Anaphylaxie: Bringt Aut idem-Regelung Patienten in Lebensgefahr?

Hintergrundinformation: Aut idem – die gesetzlichen Grundlagen

Laut fünftem Sozialgesetzbuch (SGB V) §129 sind Apotheker in Deutschland dazu verpflichtet, im Rahmen der Aut idem-Regelung ein wirkstoffgleiches, günstigeres Arzneimittel abzugeben, wenn dies nicht ausdrücklich vom verordnenden Arzt untersagt wurde. Der lateinische Ausdruck „Aut idem“ bedeutet übersetzt „oder ein Gleiches“. Möchte der Arzt nicht, dass bei seinem Patienten das verordnete Medikament ersetzt wird, muss er das durch Ankreuzen des Feldes „Nec aut idem“ auf dem Rezeptvordruck kenntlich machen. Anderenfalls muss der Apotheker ein anderes Präparat mit gleichem Wirkstoff, gleicher Wirkstoffstärke und Packungsgröße, vergleichbarer Darreichungsform und mit (mindestens) den gleichen Anwendungsgebieten auswählen. Gedacht war dies ursprünglich dafür, dass Patienten rasch mit den notwendigen Arzneimitteln versorgt werden, auch wenn das vom Arzt verordnete nicht vorrätig sein sollte. Heute wird die Regelung allerdings angewandt, um den Krankenkassen Einsparungen bei den Arzneimittelausgaben zu bringen. Dazu schließen die verschiedenen Krankenkassen mit pharmazeutischen Herstellern Rabattverträge ab, die den Kassen Rabatte durch den Hersteller garantieren, wenn ihre Versicherten im Rahmen der Aut idem-Regelung das jeweilige Medikament durch den Apotheker erhalten. Für den Apotheker bedeutet das, sofern der Arzt die Substitution nicht ausgeschlossen hat, muss er prüfen, ob die Krankenkasse des Versicherten einen Rabattvertrag abgeschlossen hat. Wenn das der Fall ist, muss er zwingend austauschen.

Hintergrundinformationen: Anaphylaxie

Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische allergische Reaktion. Es handelt sich in der Regel um eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1 (Soforttyp). Pathophysiologisch kommt es zu einer Freisetzung verschiedener Mediatoren aus Mastzellen und basophilen Granulozyten: u. a. Histamin, Prostaglandinen, Leukotrienen, Tryptase, Plättchen-aktivierendem Faktor, Zytokinen und Chemokinen. Die Auslöser für schwere allergische Reaktionen sind: am häufigsten Nahrungsmittel (z. B. Erdnüsse, Baumnüsse, Milch, Eier, Schalentiere), Insektengifte (z. B. durch Bienen- oder Wespenstich) und Medikamente (z. B. Antibiotika oder Schmerzmittel). Die genaue Zahl der Anaphylaxien ist unbekannt. Schätzungen zufolge muss in Deutschland mit 1-3 Ereignissen/100.000 Einwohner pro Jahr gerechnet werden. Dabei ist von 1-3 Todesfällen/1 Millionen Einwohner auszugehen. Patienten mit Nahrungsmittel-, Insektengift- und Medikamentenallergie sollten einen Allergologen aufsuchen, der mittels Anamnese, Prick-Test, IgE-Bestimmung im Blut sowie eventuell anhand von Provokationstests das Anaphylaxie-Risiko des Allergikers abschätzen kann und gegebenenfalls ein Notfallset verordnet. Präventiv kommen die Expositionsprophylaxe und in geeigneten Fällen – bei der Insektengiftallergie – die Hyposensibilisierung in Frage. Zur Therapie der allergischen Reaktion werden je nach Ausprägungsgrad orale Antihistaminika, Glukokortikoide, ß2-Mimetika und für die Notfallbehandlung Adrenalin im Autoinjektor (Notfallset) eingesetzt.

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