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Sialinsäuren Asthma Neu5Gc Allergien

Dr. Remo Frei, Swiss Institute of Allergy and Asthma Research (SIAF) in Davos zur Rolle der Sialinsäuren beim Schutz vor Asthma!

Sialinsäuren und Asthma: Schützt Neu5Gc vor Allergien?

Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, erkranken seltener an allergischem Asthma, das konnten Studien deutlich zeigen. Als einen Grund dafür, wurde bisher die Bakterienvielfalt gesehen, die auf Bauernhöfen vorherrscht. In einer neuen Studie wurde nun ein weiterer entscheidender Faktor nachgewiesen, der bei Bauernhof-Kindern für einen protektiven Effekt gegenüber Allergien bzw. Asthma verantwortlich ist, die Sialinsäure N-Glykolylneuraminsäure (Neu5Gc). MeinAllergiePortal sprach mit Studienleiter Dr. Remo Frei, Swiss Institute of Allergy and Asthma Research (SIAF) in Davos über die Rolle der Sialinsäuren beim Schutz vor Asthma.

Herr Dr. Frei, was war das Ziel Ihrer Studie und wie sah das Studiendesign aus?

Aus der Epidemiologie ist bekannt, dass Kontakt zu Tieren einen präventiven Effekt auf die Entstehung von Allergien und Asthma hat. Wir wollten in unserer Studie untersuchen, ob Tierkontakt bedeutet „mehr Mikroben“ oder ob vom Tier selber auch Strukturen dem menschlichen Immunsystem präsentiert werden, die eine schützende Wirkung haben. Die Sialinsäure Neu5Gc ist eine Struktur, die spezifisch für Wirbeltiere ist und weder im Menschen noch in Bakterien vorkommt. Der Mensch kann Neu5Gc aber aufnehmen und in seine Proteine einbauen, womit es auch in Kontakt mit dem Immunsystem kommt. Somit ist es das ideale Molekül um den Kontakt zu Tieren von demjenigen zu Bakterien zu unterscheiden.

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Was genau sind Sialinsäuren bzw. N-Glykolylneuraminsäure (Neu5Gc)? Welche Funktion haben sie bei Wirbeltieren?

Sialinsäuren sind wichtige Bestandteile von Glycoproteinen. Das heißt, sie sind mitverantwortlich für die Struktur und Funktion von Proteinen. Zusätzlich hat man in den letzten Jahren festgestellt, dass sie auch eine Funktion in der Regulation des Immunsystems haben.

Menschen produzieren aufgrund einer genetischen Mutation kein Neu5Gc, aber ist dies ein lebenswichtiger Stoff für Menschen?

Nein, weil im Laufe der Evolution verschiedene andere Sialinsäuren die Funktion von Neu5Gc im Menschen übernommen haben.

Neu5Gc kann über Tierkontakt oder auch über das Essen von tierischen Lebensmitteln aufgenommen werden. Auch Kinder, die nicht auf Bauernhöfen leben, haben Haustiere und essen tierische Nahrungsmittel, konnten Sie sehen, worin der ausschlaggebende Unterschied liegt?  

Wahrscheinlich ist es eine Frage der Dosis. Bauernkinder haben normalerweise mehr Kontakt zu Tieren und ernähren sich auch anders. Wir hoffen aber, dass eines Tages mittels Haustierkontakt oder der richtigen Ernährung der ‚Bauernhofeffekt‘ auch auf andere Kinder übertragen werden kann.


Spielt es eine Rolle, ob die tierischen Nahrungsmittel in Massenproduktion hergestellt wurden oder „bio“?

Wir haben sehr wenige Daten darüber, somit kann ich keine Aussage dazu machen.

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Wäre Rohmilch oder z.B. Rohmilchkäse für Kinder empfehlenswerter im Hinblick auf den Schutz vor Allergien als behandelte Milch?

Der Konsum von Rohmilch, das heißt von Milch direkt von der Kuh ohne weitere Prozessierung, ist mit Risiken verbunden, welche gravierendere Konsequenzen haben können als Allergien. Deshalb ist es nicht empfehlenswert, diese den Kindern zu verabreichen.

Rohmilchkonsum hat aber einen starken präventiven Effekt auf die Entstehung von Asthma und Allergien. Das ist schon länger bekannt und es konnten auch Faktoren neben Neu5Gc isoliert werden, welche diesen Effekt vermitteln könnten. Unser Ziel ist es, die schützenden Faktoren der Rohmilch zu identifizieren und diese zum Beispiel als Nahrungsmittelzusatz der Ernährung hinzuzufügen und somit die Risiken des Rohmilchkonsums zu umgehen.

Die Katze galt bisher im Zusammenhang mit Allergien als wenig protektiv, ist sie durch Ihre Studienergebnisse zumindest teilweise „rehabilitiert“?

Die Meinung, dass eine Meidung von Katzenkontakt als Allergieprävention wirkt, ist zwar weit verbreitet, ist wissenschaftlich aber nicht wirklich belegt. Im Gegenteil, nicht nur unsere Studie, sondern auch andere Studien zeigten, dass frühkindlicher Katzenkontakt einen positiven Effekt in der Allergieprävention haben kann.

In Ihrer Studie haben Sie entdeckt, dass der Kontakt mit Neu5Gc eine antientzündliche Reaktion des Immunsystems anstößt, so dass vermehrt regulatorische T-Zellen auftreten, die die Fehlreaktionen des Immunsystems dämpfen und stark anti-entzündlich wirken. Was bedeutet das im Hinblick auf mögliche Prävention? Heißt das, man könnte bei Kindern durch die Gabe von Neu5Gc einen protektiven Effekt im Hinblick auf Asthma erzielen?

Das wäre zu hoffen und ist das Ziel unserer Forschung. Klinische Studien müssen die positive Wirkung von Neu5Gc im Menschen aber noch beweisen.

Herr Dr. Frei, herzlichen Dank für dieses Interview!

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