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Gewitter-Asthma

Univ.-Prof. Dr. med. Roland Buhl, Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie, Zusatzbezeichnung Allergologie und Leiter des Schwerpunktes Pneumologie, Universitätsmedizin Mainz zu Gewitter-Asthma!

Gewitter-Asthma: Das sollten Asthma-Patienten wissen!

Für Pollenallergiker gilt ein warmer Sommerregen eigentlich als wohltuend, denn er reinigt die Luft von den quälenden Pollen. Kommt es jedoch zu einem Gewitter kann die Wohltat zu einem Risiko werden, denn dann steigt die Gefahr eines Gewitter-Asthmas. Wie kommt es zu einem Gewitter-Asthma? Wer trägt ein erhöhtes Risiko? Was kann man tun, um sich zu schützen? MeinAllergiePortal sprach mit Univ.-Prof. Dr. med. Roland Buhl, Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie, Zusatzbezeichnung Allergologie und Leiter des Schwerpunktes Pneumologie, Universitätsmedizin Mainz darüber, was Asthma-Patienten über Gewitter wissen sollten..

Herr Prof. Buhl, was versteht man unter „Gewitter-Asthma“?

Zu einem Gewitter-Asthma kann es bei Gewittern unter bestimmten Umweltbedingungen kommen, die dazu führen, dass Pollen vermehrt in die Lungen gelangen. Bei Menschen mit Asthma, die auf diese Pollen allergisch reagieren, kann es dadurch zu schwersten Asthmaanfällen kommen, einem Gewitter-Asthma.

Welche Umweltbedingungen bei Gewittern sind denn die Auslöser für Gewitter-Asthma?

Bei Gewittern kann es zu sehr starken Winden kommen. Während der Allergensaison wirbeln diese Winde  auch die Pflanzenpollen auf und treiben sie bis in große Höhen. Durch die meist hohe Luftfeuchtigkeit und die heftigen Regenfälle werden die nach oben getragenen Pollen nass und können durch einen osmotischen Schock in kleinere, noch lungengängigere Bestandteile zerfallen. Es kann so zu einer extremen Allergenexposition kommen, die bei Pollen-sensibilisierten Asthma-Patienten zu Asthmaanfällen führen kann, dem Gewitter-Asthma.

 

wie kommt es zu gewitterasthma roland buhl

 

Zum Gewitter-Asthma kommt es meist in den ersten 30 Minuten eines Gewitters, noch bevor der Regen einsetzt.

Das Gewitter-Asthma ist also keine Erkrankung, sondern eher ein Phänomen?

Gewitter-Asthma ist keine eigenständige Erkrankung, sondern es tritt auf, wenn bestimmte Faktoren zusammen kommen. In Melbourne, Australien, kam es in 2016 zu einer solchen Konstellation. Die Ambulanzen wurden überrannt und innerhalb kürzester Zeit kamen neun Menschen zu Tode.


Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind, ein Gewitter-Asthma zu entwickeln?

Menschen, die an Asthma erkrankt sind, dem eine Allergie gegen Pflanzenpollen zugrunde liegt, tragen ein erhöhtes Risiko. Wenn es bei einem Gewitter zu den beschriebenen speziellen Umweltbedingungen kommt und die Patienten sehr schnell gegenüber großen Pollenmengen, auf die sie allergisch sind, exponiert werden, steigt das Risiko für ein Gewitter-Asthma.

Sie erwähnten, dass die Pollen durch die bei Gewittern auftretenden Phänomene in kleinere Bestandteile zerfallen können. Ist dies beim Gewitter-Asthma ein maßgeblicher Faktor?

Die Entstehung von Pollen-Fragmenten mit noch besserer Lungengängigkeit kann beim Gewitter-Asthma eine gewisse Rolle spielen, aber auch normale Pollen können ein Gewitter-Asthma auslösen.

Maßgeblicher ist, dass durch das Gewitter auf einmal große Pollenmengen und Staubteilchen aufgewirbelt werden. Dadurch steigt die Konzentration dieser Bestandteile in der Luft extrem an und es kommt mit einem Schlag zu einer massiven Exposition.

Ausschlaggebend für das Gewitter-Asthma sind aber nur die Pollen, nicht z.B. Schimmelpilzporen?

Möglicherweise können auch Schimmelpilzporen, beispielsweise Alternaria alternata, bei entsprechender Sensibilisierung des Patienten eine Rolle spielen, denn bei einem Gewitter können grundsätzlich alle allergenen Partikel aufgewirbelt, nach oben getragen und durch die Luftfeuchtigkeit noch besser lungengängig werden. Die Pollenart oder zusätzliche Umweltfaktoren wie Feinstaub und Schadgase spielen dabei keine Rolle.


Birgt denn jedes Gewitter für Asthmapatienten das Risiko, ein Gewitter-Asthma zu entwickeln?

Zu dieser Frage sollte zunächst einmal festgehalten werden, dass ein Gewitter-Asthma ein sehr seltenes Ereignis ist. Es kommt, zumindest in Europa, auf die Jahreszeit an. Ein erhöhtes Risiko besteht in erster Linie bei Gewittern während der Pollensaison, wenn hohe Pollenkonzentrationen unter begünstigenden Umweltfaktoren auf Menschen mit einem allergischen Asthma treffen, dem eine Pollenallergie zugrunde liegt. Menschen, die nicht an Asthma erkrankt sind, müssen sich vor einem Gewitter-Asthma nicht fürchten.

Was können Asthma-Patienten zu ihrem Schutz tun, wenn ein Gewitter im Anzug ist?

Zunächst einmal wäre es für Asthma-Patienten ratsam, bei Gewitter zu Hause zu bleiben und nicht ins Freie zu gehen. Auch im Auto ist man den Pollen bei Gewitter sicher deutlich weniger stark ausgesetzt.

Was kann man als Asthma-Patient tun, wenn man bei der genannten Konstellation zu Asthma-Anfällen neigt?

Diese Asthma-Patienten sollten einen Lungenfacharzt aufsuchen und berichten, dass man unter diesen Umständen bzw. auch bei Gewitter, unter Asthmasymptomen leidet. Der Arzt kann dann ein wirksames, bronchienerweiterndes  Medikament verordnen, das in solchen Situationen zuverlässig hilft. Allerdings muss man das Medikament dann auch dabei haben und schnell anwenden können.

Und was sollte man tun, wenn man kein bronchienerweiterndes Medikament zur Hand hat und ein Gewitter-Asthma bahnt sich an?

Wenn man mitten in einem Anfall steckt und keine Luft bekommt, sollte man sofort die nächste Arztpraxis oder Klinik aufsuchen. Mit einer Sofortbehandlung kann man den meisten Patienten sehr zuverlässig helfen.

Herr Prof. Buhl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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