Bienengiftallergie Wespengiftallergie allergischer Schock Anaphylaxie

Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl, Oberarzt der Klinik, Leiter Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen zur Anaphylaxie bei Bienengift- oder Wespengiftallergie!

Bienengiftallergie? Wespengiftallergie? Wann droht ein allergischer Schock?

Gibt es auch Risikofaktoren für einen allergischen Schock, die beim Insektengiftallergiker selbst liegen?

Es gibt durchaus Risikofaktoren für einen anaphylaktischen Schock, die im Menschen selbst liegen können. Zum einen sind dies Faktoren, die im Umfeld und im Verhalten liegen, zum anderen physische Faktoren.

Es gibt, wie gesagt, Patienten, die per se häufiger gestochen werden als andere Menschen, weil sie beruflich oder durch ihre Freizeitbeschäftigung häufiger mit Bienen, Wespen, Hummeln oder Hornissen in Kontakt kommen. Wenn man häufiger von Insekten gestochen wird, besteht auch ein etwas größeres Risiko, dass es zu einem anaphylaktischen Schock kommt. Das höchste Expositionsrisiko tragen sicher die bereits erwähnten Imker, aber auch deren Ehepartner oder Nachbarn. Deshalb gehört bei der Anamnese die Frage nach einem Imker in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Standard.

Neben der ebenfalls bereits erwähnten Bäckereifachverkäuferin, sind aber auch Obstverkäufer, Gärtner oder Waldarbeiter stärker exponiert, wenn es um Insektenstiche geht. Auch die Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr, die sich um Wespennester kümmern muss, tragen im Vergleich zur Normalbevölkerung ein erhöhtes Stichrisiko und somit ein höheres Risiko, eine Anaphylaxie zu entwickeln.

Das Freizeitverhalten spielt beim Expositionsrisiko ebenfalls eine Rolle. Menschen, die sich sehr häufig im Freien aufhalten, wie z.B. Ruheständler, die sehr häufig im Garten arbeiten, oder Ausdauersportler, die viel im Freien trainieren, sind stärker anaphylaxiegefährdet, wenn sie Insektengiftallergiker sind.

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Sie erwähnten physische Faktoren, die bei der Allergie gegen Bienengift oder Wespengift das Anaphylaxierisiko erhöhen?

Es gibt bei Insektengiftallergikern Faktoren, die im Patienten selbst liegen und die beim Risiko für eine schwere anaphylaktische Reaktion eine Rolle spielen. 
Ein Faktor sind frühere schwere allergische Reaktionen, denn wenn ein Patient bereits eine schwere Anaphylaxie hatte, steigt das Risiko, dass sich dies wiederholt.

Grundsätzlich scheint auch das Alter ein Risikofaktor für einen allergischen Schock zu sein. Offenbar ist das 40. Lebensjahr eine Grenze, ab der das Risiko für schwere allergische Reaktionen ansteigt, unabhängig von anderen Faktoren und selbst dann, wenn bisher gar keine Insektengiftallergie bestand.

Auch kardiovaskuläre Erkrankungen, d.h. Erkrankungen des Herzens und der Lunge, sind ein Risiko für einen schweren allergischen Schock. Bestehen hier starke Vorschädigungen, zu denen dann die anaphylaktische Reaktion hinzukommt, ist das Risiko für eine schwere Anaphylaxie größer.  

Medikamente sind ein weiterer wichtiger Risikofaktor für eine Anaphylaxie bei Insektengiftallergikern. Problematisch sind z.B. Betablocker, die zur Blutdrucksenkung verordnet werden.

Eine sehr seltene, aber sehr wichtige Erkrankung im Zusammenhang mit dem Anaphylaxierisiko von Insektengiftallergikern, ist die Mastozytose. Auch bei Mastozytose-Patienten ist das Risiko, eine schwere Anaphylaxie zu erleiden, erhöht.

Gilt das erhöhte Risiko für schwere Anaphylaxien, abgesehen von der Mastozytose, auch für andere Mastzellenaktivierungssyndrome?

Es gibt hierzu keine guten Studien. Man könnte annehmen, dass es ein Risikofaktor für eine schwere Anaphylaxie ist, wenn die Mastzellen zu einer erhöhten Aktivität neigen.

Für das Anaphylaxierisiko bei Mastzellenaktivierungssyndromen ist die Tryptase im Blut ein guter Indikator. Ein erhöhter Tryptasewert ist ein Hinweis auf die mögliche Schwere einer anaphylaktischen Reaktion. Allerdings ist bei den meisten Mastzellenerkrankungen der Tryptasewert nicht erhöht und hier besteht wahrscheinlich auch kein erhöhtes Anaphylaxierisiko.

Gibt es noch weitere Risikofaktoren für schwere allergische Schocks bei Bienengift oder Wespengiftallergikern?

Auch physische und psychische Belastungssituationen spielen eine Rolle, wenn es um das Risiko für eine schwere allergische Reaktion für Insektengiftallergiker geht, wobei man mit der Forschung hier noch am Anfang steht.

Man weiß, dass Stress generell dazu in der Lage ist, Hauterkrankungen zu beeinflussen. Für die Erkrankung Neurodermitis ist dies belegt, denn hier weiß man, dass bestimmte Botenstoffe, die durch Stress freigesetzt werden, auf der Nervenebene zu Hautentzündungen und Juckreiz führen.

Auch bei der Anaphylaxie kann Stress durchaus einen Einfluss auf die Schwere der anaphylaktischen Reaktion haben. Wenn stressbedingt bereits Belastungs- und Erregungsbotenstoffe im Körper vorhanden sind, kann dies die allergische Reaktion von Insektengiftallergikern nach einem Stichereignis verstärken.

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