Anaphylaxieumgang Kinder altersgerecht

Kirsten Henning, Kinderkrankenschwester, Diplom Pädagogin für Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung, Patiententrainerin für DMP-Asthma, Neurodermitis und Anaphylaxie

Anaphylaxie – wie gehen Eltern mit den Risiken altersgerecht um?

Was ist wichtig bei Kindern bis zu 6 Jahren? Wie geht man vor bei der Erklärung der Krankheit?

Davon ausgehend, dass Kinder zunächst am Modell der Erwachsenen lernen, sind hier die Eltern natürlich die wichtigsten Personen. Sie wählen die Speisen für ihr Kind aus und informieren andere Betreuungspersonen über die Allergene.

Das Notfallset ist immer dabei – aus der Sicht des sehr kleines Kind ist das zunächst nicht relevant.

Mit zunehmendem Alter ist es aber äußerst wichtig das Kind immer mehr mit einzubeziehen.

Das wird vielleicht klarer, wenn ich von einem Erlebnis mit einer Familie in einer Beratungssituation berichte:

Während einer Instruktion, in der die Eltern eines etwa 2-jährigen Kindes die Anwendung des Adrenalin Pens gezeigt bekamen, hat der Sohn neugierig nach dem Übungs-Pen gegriffen und ganz spielerisch ausprobiert, wie seine Eltern es vorher vorgemacht hatten. Er hat sich den Dummy an den Oberschenkel gehalten und fest gedrückt. Die Eltern waren zunächst etwas unsicher, ob sie es erlauben sollten. Nach meiner Ansicht ist es aber wichtig, dem Kind frühzeitig zu demonstrieren, dass der Pen nichts bedrohliches darstellt. Natürlich ist es auch ebenso wichtig dem Kind klar zu machen, dass weder der Übungs-Pen, noch der in der Notfalltasche, Spielzeug ist. Etwa im Sinne von: wenn wir dabei sind, darfst Du ihn haben, aber sonst nicht. In der Regel kommen Kinder ja durchaus mit solchen Regeln zurecht – z.B. beim Benutzen von Messern oder beim Anzünden von Kerzen.

Je älter das Kind – etwa ab Kindergarten Alter - desto mehr muss behutsam auf die Gefahr der Anaphylaxie hingewiesen werden. In dem Anaphylaxie Handbuch Hannover gibt es eine kleine Geschichte, in der die Aufgaben des Immunsystems und die Fehlfunktion bei der Anaphylaxie kindgerecht erklärt wird. Sie soll Hilfestellung sein für Eltern und Mediziner, dem Kind zunächst die Krankheit zu erklären. Alles weitere muss für das Kind so sein, dass es nicht diskutierbar ist. Das heißt: Ich diskutiere nicht, ob das von einer Nussallergie betroffene Kind ein Nusseis essen darf. Genauso muss klar sein, dass das Kind immer weiß, wo sein Notfallset ist und das es dies ständig in der Nähe haben muss. Je älter das Kind, desto wichtiger ist es, dass es das Set selbst bei sich trägt.


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Auch sollten Kinder in diesem Alter dafür stark gemacht werden, Hilfe einzufordern, wenn sie Symptome der Anaphylaxie spüren. Vorausgesetzt sie hatten schon einen anaphylaktischen Notfall und können sich erinnern.

Die 6 wichtigsten Tipps für Kinder bis 6 Jahre:

  1. Klarheit in der Erziehungshaltung. Das heißt, wenn es immer viele Ausnahmen gibt, werden Regeln oder Verbote nicht ernst genommen. Im Bezug auf die Allergene kann die Ausnahme tragisch sein.
  2. Eltern sollten offen mit der Anaphylaxie umgehen.
  3. Das Umfeld muss informiert werden.
  4. Für die Kita eine Schatzkiste mit Alternativen zu Allergenen bereithalten.
  5. Eine Collage basteln, die die Allergene darstellt und Nahrungsmittel in denen diese enthalten sind.
  6. Kindgerechte Erklärung der Anaphylaxie sowohl für das betroffene Kind, als auch für Geschwister und Freunde des Kindes. Diese Erklärungen immer wieder wiederholen.

Was kann man vom Kind an Disziplin "fordern" und womit wäre das Kind überfordert?

Wenn das Kind die Krankheit verstanden hat, muss man sehr wahrscheinlich gar nichts mehr fordern.

Gut aufgeklärte Kinder, mit Wissen um die Notwendigkeit des Notfallsets und der Meidung des Allergens, stellen nicht in Frage, dass sie nur essen, was sie kennen und führen ihr Set, mitunter sogar ganz stolz, immer bei sich.

Überfordert wäre ein Kind, wenn es ganz allein verantwortlich sein soll. Es braucht immer noch die Unterstützung der Erwachsenen, die an das Set erinnern, es auf Haltbarkeit und Vollständigkeit überprüfen. Auch sollten die Erwachsenen dafür sorgen, das alle wichtigen Betreuungs- und Kontaktpersonen des Kindes gut informiert sind über Anzeichen des Notfalls und Einsatz der Notfallmedikamente.

Wenn es einem Kind unangenehm ist, immer eine "Sonderrolle" einzunehmen, z.B. bei Kindergarten– und Schulfesten, dann kann es damit überfordert sein, wenn die Erwachsene erwarten, dass es alle auf die Anaphylaxie hinweist. Dann ist es vielleicht zu schwierig sich am Tisch oder Buffet seine Speisen selbst zusammenzustellen. Hier müssen die Erwachsenen sehr sensibel reagieren und helfend unterstützen.

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Mitunter kann es zu diesen Situationen kommen, auch wenn das Kind schon häufig gut für sich selbst gesorgt hat. Es kommt zu Rückschritten, als eine Form der Verleugnung, ausgehend von dem Wunsch zu sein wie alle anderen. Dies ist in allen Altersgruppen möglich.

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