Obstruktive Lungenerkrankungen Herzerkrankungen Asthma COPD

Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover zum aktuellen Erkenntnisstand zu den Zusammenhängen zwischen obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen!

Obstruktive Lungenerkrankungen? Herzerkrankungen? Zusammenhänge?

Gibt es bei obstruktiven Lungenerkrankungen, abgesehen vom Rauchen, weitere Risikofaktoren für Herzerkrankungen?

Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Man vermutet jedoch auch Zusammenhänge zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Entzündungsvorgängen im Organismus. Das bedeutet, Entzündungen in der Lunge, bzw. systemisch vorhandene Entzündungen, könnten Arteriosklerose-Prozesse, d.h. Gefäßverkalkungen, fördern.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Risikofaktor, der kardiovaskuläre Komorbiditäten bei obstruktiven Lungenerkrankungen fördert. Hier kommt scheinbar vor allen Dingen dem Phänomen der „Überblähung“ eine ursächliche Rolle zu: Je stärker die Überblähung der Lunge, umso größer der Einfluss auf die Funktion des Herzens.

Was genau bedeutet „Überblähung“ im Zusammenhang mit obstruktiven Lungenerkrankungen?

Die Überblähung ist eher ein typisches Phänomen der COPD als des Asthmas, obwohl es beim schweren Asthma ebenfalls auftreten kann. Eine „Überblähung“ bedeutet, dass es in der Lunge zu „gefangener Luft“ kommt. Den Patienten ist es dann nicht möglich, die Luft, die sie eingeatmet haben, wieder vollständig auszuatmen.

Allerdings liegen Herz und Lunge anatomisch nah beieinander und sind räumlich, im Thorax, über das Gefäßsystem aneinander gekoppelt. Dementsprechend eng sind die beiden Organe miteinander korreliert und beeinflussen sich wechselseitig. Das bedeutet: Bei einer Überblähung der Lunge verändern sich die Wandspannungsverhältnisse und der Füllungszustand des Herzens, und dies führt dann zu einer Minderleistung des Herzens.

Gibt es Herzerkrankungen, die bei obstruktiven Lungenerkrankungen ganz besonders häufig auftreten?

Man kann die wesentlichen Herzerkrankungen in drei Gruppen aufteilen:

1. Die Herzinsuffizienz, d.h. die Minderfunktion des Herzens

2. Alle Erkrankungen, die mit Arteriosklerose, mit Gefäßverkalkungsprozessen, einhergehen, in erster Linie die koronare Herzerkrankung, der Herzinfarkt und der Schlaganfall

3. Herzrhythmusstörungen

Grob zusammenfassend kann man zu diesen Herzerkrankungen sagen:

1. Bei der Herzinsuffizienz gibt es aufgrund der Lungenmechanik bzw. der Überblähung einen direkten Einfluss auf das Herz.

2. Bei der Arteriosklerose ist dies eher ein indirekter Einfluss über den wichtigsten Risikofaktor, das Rauchen, und über Entzündungsvorgänge.

3. Bei den Herzrhythmusstörungen handelt es sich insofern um einen direkten Einfluss, als viele der bei Asthma und COPD eingesetzten Medikamente eine entscheidende Auswirkung auf den Herzrhythmus haben. Diese Nebenwirkungen treten vor allem bei den inhalativen Beta-Mimetika und Anticholinergika, aber auch bei dem früher so beliebten Theophyllin auf.

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