Bienengiftallergie Wespengiftallergie allergischer Schock Anaphylaxie

Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl, Oberarzt der Klinik, Leiter Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen zur Anaphylaxie bei Bienengift- oder Wespengiftallergie!

Bienengiftallergie? Wespengiftallergie? Wann droht ein allergischer Schock?

Wie erkennt man eine anaphylaktische bzw. systemische Reaktionen nach einen Stich durch eine Biene oder Wespe?

„Systemische Reaktion“ bedeutet:  Die Reaktion tritt an einer anderen Stelle des Körpers als an der Einstichstelle auf, denn an der Einstichstelle selbst ist eine Reaktion in Form von einer Rötung oder Schwellung normal.  

Eine systemische Reaktion kann sich auf viele Arten zeigen, z.B. durch:

•    Nesselfieber, d.h. eine Urtikaria am ganzen Körper

•    Schwellungen an anderen Körperarealen

•    Luftnot

•    Juckreiz

•    unfreiwilligen Harnabgang oder Kotabgang

•    Herzklopfen

•    Kreislaufabfall

•    Bewusstlosigkeit

•    bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand

Ein Merkmal von anaphylaktischen Reaktionen ist ihre Objektivierbarkeit, d.h. man kann sie deutlich sehen. Ein Beispiel hierfür wäre z.B. ein Ausschlag, oder Veränderungen, die andere Anwesende am Patienten bemerken.

Ein sehr charakteristisches Zeichen  für eine Anaphylaxie ist ein typischer Juckreiz an den Handinnenflächen, den Fußsohlen und im Genitalbereich. Die Ursache dafür kennt man nicht, aber häufig ist dies der Vorbote einer schweren Anaphylaxie.


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Sie erwähnten die Unterschiedlichkeit der anaphylaktischen Reaktionen bei Insektengiftallergikern: Welche Faktoren beeinträchtigen die Heftigkeit der allergischen Reaktion und wann kommt es bei Insektengiftallergikern zum allergischen Schock?

Ein Faktor für die Heftigkeit von systemischen Reaktionen nach Insektenstichen ist das Insekt selbst.

Bei einem Bienengiftallergiker ist es z.B. relevant, ob es sich um eine junge oder um eine alte Biene handelt – bei älteren Bienen ist die Giftmenge meist größer als bei den jüngeren. Übrigens bleibt der Stachel von Bienen nach einem Stich meist in der Haut stecken und das Tier stirbt daran.

Die Wespe kann ihren Stachel nach dem Stich in der Regel wieder herausziehen und kann mehrfach zustechen. Bei Wespengiftallergikern spielt es deshalb z.B. eine Rolle, ob die Wespe vielleicht kurz vorher schon jemand anderen gestochen hat. War das der Fall, hat sie ihr Gift vielleicht schon „verspritzt“ und die restliche Giftmenge ist sehr gering. Das Risiko einer systemischen allergischen Reaktion oder gar einer Anaphylaxie ist dann deutlich geringer.

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Dann gibt es Tiere, die vor dem Zustechen zunächst einen sogenannten „Alarmstich“ absetzen. Das bedeutet, sie spritzen vor dem Stich eine kleine Giftmenge in die Luft, sozusagen als Test. Dabei geht Gift verloren und für den tatsächlichen Stich wäre dann weniger Gift vorhanden, was ebenfalls das anaphylaktische Risiko senkt.

Nicht allein das Insekt selbst ist jedoch wichtig für den Schwergrad der anaphylaktischen Reaktion bei Insektengiftallergikern. Auch die Art und Weise, auf die der Stich erfolgt, spielt eine Rolle, z.B. der Einstichwinkel beim Stechen. Trifft das Insekt die Haut wirklich vertikal und der Stachel dringt tief in das Gewebe ein? Dann ist die injizierte Giftmenge groß und die Wahrscheinlichkeit einer Anaphylaxie steigt. Oder handelt es sich um einen oberflächlichen Stich, der an der Haut lediglich entlanggleitet? Dann ist die Giftmenge, die in den Körper gelangt, gering und die Wahrscheinlichkeit einer systemischen Reaktion ebenso.


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Spielt es für das Stich- bzw. Anaphylaxierisiko eine Rolle, ob der Patient Bienengift- oder Wespengiftallergiker ist?

Ja, denn zunächst ist das Insekt selbst ein Faktor, der mit unterschiedlichen Risikopotentialen einhergeht. Grundsätzlich unterscheidet sich die Häufigkeitsverteilung - es gibt mehr Wespengiftallergiker als Bienengiftallergiker. Per se gibt es dadurch einfach mehr Menschen mit einer Wespengiftallergie, bei denen es nach einem Wespenstich zum allergischen Schock kommen könnte. 

Bei den Bienengiftallergikern geht oft mit dem Beruf ein erhöhtes Stichrisiko einher und somit auch ein erhöhtes Anaphylaxierisiko. An erster Stelle stehen hier die Imker, aber auch z.B. Bäckereifachverkäuferinnen tragen ein höheres Risiko. Im Sommer kommen die Insekten in die Bäckereien und das Stichrisiko steigt.

Allerdings ist es manchmal gar nicht so einfach, nach einem Stich zu identifizieren, ob es sich um eine Biene oder um eine Wespe gehandelt hat. Selbst Biologen sind oft nicht in der Lage, die Bienen und Wespen im Flug zu unterscheiden und die Angaben der Patienten, die ja in der Regel Laien sind, sind dementsprechend nicht immer verlässlich.

Auch die erwähnte Regel, dass der Stachel bei der Biene in der Haut bleibt und bei der Wespe nicht, gilt zwar meist, aber eben nicht immer. Auch ein Wespenstachel kann einmal steckenbleiben und auch ein Bienenstachel kann in seltenen Fällen wieder herausgezogen werden.

Die Frage nach dem „Verursacher“ ist aber dennoch ein wichtiges Puzzleteil bei der Diagnostik. Je mehr Hinweise vom Patienten kommen und je besser diese zu den Ergebnissen der Haut-und Bluttests passen, umso treffsicherer die Diagnose.

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