Adrenalin Autoinjektor Anaphylaxie Kinder GPA

Prof. Dr. Christian Vogelberg, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und Leiter des Fachbereichs Pneumologie/ Allergologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitäts-klinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Gefährdet Aut idem bei Adrenalin-Autoinjektoren Kinder mit Anaphylaxie?

Eine Anaphylaxie kann rasend schnell ablaufen. Innerhalb von Minuten kann es zu schweren Symptomen – unter anderem an den Atemwegen oder am Herz-Kreislauf-System kommen. Es kann Lebensgefahr bestehen! Viele Kinder sind von Anaphylaxie betroffen und müssen deshalb stets ein Notfall-Set bei sich tragen. Dessen wichtigster Bestandteil: Der Adrenalin-Autoinjektor (AAI). Allerdings gilt auch für Adrenalin-Autoinjektoren die Aut idem-Regelung und gesetzliche Krankenkassen können mit bestimmten Herstellern Rabattverträge abschließen. Aut idem verpflichtet die Apotheken, gesetzlich versicherten Anaphylaxie-Patienten den im Rabattvertrag ihrer jeweiligen Kasse festgelegten Adrenalin-Autoinjektor  anstelle des vom Arzt verordneten Pens auszuhändigen. Für die Kassen ist dies ein enormes Einsparpotenzial, aber was bedeutet das für Kinder mit Anaphylaxie, die im Notfall in der Lage sein müssen, sich selbst eine Injektion mit dem Adrenalin-Autoinjektor zu verabreichen? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Christian Vogelberg, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und Leiter des Fachbereichs Pneumologie/Allergologie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden über seine Einschätzung dieser Frage.

Herr Professor Vogelberg, könnte die Aut idem-Regelung für Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) für Kinder mit Anaphylaxie gefährlich werden?

Die Aut idem-Regelung für Adrenalin-Autoinjektoren birgt ein Risiko für alle Patienten mit Anaphylaxie, d.h. nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Bei Kindern ist das Gefährdungspotenzial jedoch deutlich erhöht.

Zur Hintergrund: Ein Adrenalin-Autoinjektor ist eine Art Spritze in Form eines Pens, die den Wirkstoff Epinephrin in der Darreichungsform Injektionslösung enthält. Der Patient muss im Notfall, d.h. wenn sich ein anaphylaktischer Schock anbahnt, in der Lage sein, sich diesen Wirkstoff so schnell wie möglich selbst in den Oberschenkel zu injizieren. Im nicht aktivierten Zustand ist ein Adrenalin-Autoinjektor sozusagen „gesichert“, denn man will sich ja nicht ohne Grund versehentlich eine Injektion verabreichen. Im Notfall muss der Adrenalin-Autoinjektor „entsichert“ werden um gebrauchsfertig zu sein.

Nun gibt es verschiedene Hersteller von Adrenalin-Autoinjektoren und je nach Hersteller unterscheidet sich die Handhabung des „Entsicherungsvorgangs“. Ferner unterscheiden sich die Injektoren in ihrer Nadellänge, was besonders bei sehr jungen Kindern oder bei Jugendlichen von Bedeutung sein kann. Es kann gerade für Kinder fatale Folgen haben, wenn sie immer wieder mit neuen Modellen und damit mit unterschiedlichen Handhabungen von Adrenalin-Autoinjektoren konfrontiert werden. Wesentlich sicherer für die korrekte Anwendung ist es, wenn die Kinder stets das gleiche AAI-Modell verordnet bekommen.


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Welche Folgen kann es haben, wenn ein Kind mit Anaphylaxie den Adrenalin-Autoinjektor falsch anwendet?

Im schlimmsten Fall kann es tödlich enden, wenn ein Kind den Adrenalin-Autoinjektor falsch anwendet. Wenn ein Kind sich das Epinephrin z.B. aus Versehen in den Finger injiziert anstatt in den Oberschenkelmuskel, kommt der Wirkstoff nicht im System an und die Anaphylaxie wird nicht gestoppt, sondern nimmt ihren Verlauf. Nur die schnelle und korrekte Selbstinjektion mit einem Adrenalin -Autoinjektor  kann eine Anaphylaxie aufhalten.

Deshalb müssen gerade Kinder die AAI-Anwendung wieder und wieder üben, um im Notfall alle Handgriffe zu beherrschen. Gerade bei Kindern wird aber oft auch das gesamte Umfeld des anaphylaktischen Kindes im Umgang mit dem Adrenalin-Autoinjektor geschult. Auch hier ergeben sich durch die Aut idem-Regelung Probleme.

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