Spezifische Immuntherapie Asthma

Dr. Peter Kardos, Gemeinschaftspraxis & Zentrum Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Klinik Maingau vom Roten Kreuz in Frankfurt zur Wirksamkeit der SIT!

Spezifische Immuntherapie & Asthma: Wie wirksam ist die Therapie?

Wirkt die SIT asthmaverhindernd bei allen Allergenen wie Pollen, Milben, Tierhaare etc., oder gibt es Unterschiede  bei der Effizienz im Hinblick auf die Prävention von Asthma, je nach Allergen?

Schon die Frage, ob die primäre Wirkung der Immuntherapie bei allen Allergenen gleich ist, ist schwer zu beantworten und international auch ein wenig umstritten. Die besten Daten liegen bei Pollenallergenen vor und neuerdings gibt es auch Daten zur Wirkung der SIT bei Hausstaubmilbenallergenen. Deutlich weniger und schlechtere Daten existieren für die SIT bei Tierhaarallergien und Schimmelpilzallergien.

Warum gibt es für die spezifische Immuntherapie für Allergien gegen Tierhaare und Schimmelpilze nur unzureichende Daten?

Bei der Tierhaarallergie ist die erste Maßnahme die Allergiekarenz, d.h. man muss nicht desensibilisieren.

Ist eine Allergiekarenz nicht möglich, ist die Desensibilsierung nicht unproblematisch, weil sich das Risiko für anaphylaktische Reaktionen auf die SIT durch den permanenten Allergenkontakt erhöht. Schon bei der Desensibilisierung bei einer Allergie auf Birkenpollen lautet die allgemeine Empfehlung, die Dosis in der Zeit, in der die Birkenpollen fliegen auf ein Viertel der zuletzt vertragenen Dosis zu reduzieren.    

Sie raten bei der Tierhaarallergie, das entsprechende Tier abzuschaffen, im Falle der Katze hört man jedoch, dass die Allergene auch Jahre nachdem das Tier aus dem Haus ist, zu finden sind…

Bei der Katze ist das Allergen sehr lange nachweisbar. Vor ca. 15 Jahren hat man in Berlin sehr präzise Allergenmessungen in Wohnungen durchgeführt und Katzenallergene in Wohnungen gefunden, deren Bewohner gar nicht wussten, dass dort jemals eine Katze gelebt hatte.

Dennoch kann die Karenz wirksam sein, denn bei vielen Katzenallergikern sind die allergischen Reaktionen abhängig von der Konzentration der Allergene, mit denen der Patient in Kontakt kommt. Es gibt extrem allergische Katzenallergiker, die schon reagieren, wenn sie eine Wohnung betreten, in der sich vor zwei Wochen eine Katze aufgehalten hat. Es gibt aber auch Menschen, die eine nachgewiesene Sensibilisierung auf Katzenallergene haben, eine Katze halten und keine Symptome zeigen, solange sie die Katze nicht ins Bett lassen oder intensiv streicheln. Andere reagieren überhaupt nicht auf den Katzenkontakt, obwohl sowohl der Pricktest als auch der Bluttest eine deutliche Sensibilisierung nachgewiesen haben – alles ist möglich.

Dies gilt jedoch nicht nur für Katzenallergiker, sondern für alle Patienten mit Allergien, entscheidend ist immer die klinische Aktualität der Sensibilisierung. Man unterscheidet deshalb zwischen einer Sensibilisierung, d.h. dem Nachweis einer allergischen Reaktion im Hauttest und/oder im Blut, und einer Allergie, d.h. es treten bei Allergenkontakt Symptome auf.

Gibt es Unterschiede zwischen SCIT und SLIT in Bezug auf die Effizienz im Hinblick auf die Prävention von Asthma?

Hierzu ist keine generelle Aussage möglich. Die Wirksamkeit von SCIT und SLIT bezieht sich immer auf einzelne Extrakte. Sehr viele Faktoren spielen in Bezug auf die Wirksamkeit der Immuntherapie eine Rolle und die SIT-Leitlinie aus dem Jahr 2014 empfiehlt, eine so generelle Aussage grundsätzlich nicht zu treffen. Ausschlaggebend für die Empfehlung eines Präparates für die SIT ist laut Leitlinie nicht die Darreichungsform, sondern vielmehr die Studienlage, die Studienqualität und die Studienergebnisse des jeweiligen Präparates für die zu behandelnde Allergie.

Beim Thema „Effizienz der Therapie“ kommt jedoch noch ein Punkt hinzu: Jede medizinische Therapie wirkt individuell unterschiedlich, und auch die Adhärenz des Patienten spielt eine erhebliche Rolle. Die Spezifische Immuntherapie mit der Spritze, d.h. die subkutane Immuntherapie (SCIT), verlangt vom Patienten eine strenge Disziplin. Über drei und mehr Jahre hinweg muss der Patient in die Praxis kommen, anfangs einmal die Woche, später monatlich und nach der Verabreichung der Spritze muss er auch noch ca. eine halbe Stunde in der Praxis verweilen, falls es zu Nebenwirkungen kommt. Es handelt sich also um eine sehr aufwändige Therapie und die Wirksamkeit der Therapie hängt stark von der Disziplin des Patienten ab. Nicht alle Patienten sind dazu bereit, diesen Aufwand zu betreiben.

Herr Dr. Kardos, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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