Zusammenhang Asthma Neurodermitis

Dr. rer. nat. Andrea Braun, Laborleiterin Experimentelle Allergologie und Immunologie, Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen zu ihrer Studie zu Asthma und Neurodermitis!

Asthma: Könnte Neurodermitis die Ursache sein?

Sie haben in Ihrer Studie die Atemwegsallergien untersucht. Sind die Erkenntnisse aus Ihrer Studie auch auf die Entstehung von Nahrungsmittelallergien übertragbar?

Ein Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelallergie und Neurodermitis tritt bei etwa nur einem Drittel der Patienten, v.a. im Kindesalter, auf. Hierbei kommt es zu einem Neurodermitis-Schub nach dem Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln. Inwieweit eine Störung der Hautbarriere allerdings ursächlich zu einer Entstehung einer Nahrungsmittel-Sensibilisierung oder -Allergie beiträgt, ist derzeit schwer zu sagen. Erste genetische Studien deuten darauf hin, dass eine gestörte Hautbarriere tatsächlich mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer frühkindlichen Nahrungsmittel-Sensibilisierung einhergeht. Theoretisch - und auch praktisch - können wir unser Modell dahingehend modifizieren und den Zusammenhang einer gestörten Hautbarriere und der Entstehung von Nahrungsmittelallergien untersuchen.

In einer englischen Studie hat man durch das frühe Einführen von Erdnussflips einen präventiven Effekt bei Kindern in Bezug auf die Erdnussallergie festgestellt. Wie ließe sich dies mit Ihren Studienergebnissen in Einklang bringen?

Es ist allgemein bekannt, dass der Gastrointestinal-Trakt eine wichtige Rolle bei der Toleranzinduktion spielt. Das heißt, dass eine frühe Auseinandersetzung des Verdauungstraktes bzw. dessen Immunsystem mit entsprechenden Lebensmitteln wichtig ist für die Ausbildung der oralen Toleranz; eine Art Allergieprävention sozusagen. Dieser protektive Effekt wird in dieser Studie bestätigt. Allerdings liegen über die zugrundeliegenden Mechanismen oder aber auch die Dauer der Toleranzinduktion noch keine detaillierten Kenntnisse vor.

Über die Haut hingegen kann leichter eine Sensibilisierung gegenüber bestimmter Allergene erfolgen, besonders im Baby- und Kindesalter, und vor allem bei einer gestörten Hautbarriere. Dieser Weg der Sensibilisierung ist für die Sensibilisierung mit Hausstaubmilben am besten untersucht. Im Falle der Erdnuss-Sensibilisierung in der Studie erfolgt diese wahrscheinlich über die Haut sehr früh, also vor einer oralen Einnahme und somit vor der Toleranzinduktion. Um einer Sensibilisierung über die Haut vorzubeugen, ist es erforderlich, die Hautbarriere durch geeignete therapeutische Maßnahmen wieder herzustellen. Das heißt Hautpflege ist bei Neurodermitis das A und O, nicht nur als Basispflege, um die Symptome der Neurodermitis zu verbessern, sondern auch um weiteren Sensibilisierungen und Folgeerkrankungen wie dem allergischen Asthma und auch Nahrungsmittelallergien vorzubeugen.

Wie geht es weiter mit Ihren Forschungen?

Wie bereits erwähnt wollen wir natürlich verstehen, welche Mechanismen für dieses Krankheitsbild verantwortlich sind. Also welche immunologischen Mechanismen sind verantwortlich dafür, dass eine akute Neurodermitis zu einer verstärkten Allergen-Sensibilisierung führt? Das heißt, als erstes werden wir den Entzündungsprozess der akuten Neurodermitis nach einer Barrierestörung untersuchen: Welche Signalmoleküle werden ausgeschüttet und welche Zellen des Immunsystems sind hier beteiligt? Erst wenn wir verstehen, welche Immunreaktionen verändert sind, können wir eine geeignete Strategie für spezifische therapeutische Maßnahmen machen.

Frau Dr. Braun, herzlichen Dank für dieses Interview!

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