Asthma Kind

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Chefarzt am Kinderzentrum im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld zur Frage, woran man Asthma beim Kind erkennt und welche Erkrankungen ähnlich sind!

Woran erkennt man Asthma beim Kind? Ähnliche Erkrankungen?

Wie sehen diese Risikofaktoren für Asthma aus?

Ein klassischer Risikofaktor für Asthma ist eine positive Familienanamnese. Eine positive Familienanamnese für Asthma ist dann gegeben, wenn bei den Eltern oder Geschwistern bereits Asthma aufgetreten ist. Ein weiterer Risikofaktor für Asthma ist es, wenn die Familie eine Atopie-Anamnese hat, das heißt in der Familie Allergien vorkommen, wie zum Beispiel Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien. Die familiäre Atopie-Anamnese kann ein Hinweis darauf sein, dass es sich bei den Beschwerden eines Kindes mit höherer Wahrscheinlichkeit um Asthma handelt.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist, wenn beim Kind selbst Allergien nachgewiesen wurden oder / und ein atopisches Ekzem (Neurodermitis) bestehen. Vor allem frühe Sensibilisierung gegen respiratorische Allergene, hier vor allem gegen perenniale Allergene wie Hausstaubmilben, erhöhen das Risiko, Asthma zu entwickeln, massiv.

Als Faustregel gilt: Wenn bei einem Kind:

  • bereits in der Familie Asthma oder Allergien auftraten
  • das Kind selbst bereits eine Sensibilisierung aufweist, das heißt, im Allergietest positiv ist
  • und eine Neurodermitis vorliegt

dann besteht eine über 80 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass sich bei diesem Kind bis zu einem Alter von 8 oder 9 Jahren ein Asthma entwickelt – das zeigen Erfahrungswerte aus den großen Längsschnittstudien.

Heißt das im Umkehrschuss, ohne diese Risikofaktoren ist die Asthmawahrscheinlichkeit gering?

Umgekehrt bedeutet das, dass es sich trotz asthmaähnlicher Symptome nicht um ein Asthma handeln muss, wenn die erwähnten Risikofaktoren nicht vorhanden sind. Bei Kindern aus nicht atopisch vorbelasteten Familien, fehlenden Sensibilisierungen und ohne Hautprobleme, die im Winter in den typischen Infektepisoden eine obstruktive Bronchitis entwickeln, ist die Entwicklung eines chronischen Asthmas eher unwahrscheinlich.

Dies hängt einfach damit zusammen, dass bei kleinen Kindern eine sogenannte „physiologische Infektanfälligkeit“ besteht und eine gewisse Überempfindlichkeit im bronchialen System kann hinzukommen. Beides „wächst sich aus“, denn das Immunsystem wird stabiler, die Lungen weiten sich und die Bronchien werden größer. Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Beschwerden dieser Kinder nur infekt-getriggerte obstruktive Bronchitiden. Mit vier bis fünf Jahren sind solche Kinder dann beschwerdefrei – hier können die Eltern beruhigt sein.

Gibt es weitere Risikofaktoren, die die Entstehung von Asthma begünstigen?

Einer der Hauptrisikofaktoren für die Asthmaentstehung ist Tabakrauch. Wenn in der Umgebung des Kindes geraucht wird, ist das Gift für die Lunge. Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, aber es gibt unter unseren Patienten eine ganze Reihe Kinder, die immer wieder stationär behandelt werden müssen, weil die Eltern rauchen. Darunter gibt es Kinder, die keinerlei anderen Risikofaktoren aufweisen und auch nicht erblich vorbelastet sind. Andere Faktoren erhöhen ebenso das Risiko, Asthma zu entwickeln, wie z.B. Übergewicht, Entbindung durch Kaiserschnitt, häufige und frühe Antibiotikagaben und hohe Feinstaubbelastung.

Erwähnen möchte ich auch den Risikofaktor von „zu viel Hygiene“, wie dies in der sogenannten Hygiene Hypothese vertreten wird. Die Hygiene Hypothese besagt, dass eine nicht ausreichende Immunstimulation im ersten Lebensjahr aufgrund eines „zu sauberen“ Umfelds, die Entwicklung von Allergien zumindest fördert.

Dahingegen sorgt der sogenannte „Bauernhof Effekt“ für einen gewissen Schutz vor Allergien. Kinder, die auf dem Bauernhof bzw. quasi im Kuhstall aufwachsen, werden mit einer Vielzahl von Bakterien, Sporen, Pollen etc. konfrontiert. Diese besonders diverse Umwelt scheint das Immunsystem zu stärken, denn bei Bauernhofkindern kommt es deutlich seltener zur Entwicklung von Asthma.

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