Anaphylaxie Register

Prof. Dr. Margitta Worm, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie Charité - Universitätsmedizin Berlin

Anaphylaxie Register: Wie werden Anaphylaxie Patienten versorgt?

Wodurch werden anaphylaktische Reaktionen laut Anaphylaxie Register am häufigsten ausgelöst?

Es gibt leichte Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern in Bezug auf die Häufigkeit der Auslöser anaphylaktischer Reaktionen. Bei den Erwachsenen werden anaphylaktische Reaktionen häufiger durch Insektengifte ausgelöst, bei Kindern überwiegen Nahrungsmittel. Allerdings haben wir mit Hilfe der Meldungen von Notärzten im Berliner Raum gesehen, dass es auch bei Erwachsenen sehr häufig zu schweren Anaphylaxien durch Nahrungsmittel kommt.  

Innerhalb der Nahrungsmittel stehen bei den Kindern Erdnüsse, Haselnüsse und Kuhmilch als Auslöser allergischer Schockreaktionen an erster Stelle. Bei Erwachsenen wird ein Allergischer Schock eher durch Weizen, Sellerie oder Krustentiere ausgelöst.

Neben Nahrungsmitteln können auch Insektengifte schwere allergische Reaktionen auslösen - Hornissen, Bienen und Wespen stehen hier an erster Stelle. Bei Kindern sehen wir allerdings, wenn sie auf Insektengift reagieren, häufiger als bei Erwachsenen schwere allergische Reaktionen auf Bienengift als auf Wespengift.

Medikamente sind eine weitere wichtige Gruppe unter den Auslösern schwerer anaphylaktischer Reaktionen. Bei Erwachsenen stehen Analgetika und Antibiotika an erster Stelle der Auslöser. Durch das Register hat sich jedoch gezeigt, dass auch die PPH (Protonenpumpen-Inhibitoren) schwere anaphylaktische Reaktionen auslösen können. Diese Medikamente dienen u.a. zur Behandlung von Sodbrennen und sind mittlerweile als sogenannte OTC-Produkte (over the counter-Produkte) frei verkäuflich, ohne dass eine ärztliche Verordnung benötigt wird. Auch Röntgenkontrastmittel und Muskelrelaxanzien spielen eine Rolle als Auslöser eines anaphylaktischen Schocks.

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Wie schnell nach Allergenkontakt können schwere anaphylaktische Reaktionen auftreten? Welche Erkenntnisse ergeben sich aus Ihrem Anaphylaxie Register?

Bei 48 Prozent der Registerfälle entwickeln sich die Symptome innerhalb von 10 Minuten nach Allergenkontakt. Dies macht deutlich wie klein das zur Verfügung stehende Zeitfenster ist, um eine Reaktion zu behandeln. Insbesondere bei Insektengift- und Nahrungsmittelallergikern sind die Zeiten bis zum Auftreten der Reaktion sehr kurz.

Schwere allergische Reaktionen, die zwei Stunden nach Allergenkontakt auftreten, sind seltener – dies tritt häufiger bei Allergien auf Medikamente auf. Dennoch können bei jeder Allergie schwere Reaktionen auch verzögert auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass z. B. Provokationstestungen mit Medikamenten stationär erfolgen, wo Patienten nach einer Exposition bis zu 24 Stunden beobachtet werden.

Wie häufig treten schwere anaphylaktische Reaktionen wiederholt auf?

Bei 29 Prozent der im Anaphylaxie Register erfassten Patienten traten schwere Reaktionen wiederholt auf. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Nahrungsmittelreaktionen der Auslöser der anaphylaktischen Reaktion waren. Es ist deshalb sehr wichtig, dass die betroffenen Patienten Schulungen erhalten und mit einer Notfallmedikation, die einen Adrenalin Autoinjektor beinhalten sollte, ausgestattet werden.

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