Erkrankungen gleichzeitig entstehen, die eine kann der anderen Erkrankung aber auch vorausgehen. Auf jeden Fall kommt es jedoch zu Wechselwirkungen – Herz und Lungensystem beeinflussen sich gegenseitig.

Gibt es auch Ähnlichkeiten zwischen den Symptomen von obstruktiven Lungenerkrankungen und koronaren Herzerkrankungen?

Hier gibt es Überschneidungen. Zum Beispiel ist die Luftnot ein typisches Symptom, das sowohl bei obstruktiven Lungenerkrankungen als auch bei koronaren Herzerkrankungen auftreten kann. Alleine aus der Tatsache, dass man „luftnötig“ ist, kann man aber nicht auf die Erkrankung schließen.

Ist man an beiden Organsystemen erkrankt, kann das die Luftnot und damit die Minderung der Belastungsfähigkeit, eindeutig beeinflussen.

Es gibt jedoch auch Symptome, die eher einem Organ zuzuschreiben sind. Beim Asthma ist dies zum Beispiel typischerweise das expiratorische Pfeifen. Beim Herzen ist das typischerweise der Angina Pectoris-Schmerz oder bei den Herzrhythmusstörungen die Unregelmäßigkeit des Herzschlags.

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das sogenannte Vorhofflimmern, eine Beschleunigung des Herzschlags. Es kann jedoch auch zu den gefährlichen sogenannten „malignen Herzrhythmen“ kommen, die zu einem pathologischen Kammerrhythmus führen können. Dem Patienten fällt dann auf, dass der Puls unregelmäßig schlägt, oder dass der Herzschlag zu spüren ist, z.B. in Form von Herzstolpern oder Herzrasen.

Wie erfolgt bei Herzbeschwerden die Diagnose?

Bei Herzbeschwerden wenden sich die Patienten in der Regel an ihren Hausarzt. Dieser würde dann ein EKG durchführen, d.h. ein Elektrokardiogramm und anhand dessen die Diagnose stellen.
Prinzipiell sollte man aber auch aus Sicht des Pneumologen, insbesondere bei älteren COPD-Patienten, immer an das Vorliegen einer kardiaovaskulären Erkrankung denken. Wenn mit einer leitliniengerechten Asthma- oder COPD-Therapie die Beschwerden nicht kontrolliert werden können, muss das kardiovaskuläre Organsystem abgeklärt werden. Die Therapie richtet sich dann nach der Erkrankung.

Herr Prof. Welte, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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