Anaphylaxie – die unterschätzte Gefahr

Anaphylaxie: Ohne korrekte Diagnose des auslösenden Allergens keine erfolgreiche Prävention

Eine wichtige Maßnahme bei der Anaphylaxie besteht in der korrekten Identifizierung des auslösenden Allergens, denn nur so ist eine konsequente Kontaktvermeidung möglich. So berichtet Alisa Arens, Tagesklinik im Kinder und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT, Hannover von der an Detektivarbeit grenzenden Spurensuche, auf die man sich begeben muss, wenn ein Kind mit schweren anaphylaktischen Schocksymptomen eingeliefert wird. Ein sehr hilfreicher Parameter, z.B. bei Verdacht auf Erdnussallergie, kann die erst seit wenigen Jahren verfügbare Komponentendiagnostik sein. Die standardisierte orale Nahrungsmittelprovokation ist jedoch nach wie vor der goldene Standard in der Diagnostik der Nahrungsmittelallergie. Allerdings stellt eine sichere anaphylaktische Reaktion auf ein definiertes Nahrungsmittel, erst kürzlich stattgefunden hat, eine Kontraindikation für die orale Nahrungsmittelprovokation dar. Aber: Der Nachweis einer Sensibilisierung bedeutet noch nicht, dass sich auch Allergiesymptome zeigen und ein niedriger positiver Wert ist keine Garantie dafür, dass ein Anaphylaktischer Schock ausgeschlossen ist.


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Anaphylaxie: Wie meidet man Allergene in der Nahrung?

Eine Meidung des Nahrungsmittel-Allergens setzt voraus, dass der Patient bestens geschult ist und weiß, wo „sein“ Allergen sich verstecken kann. Zwar sind Lebensmittelhersteller EU-weit zu einer Allergenkennzeichnung verpflichtet. Dies gilt jedoch nicht für alle Allergene und bislang auch nur für verpackte Lebensmittel. Auch „unbeabsichtigte Zutaten“, die z.B. durch die Kontamination von Produktionsanlagen in das Lebensmittel gelangen können, sind von der Verpflichtung zur Allergen-Kennzeichnung ausgenommen – hier schützt sich die Industrie z.T. durch Warnhinweise wie „kann Spuren von x enthalten“.  Ausgenommen sind auch Lebensmittel, die vor in Kraft treten der Verordnung im Jahr 2005 hergestellt wurden, was bei alten Weinen, die früher mit Hühnereiweiß geklärt wurden oder auch bei Konserven zum Problem werden kann.

Eine weitere Problematik für Menschen bei denen die Gefahr eines Anaphylaktischen Schocks besteht sind z.B. Produkte die naturgemäß zu 100 Prozent aus einem Allergen bestehen. Dies ist z.B. Bulgur oder Couscous der Fall, denn beides  sind 100prozentige Weizenprodukte, auf deren Zutatenliste Weizen nicht aufgeführt wird. Auch wissen Verbraucher heute oft  nicht mehr so genau, wie sich Lebensmittel  zusammensetzen. Generell können sich Allergene in industriell gefertigten Lebensmitteln wie Panaden, Fertiggerichten, Kosmetika, Cremes, Tierfutter, Medikamenten etc. verstecken. Hier hilft nur ein kritischer Blick auf die Zutatenlisten und das Wissen, welche Allergene sich hinter welchen Bezeichnungen verstecken.

Zu kritischen Situationen kommt es oft auch im Urlaub, wenn allein schon die Sprachbarriere für Verwirrung bei der Wahl der Speisen sorgt. Hier hat die Referentin und Diplomoecotrophologin Dagmar Bolgen  einen guten Tipp und empfiehlt das Allergie Wörterbuch des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland.

Anaphylaxie: Im Ernstfall hilft nur der sichere Umgang mit dem Adrenalin-Autoinjektor

Wenn es einmal zum anaphylaktischen Ereignis gekommen ist, brauchen die Betroffenen ein „persönliches Notfallmanagement“. Dazu gehört zunächst die Erkenntnis, dass ein Notfallset zur Grundausstattung des Betroffenen gehört. Genau wie man nie ohne Brille oder Kontaktlinsen das Haus verlassen würde, sollte man dies auch nie ohne Notfallset und ganz besonders nicht ohne Adrenalin-Autoinjektor tun. Eine Selbstverständlichkeit sollte auch sein, dass das Verfallsdatum nicht überschritten ist. Adrenalin hat, wie andere Wirkstoffe auch, eine gewisse „Lebensdauer“.  Diese beträgt 20 Monate – verdorbene Präparate erkennt man auch an evtl. Ausflockungen.

Allerdings herrscht sowohl bei den Patienten als auch bei den Ärzten eine gewisse „Adrenalin-Angst“. „Es zeigt sich immer wieder, dass ausgerechnet der Adrenalin-Autoinjektor zu spät oder gar nicht eingesetzt wird“ stellt Dr. Buck fest, „selbst bei ausgebildeten Notärzten ist dieses Phänomen zu beobachten. Das verstößt sogar gegen die Leitlinien der Fachgesellschaft DGAKI, die eine Adrenalingabe vorsehen.“  Dieses Phänomen erstreckt sich auch auf die Verordnung von Adrenalin „Nur 20 Prozent der Anaphylaxie-Patienten haben ein Notfallset – es wird zu wenig verschrieben“ stellt Dr. Buck fest.

Anaphylaxie: Durch Schulungen bereit für den Ernstfall

Wichtig ist auch ein gründliches „Training für den Ernstfall“, denn das ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewältigung einer Notfallsituation. Geschult werden sollten die Betroffenen selbst und, wenn Kinder betroffen sind, auch die Eltern, Großeltern, Geschwister, Lehrer und Erzieher. Eine wichtige Rolle spielen hier Patientenschulungen, aber auch Schulungen für die Lehrkräfte in Schulen und für die Erzieher in Kindergärten, wie Kirsten Hennig, Referentin und Anaphylaxie-Trainerin, betont. Es reicht aber nicht aus, nur ein einziges Mal an einer Schulung teilzunehmen. Die Abläufe müssen immer wieder geübt werden, damit sie im Notfall schnell umgesetzt werden können.

Quelle:

Pressemitteilung: „Im Notfall Mittel der Wahl: Adrenalin-Autoinjektion“, Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden, Wiesbaden/München März 2013

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