Anaphylaxieumgang Kinder altersgerecht

Kirsten Henning, Kinderkrankenschwester, Diplom Pädagogin für Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung, Patiententrainerin für DMP-Asthma, Neurodermitis und Anaphylaxie

Anaphylaxie – wie gehen Eltern mit den Risiken altersgerecht um?

Schätzungen zufolge leiden ca. 2 bis 5 Prozent der Gesamtbevölkerung an Anaphylaxie. Dabei fällt auf, dass die Anzahl der anaphylaktische Reaktionen im Laufe der letzten Jahre deutlich zugenommen hat.* Es werden also immer mehr Menschen mit der Diagnose Anaphylaxie konfrontiert und damit auch immer mehr Kinder. Die Diagnose "Anaphylaxie" macht den betroffenen Familien zunächst einmal Angst. Für das Wohlbefinden der betroffenen Kinder spielt es jedoch eine große Rolle, wie ihre Eltern mit der Krankheit umgehen. Wenn die Eltern die richtige Balance zwischen dem "Ernst nehmen" der Erkrankung und einem "normalen und kindgerechten" Alltag finden, wirkt sich dies positiv auf die Selbstwahrnehmung und Entwicklung der Kinder aus. MeinAllergiePortal sprach mit Kirsten Henning, Kinderkrankenschwester, Diplom Pädagogin für Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung, Patiententrainerin für DMP-Asthma, Neurodermitis und Anaphylaxie darüber, wie ein altersgerechter Umgang mit anaphylaktischen Kindern aussehen sollte.

Frau Henning, in Ihrer Praxis haben sie sicherlich sehr unterschiedliche "Fälle" erlebt. Welche Faktoren in den Familien haben sich als günstig für einen "positiven" Umgang mit einem anaphylaktischen Kind erwiesen und welche Faktoren führen eher zu Problemen?

Sowohl übergroße Ängste um das Kind , als auch große Lässigkeit im Sinne : "Es wird schon nichts passieren" sind problematisch.

Darüber hinaus  wirkt es sich ungünstig aus, wenn Eltern alles, was die Anaphylaxie betrifft ständig selbst kontrollieren wollen und ihr Kind sozusagen nicht "von der Leine" lassen.  Dieser Wunsch nach Kontrolle verunsichert das Kind und behindert seinen Autonomieentwicklung. Es verunsichert aber auch alle Betreuungspersonen des Kindes wie Großeltern, Verwandte, Freunde und pädagogisches Personal in Tageseinrichtungen und Schule.


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Was können Familien mit eher problematischen Faktoren tun, um dies zu verbessern?

Ein gesundes Mittelmaß sollte gefunden werden. Gute Aufklärung sowohl der Familie als auch des Umfeldes, helfen die Krankheit zu verstehen und adäquat damit umzugehen.

Für die Eltern ist hier zunächst natürlich die gute Betreuung in der Kinderarztpraxis entscheidend, die mit Patientenschulungen zum Thema Anaphylaxie noch zusätzlich ergänzt werden sollte. In diesen Schulungen treffen Familien mit der selben Diagnose aufeinander. Der Nutzen des Austausches der Betroffenen untereinander kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Im Rahmen dieser Schulungen werden die Ängste der Eltern offen angesprochen und können im Idealfall minimiert werden. Benötigt die Familie noch zusätzlich Unterstützung, kann dies in diesem Setting angebahnt werden.

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Schulungen für Schulkinder und Jugendliche haben einen eben so großen Nutzen und können die Eltern in sofern entlasten, als die Kinder und Jugendlichen hier zu wirklichen Fachleuten für ihre Erkrankung werden. Sie sind so in die Lage versetzt, andere über die Anaphylaxie zu informieren, die Vorbeugung zu optimieren und das Notfallmanagement anderen zu erklären.

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