ASS-Unverträglichkeits-Syndrom

Dipl. oec. troph. Sibylle Plank, Vital Klinik, Alzenau

ASS-Unverträglichkeits-Syndrom – was darf man essen?

In welchen natürlichen Nahrungsmitteln ist die Acetylsalicylsäure bzw. sind Salicylate enthalten?

Acetylsalicylsäure (ASS) ist eine chemische Verbindung, die in der Natur nicht vorkommt. Salicylsäure ist dagegen eine natürliche Substanz, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gehört und in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist. Salicylatreich sind vor allem einige Obst- und Gemüsesorten, Nüsse und Samen sowie einige Kräuter und Gewürze.

Der genaue Gehalt an Salicylsäure in Lebensmitteln ist allerdings umstritten. Die Angaben in vielen Tabellen richten sich nach Laborwerten von R Swain aus den 1980er Jahren. Dieser Autor hat zwar ausführlich zu Salicylsäure geforscht, die Höhe seiner Messungen wird heute allerdings als zu hoch angesehen: Während Swain von einem durchschnittlichen Salicylatgehalt von 10 – 200 mg/d in normaler Mischkost ausgeht, liegen jüngere Angaben deutlich niedriger: In einer systematischen Übersichtsstudie von A. Wood und Kollegen aus dem Jahr 2011 werden für Gemüse und Früchte Salicylatgehalte zwischen 0 - 4 Mikrogramm/g angegeben, bei Gewürzen und Kräutern liegen die Werte etwas höher, zwischen 2 – 55 Mikrogramm/g. Unter Berücksichtigung dieser Werte beträgt die Aufnahme von Salicylaten in normaler Mischkost nur etwa 3 – 5 mg/Tag. Selbst bei der denkbar salicylatreichsten Ernährung – einer rein vegetarischen Kost mit reichlicher Verwendung von Gewürzen wie Curry, Minze und Kreuzkümmel - liegt sie nach Untersuchungen von G.G. Duthie und A. Wood aus dem Jahr 2011 nur bei 12 – 13 mg/Tag. Zum Vergleich: Eine Tablette Aspirin enthält 500 mg Acetylsalicylsäure.

Müssen Patienten mit ASS-Intoleranz dann überhaupt grundsätzlich eine salicylatarme Kost einhalten?

Nein, das ist nur für eine Minderheit hochsensitiver Patienten der Fall: Bei Überprüfung der ASS-Empfindlichkeit mittels oraler Provokationen wird die untere Schwellendosis, also die ASS-Dosis, bei der die ersten Beschwerden eintreten, in Studien selten unter 30 mg angegeben. Für Patienten mit dieser oder gar einer höheren Schwellendosis sind die in der Nahrung enthaltenen Salicylatmengen von 3-13 mg/Tag problemlos verträglich.

Das entspricht auch meiner persönlichen Erfahrung: In den 15 Jahren, in denen ich in der Allergieberatung tätig bin, habe ich bisher nur einen Patienten betreut, der bei ASS-Intoleranz auch auf salicylatreiche Nahrungsmittel Beschwerden entwickelt hat. Dieser Patient hat eine adaptive Desaktivierung durchgeführt, mit einer Erhaltungsdosis von 100 mg ASS/Tag und konnte in Folge wieder alles essen.

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