Anaphylaxie Kind Familie

Dr. Yvonne Smidt zum Thema: Anaphylaxie beim Kind - was macht das mit der Familie?

Anaphylaxie beim Kind: Was macht das mit der Familie?

„Anaphylaxie“- Selbstvertrauen gewinnen und Sicherheit geben!

Hier möchte ich betonen, dass es wichtig ist, die Zeit der Unsicherheit möglichst kurz zu halten, denn vorhandene Gefühle nehmen alle Familienmitglieder wahr. Kinder spüren die Angst der Eltern, die Angst überträgt sich und nun entwickeln auch die Kinder Ängste. Erst wenn Eltern sicher sind, sich sicher fühlen, strahlen sie Sicherheit aus und geben ihren Kindern tatsächlich Sicherheit. Genau wie bei der Angst übertragen sich jetzt auch gute Gefühle: Klarheit, Vertrauen und Optimismus. Kinder werden stark. Besonders für Kinder mit einem „Sonderstatus“ ist ein starkes Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl eine wichtige Basis für ihr Leben. Sie brauchen sie, um mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sie müssen ja schon früh lernen, „Nein“ zu sagen und für sich und ihre Sicherheit zu sorgen.

Auch wenn die Allergie/Anaphylaxie für alle Familienmitglieder täglich präsent ist und Raum im Alltag der Familie einnimmt, richten sich die meisten Familien mit der Zeit auf die neue Situation ein und finden sich gut zurecht, Geschwister streiten sich genauso oft wie andere, passen aber wie der Luchs auf, was das Geschwisterkind isst oder wo Gefahren lauern.

„Anaphylaxie“ - typische Konfliktfelder

Typische Konflikte gibt es z.B. zwischen den Eltern. Meist übernimmt ein Partner die Hauptverantwortung bei der Versorgung der Kinder. Diese Person managt den zeitaufwendigen Einkauf, kommuniziert das Thema „Anaphylaxie“ in Kita oder Schule, beim Training, bei Kindergeburtstagen, mit Nachbarn und und und…Man ist praktisch ständig mit der Diagnose konfrontiert, mit ihr beschäftigt und in steter Sorge um die Sicherheit des Kindes. Dadurch ist man emotional stark belastet. Die andere Person hingegen ist häufig nicht so tief involviert und geht daher entspannter und rationaler mit der Diagnose um. Eine unterschiedliche Umgangsweise mit der Angst um das Kind kann bei fehlendem gegenseitigen Verständnis jedoch zu Spannungen in der Partnerschaft führen.

Hier ist es ein guter Schritt, die Sicht und die Herangehensweise des jeweils anderen erst einmal so zu akzeptieren wie sie ist, um im zweiten Schritt, die damit verbundenen Vorteile zu finden: So kann der eine Partner durch seine Sachlichkeit oft besser über die Anaphylaxie aufklären und im Kindergarten die Schulung übernehmen. Möglicherweise sind durch die nüchterne Art die Erziehenden viel eher bereit, die mit der Anaphylaxie verbundenen Herausforderungen anzunehmen. Gleichzeitig entlastet er den Partner. Durch Wertschätzung der Fürsorge und Sicherheit rund um das Kind fühlt sich der andere verstanden und gestärkt. Im Grunde genommen haben doch beide die gleiche Angst.

Schwierig kann es werden, wenn ein Familienangehöriger, meist ist es jemand aus der Generation der Großeltern, diese schwere Form einer Nahrungsmittelallergie nicht glauben mag, die Allergie bagatellisiert oder gar ignoriert und sich an keine Regeln hält. Besteht diese Ignoranz fort, führt das leider nicht selten zum Abbruch der Beziehung.

Natürlich kann die Pubertät dann die Eltern nochmal besonders herausfordern. Jugendliche finden es uncool über ihre Allergie zu sprechen, lassen ihre Medikamente zu Hause und gehen Risiken ein. Bei solchem Verhalten sorgen sich Eltern. Verstärkt kontrollieren sie wieder ihre Kinder und wollen sie in ihren Aktivitäten einschränken, in der Hoffnung mehr Kontrolle zu haben.

Auch hier gilt das positive Wechselspiel: Vertrauen gegen Vertrauen. Zeigen Jugendliche ein unvernünftiges Verhalten, ist es dennoch wichtig, sie ernst zu nehmen, ihnen zu zuhören, bereit zu Kompromissen zu sein. Hat man die Hürden erst einmal gemeistert, dann ist - wie in Studien belegt - der Zusammenhalt in den Familien eng und besonders gut, ebenso im sozialen Umfeld.

Anaphylaxie: Konflikte gar nicht erst entstehen lassen!

Gut gemeinte Beschwichtigungen „Es wird schon nichts passieren“, „Es gibt schlimmeres“ oder eine aufgezeigte Statistik, fatale Anaphylaxien seien extrem selten, helfen überhaupt nicht. Im Gegenteil sie geben das Gefühl des Nicht-Verstanden-werdens und dadurch verstärken sich Angst, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Hilfreicher ist, die Betroffenen mit ihrer Angst anzunehmen und Unterstützung anzubieten. „Da habt Ihr wirklich eine große Aufgabe zu bewältigen. Ich verstehe, dass sich Angst breit macht. Aber wir helfen, dass Ihr euch wieder sicher fühlt!“. Hierdurch fühlt sich die Familie verstanden, ernst genommen und auch nicht allein gelassen. Diesen Umgang wünschte ich mir sowohl vom medizinische Team, als auch innerhalb der Familie und im Freundeskreis. Die Familie selbst sollte wiederum bei der Aufklärung in Kita und Schule genau dies beherzigen, denn bei Konflikten in Kita und Schule liegen meist die gleichen Gefühle wie Angst, Überforderung und Unsicherheit zugrunde. Durch Verständnis und dem Angebot der Unterstützung kann man Konflikten entgegenwirken.

Meiner Beobachtung nach finden sich Familien, die sich unseren Facebookgruppen vom NAN e.V. anschließen, schneller und besser zurecht. Mitglieder erhalten auf eine Frage prompt eine Antwort und gewinnen durch eine positive Rückkopplung zunehmend und schnell an Sicherheit. Auch ermutigen positive Berichte von Erlebnissen und Erfahrungen. Wir vom NAN e.V. informieren, unterstützen und vernetzen mit allen Informationen.

Der Erfahrungsaustausch, das Verständnis und Mitgefühl ähnlich Betroffener gibt das Gefühl, nicht allein zu sein. Wir vom NAN e.V. machen Mut, dass der Alltag mit einer Erdnussallergie bzw. Baumnussallergie gut zu meistern ist, und man ein (fast) normales Leben führen kann.

Ganz nach unserem NAN Motto: Nicht die Allergie bestimmt unser Leben, sondern wir bestimmen unser Leben mit der Allergie!

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