Anaphylaxie Notfall allergischer Schock

Prof. Dr. Knut Brockow, Klinik u. Poliklinik für Dermatologie u. Allergologie am Biederstein, Technische Universität München

Anaphylaxie: Wie erkennt man sie? Was ist zu tun?

Kann man selbst auch etwas tun, bis der Notarzt eintrifft?

Ist ein lebenswichtiges Organsystem betroffen, das heißt die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System, kann man einen Adrenalin-Autoinjektor anwenden. Allerdings setzt dies voraus, dass beim Betroffenen bekannt ist, dass er anaphylaktisch reagieren kann und er ein Notfallset mit einem Adrenalin-Autoinjektor bei sich trägt.

Wenn der Patient also selbst nicht dazu in der Lage ist, sollte man den Adrenalin-Autoinjektor anwenden. Dafür nimmt man den Verschluss des Pens ab und stößt die Nadel in den Oberschenkelmuskel, notfalls auch durch die Hose hindurch.

Zusätzlich sollte man den Patienten bei Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems flach lagern und die Beine hochlagern. Ist das Atemsystem betroffen, kann man versuchen, den Patienten in die Kutscherstellung zu bringen, d.h. sitzend und leicht vornübergebeugt.

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Gibt es Risiken beim Verabreichen des Adrenalin-Autoinjektors?

Eine schwere Anaphylaxie kann sehr schnell ablaufen. Deshalb muss man sehr schnell handeln und Adrenalin ist einfach das am schnellsten wirkende  Medikament. Das Risiko von systemischen Nebenwirkungen bei Gabe in den Muskel in der vom Arzt verschriebenen Dosis ist gering und nahezu immer kleiner als das Risiko durch die Anaphylaxie Schäden zu entwickeln.

Welche Maßnahmen sollten nach dem anaphylaktischen Schock erfolgen?

Ist die Anaphylaxie erstmals aufgetreten, ist es wichtig, den Auslöser der allergischen Reaktion zu ermitteln. Dafür sollten entsprechende Allergietests durchgeführt werden. Ist das Allergen ermittelt, sollte der Patient einen Anaphylaxie-Pass, ein Notfallset mit Auto-Injektor und eine entsprechende Instruktion/Anweisung  für den Umgang mit der Anaphylaxie erhalten. Dabei handelt es sich um eine Information mit Anwendungsübung, die jeder Anaphylaktiker bei Erstverschreibung erhalten sollte. Zusätzlich ist eine Anaphylaxie-Schulung in Form eines 2-Tagesprogramms für den Betroffenen angeraten. Eine solche Schulung, oder zumindest eine ausführliche Information zur Anaphylaxie, ist auch für Familie, Freunde,

Arbeitskollegen, Kindergarten, Schule etc. sehr sinnvoll, damit im Notfall alle wissen, was zu tun ist. Wichtig ist dabei, dass die Inhalte der Schulung in regelmäßigen Abständen „geübt“ werden, damit die Abläufe im Notfall „sitzen“.

Je nachdem, welches Allergen der Auslöser der Anaphylaxie ist, kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) durchgeführt werden. Bei einer Insektengiftallergie ist dies fast immer möglich, bei Nahrungsmittelallergien normalerweise nicht.

Herr Prof. Brockow, herzlichen Dank für dieses Interview!

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