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Anaphylaxie Kinder erwachsen werden

Dr. Yvonne Smidt zum Thema: Anaphylaxie - was wichtig ist, wenn Kinder erwachsen werden!

Anaphylaxie: Was ist wichtig, wenn Kinder erwachsen werden…

Wenn „aus Kindern Leute werden“ geht das meist nicht ganz reibungslos vonstatten. Aber wenn Kinder mit Anaphylaxie erwachsen werden, stellen sich nochmal ganz andere Probleme. Welche das sind, was wichtig ist und wie Familien diese Schwierigkeiten bewältigen können, berichtet Dr. Yvonne Smidt im Interview mit MeinAllergiePortal. Dr. Smidt ist 1. stellvertretende Vorsitzende des Nussallergie/Anaphylaxie Netzwerk (NAN) e.V. und Mutter einer Tochter mit Anaphylaxie.

Frau Dr. Smidt, welche Probleme stellen sich, wenn Kinder mit Anaphylaxie erwachsen werden?

Wenn aus Kindern mit einer Nahrungsmittelallergie und Anaphylaxierisiko Erwachsene werden, stellt sich zunächst einmal eine ganz praktische Herausforderung: der Übergang der Betreuung von der Kinder-/Jugendmedizin in die Erwachsenenmedizin. Hat die Familie erst einmal eine spezialisierte Allergieambulanz gefunden - das ist leider auch heute noch immer keine Selbstverständlichkeit - werden die Kinder dort über viele Jahre optimal und mit allen Bedürfnissen versorgt: von der Ernährungsberatung über eine Anaphylaxieschulung bis hin zur stationären Provokation. Aber mit 18 Jahren werden die jungen Menschen praktisch vor die Tür gesetzt. Natürlich sollen sie mündig werden und ihre Erkrankung selbst in die Hand nehmen. Aber die Frage ist, ob dies ohne fließenden Übergang gelingen kann. Einerseits sind sie in dem Alter mit so vielen anderen Aufgaben beschäftigt und die Gefahr besteht, dass sie die Allergie (noch mehr) vernachlässigen. Andererseits fehlt eine flächendeckende Struktur, die eine kontinuierliche Weiterversorgung überhaupt ermöglichen kann. Für die erwachsenen Allergiker ist es recht schwer eine spezialisierte Arztpraxis zu finden. Es ist nicht damit getan, dem jungen Erwachsenen nur ein Rezept über die notwendigen AAIs zu verschreiben. So kann auch als Erwachsener z.B. eine orale Provokation durchaus noch sinnvoll sein.

Nach dem 18. Lebensjahr entsteht quasi ein Vakuum, eine gewisse Kontinuität in der Betreuung wäre hier durchaus wünschenswert. Hinzu kommen pubertätsbedingte Probleme.

Wie zeigen sich bei Jugendlichen mit Anaphylaxie pubertätsbedingte Probleme?

In der Pubertät thematisieren Jugendliche ihre Allergie nicht so gerne. Sie wollen nicht auffallen; sie wollen zu ihrer Gruppe dazugehören und manchmal möchten sie auch ihren Eltern Ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit demonstrieren. Daher lassen manche ihre Medikamente zu Hause, vernachlässigen Spurenangaben oder gehen mit ihren Freunden essen ohne Rücksprache mit der Küche. In dem Alter probieren sich Jugendliche aus: Alkohol, der erste Kuss, Partys…

Diese neuen Themen und ein risikobereites Verhalten der Jungendlichen lösen dann Ängste bei den Eltern aus. Sie kontrollieren ihre Kinder stärker und versuchen, sie in ihren Aktivitäten einzuschränken. Dies birgt natürlich Konfliktpotential.

Wie kann es Eltern gelingen, ein solches Vertrauensverhältnis aufzubauen und den Jugendlichen Freiheiten zu geben, ohne sich ängstigen zu müssen?

Zeigen Jugendliche ein unvernünftiges Verhalten, ist es dennoch wichtig, sie ernst zu nehmen, ihnen zu zuhören, über ihre Ängste und Sorgen als auch die der Eltern offen zu sprechen. Ziel ist es, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und Kompromisse zu finden.

Auch kann eine Vertrauensperson, durchaus die behandelnde Ärztin, der behandelnde Arzt, eine Vermittlerrolle einnehmen. Paradoxerweise möchten Jugendliche ihre Peergoup nicht über ihre Allergie aufklären, gleichzeitig fühlen sie sich aber wohler, wenn sie andere hierüber informiert haben. Offen mit der Allergie umzugehen, ist daher sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für die Eltern eine Beruhigung. Erzwingen lässt sich bei den Heranwachsenden allerdings nichts. Bringt man dem Jungendlichen Vertrauen entgegen, wird sein Selbstvertrauen gestärkt. Er muss für sich selbst Verantwortung übernehmen. Nimmt er diese an, dann ist man als Eltern wiederum viel eher bereit, ihn machen zu lassen. Mein Mann und ich können uns zu 100 Prozent auf unsere Tochter verlassen. Sie ist eher übervorsichtig, aber genau aus diesem Grund können wir sie gut loslassen. So haben wir ihren Traum unterstützt und verwirklicht, mit 15 Jahren für 4 Monate in Kanada zur Schule zu gehen. Das hätten wir bei einem anderen Verhalten sicher nicht erlaubt.

Die Verantwortung geht also von den Eltern auf das „Kind“ über?

Um beim Beispiel unserer Tochter zu bleiben: jetzt in der Oberstufe klärt sie selbst auf und auch nicht mehr alle Lehrenden. Sie entscheidet selbst und spricht gezielt diejenigen an, die sie informieren möchte. Das heißt konkret, nur ihre Sportlehrerin und ihre Freundinnen, aber nur die engsten, wissen, was im Notfall zu tun ist.
In gewisser Weise übernehmen die Betroffenen damit früher Verantwortung als andere Jugendliche - man könnte auch sagen, sie werden früher erwachsen.

Frau Dr. Smidt, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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