Spezifische Immuntherapie Asthma

Dr. Peter Kardos, Gemeinschaftspraxis & Zentrum Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Klinik Maingau vom Roten Kreuz in Frankfurt zur Wirksamkeit der SIT!

Spezifische Immuntherapie & Asthma: Wie wirksam ist die Therapie?

Bei Patienten mit Heuschnupfen besteht die Gefahr eines Etagenwechsels. Das bedeutet, zusätzlich zum Heuschnupfen kann sich im Laufe weniger Jahre ein Asthma entwickeln. Dies gilt nicht nur für den so genannten Heuschnupfen, der durch Gräserpollen - im breiterem Sinne auch durch Baum- oder Kräuterpollen - verursacht wird, sondern allgemein für die allergische Rhinitis, die auch auf Tierhaare, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze – also außerhalb der Pollenzeit – verursacht wird. Die spezifische Immuntherapie (SIT), auch als Allergen Immuntherapie (AIT) bezeichnet, gilt als präventiv wirkende Behandlung im Hinblick auf die Entstehung von Asthma, aber wie effektiv ist sie? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Peter Kardos, Gemeinschaftspraxis & Zentrum Pneumologie, Allergologie, Schlafmedizin, Klinik Maingau vom Roten Kreuz in Frankfurt über die Wirksamkeit der SIT.

Herr Dr. Kardos, neben der Therapie der allergischen Rhinitis kann eine spezifische Immuntherapie auch das Entstehen von Asthma verhindern, was weiß man zurzeit über die Effizienz der SIT?

Das relative Risiko von Patienten mit einer allergischen Rhinitis an Asthma zu erkranken ist 3.5fach Mal höher. Es ist allgemein akzeptiert, dass eine spezifische Immuntherapie bei der allergischen Rhinitis die Entstehung von Asthma verhindern kann. Die spezifische Immuntherapie kann somit eine wirksame Primärprophylaxe für Asthma sein.

Allerdings ist es extrem schwierig, dies mit guten Studien nachzuweisen, denn das kindliche Asthma kann auch ohne Behandlung ausheilen. In sehr vielen Fällen verlieren die Kinder, vor allem die Jungen, Mädchen seltener, das Asthma nach der Pubertät.

Manche Patienten sind dann lebenslang frei von Asthma, andere sind von der Pubertät bis zum ca. 30. Lebensjahr beschwerdefrei und danach kommt es erneut zu Asthmasymptomen. Um nachzuweisen, dass bei einem Kind mit allergischer Rhinitis aufgrund der SIT kein Asthma entstanden ist, bzw. dass ein bestehendes Asthma durch die SIT und nicht von selbst verschwunden ist, müsste man deshalb Langzeitstudien über mindestens 20 Jahre durchführen.

Dennoch kann man sagen, dass Kinder mit allergischer Rhinitis, die eine spezifische Immuntherapie erhalten haben, eine größere Chance haben, den Etagenwechsel zu verhindern und nicht an Asthma zu erkranken, als die nicht behandelten Kinder.

Zudem hat die spezifische Immuntherapie einen präventiven Effekt in Bezug auf die Ausbreitung des Allergenspektrums bzw. Neusensibilisierungen. Wenn ein Kind im Alter von 12 Jahren eine Gräserpollenallergie hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum 25. Lebensjahr auch eine Allergie auf Birke, Hasel, Erle, Beifuß etc. hinzukommt, relativ groß. Die SIT kann auch dies verhindern.

Sie empfehlen also die SIT bei Kindern, die eine allergische Rhinitis haben?

Empfehlenswert ist die Spezifische Immuntherapie bei Kindern auf jeden Fall. Die allergische Rhinitis ist eine Erkrankung, die die Lebensqualität der Kinder enorm beeinträchtigt. Eine ursächliche Behandlung der Symptome durch die SIT ist deshalb sinnvoll und wenn dadurch das Asthmarisiko reduziert werden kann, spricht dies zusätzlich für die Hyposensibilisierung, zumal man weiß, dass lang anhaltender schwerer Heuschnupfen häufig in Asthma übergeht.

Wie lange hält die Wirkung der Desensibilisierung an?

Wie lange die Wirkung der Desensibilisierung anhält wissen wir noch nicht, aber eine amerikanische Studie konnte noch nach sieben Jahren nach Abschluss der Behandlung einen Effekt nachweisen.

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