Erdnussallergie Anaphylaxie Lotta the allergy

Erdnussallergie: Wie kam es zu „Lotta the allergy warning dog“?

Erdnussallergie: Wie kam es zu Lotta the allergy warning dog?

Wer sich mit den Thema Erdnussallergie und Anaphylaxie beschäftigt und auf Instagram ist kommt an den beiden nicht vorbei, Johanna und Lotta. Unter „Lotta the allergie warning dog“ berichtet Johanna regelmäßig darüber, wie sie mit Hilfe von Allergikerwarnhund Lotta ihren Alltag mit meistert. Im Interview mit MeinAllergiePortal erzählt sie, wie sie auf die Idee kam und was man wissen sollte, bevor man sich für einen Allergikerwarnhund entscheidet.

Johanna, was gab den Ausschlag für die Entscheidung für einen Allergikerwarnhund?

Ich hatte im November 2016 meine erste anaphylaktische Reaktion in der Schule. Nachdem die Diagnose „Erdnuss Allergie“ gesichert war und uns erklärt wurde, worauf alles zu achten ist, habe ich im Internet geguckt, ob - und wenn ja - welche Hilfsmittel es für Allergiker gibt. Dort bin ich dann auf einen Allergikerwarnhund bzw. Erdnuss Spürhund gestoßen. Meine Eltern und ich fanden die Idee toll, aber 100prozentig überzeugt waren wir nicht. Erst nach der 3. Reaktion - durch ein Schoko Croissant - waren wir uns sicher, diese Herausforderung anzunehmen.

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Welche Aufgabe hat ein Allergikerwarnhund konkret?

Ein Allergikerwarnhund kann Allergene, die man im Training isolieren kann, in Lebensmitteln erkennen und anzeigen.

Was sollte man selbst mitbringen, wenn man einen Allergiewarnhund ausbilden will?

Man sollte als erstes kein Problem damit haben, dass der Allergikerwarnhund einen so gut wie überallhin begleitet. Dann sollte man sich einen guten Trainer suchen, damit der Hund qualifiziert ausgebildet wird und eine Prüfung ablegen kann. Dies ist sehr wichtig, damit der Hund einen an Orte begleiten darf, an denen „normale“ Haushunde nicht erlaubt sind.

Für das Training braucht man viel Zeit, Geduld -  wenn es mal stockt und Geld, denn die Ausbildung kann mehrere tausend Euro kosten und wird leider nicht von der Krankenkasse unterstützt.

Welche Eigenschaften muss ein Hund haben, damit er als Allergiewarnhund ausgebildet werden kann?

Der Hund muss gesund und körperlich fit sein, damit er mit Spaß arbeiten kann. Es ist außerdem sehr wichtig, dass der Hund gut zu motivieren ist und gerne mit seinem Menschen zusammen arbeitet. Eine gute Sozialisation ist wichtig, damit der Hund sich auch an fremden Orten konzentrieren und zuverlässig seine Arbeit ausführen kann.


Warum fiel die Wahl auf Lotta?

Wir haben uns für Lotta entschieden, da sie schon immer gerne etwas mit ihrer Nase gesucht hat und überall mittendrin statt nur dabei sein wollte. Sie hat keine Probleme mit großen Menschenmengen und ist bei gestellten Aufgaben zielstrebig.

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Wie seid Ihr vorgegangen bei der Ausbildung von Lotta?

Am Anfang wird eine größere Menge des Allergens genommen, damit der Hund sich den Geruch gut einprägen kann. Der Hund verknüpft den Geruch des Allergens mit einer riesen Belohnung und tollen Leckerlies. Für ihn ist es der „Jackpot“, das Allergen zu finden und seinem Menschen zu zeigen. Im Laufe der Monate wird die Dosis immer weiter reduziert und mit anderen Lebensmitteln kombiniert. Außerdem werden auch „Verleitgerüche“ angeboten, die der Hund selbst lecker findet. Denn er muss lernen, egal was ihm angeboten wird, er soll nur „sein“ Allergen anzeigen.

Wo hilft ein Hundetrainer und was muss man „zu zweit“ üben? Wie oft muss man trainieren?

Am Anfang trifft man sich öfter mit dem Trainer, damit keine Fehler entstehen und das Training besser analysiert werden kann. Am Ende trifft man sich auch noch regelmäßig, aber nicht mehr so häufig wie am Anfang, bei uns etwas alle 4 Wochen. Nach jedem Training wird besprochen, woran man weiter arbeitet und das gelernte wird zuhause weiter geübt und dadurch vertieft. Anfangs haben wir mehrmals die Woche zuhause geübt. Man darf es aber auch nicht übertreiben, damit der Hund weiter daran Spaß hat.


Es gab auch eine Zeit, in der Du nicht so sicher warst, ob die Arbeit mit Lotta klappt…

Ich habe eine Zeit lang sehr viel mit Lotta trainiert, weil ich gerne schnell vorankommen wollte. Dadurch hatte Lotta eine Phase in der sie sehr unmotiviert und unkonzentriert war. Natürlich geht man selbst dann auch nicht motiviert ans Training ran, was der Hund merkt.

Wir haben dann eine Zeit pausiert und gar nicht trainiert. Nach der Pause haben wir langsam wieder angefangen und das Training reduziert fortgesetzt. Seitdem üben wir 1bis2 Mal die Woche und Lotta ist wieder voll konzentriert dabei. Manchmal ist weniger eben mehr 😊

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Wie hat „die Umwelt“ darauf reagiert, dass Lotta immer dabei ist, auch an Orten, an denen Hunde eigentlich nicht erlaubt sind?

Der Großteil reagiert sehr positiv auf Lotta. Da Allergiker Warnhunde noch die Seltenheit sind, muss man natürlich Aufklärungsarbeit leisten und den Leuten erstmal erklären, was der Hund für Aufgaben hat. Wie bei allem gibt es aber natürlich auch Mitmenschen, die dafür kein Verständnis haben. Das sind zumeist diejenigen, die sich auch nicht vorstellen können (oder wollen), was ein „kleines Allergen“ alles anrichten kann. Für solche Situationen muss man sich ein dickes Fell zulegen und „einfach drüberstehen“. Durch meine ärztliche Bescheinigung darf Lotta mich in fast alle Lebensmittelgeschäfte, ins Kino und mittlerweile auch in die Schule begleiten, was mir enorm hilft. Trotzdem muss man sagen, das Hausrecht haben immer die Geschäftsführer und auch uns wurde der Zutritt schonmal nicht gestattet. Sowas passiert, aber dann sucht man sich ein anderes Geschäft, denn bei der Mehrheit sind wir herzlich Willkommen.

Welche Situationen sind heute noch schwierig a) für Dich b) für Lotta und wie löst Ihr das Problem?

Für mich ist das Training manchmal schwer. Manchmal muss ich, wenn ich mit positiven Proben (Erdnuss) arbeite früher aufhören, da ich es selber merke und leichte Symptome wie kratzen im Hals oder starken Husten bekomme. In den Situationen muss ich dann auf meinen Körper hören und mich somit schützen. Für Lotta ist es im Moment manchmal noch schwer sich in einer Ablenkungsreichen Umgebung 100%tig zu konzentrieren. Ich helfe ihr im Training dann, indem ich nicht mit „Spuren“ arbeite, sondern mit etwas größeren Mengen des Allergens, damit sie auch da Erfolge hat.

Was empfiehlst Du anderen, die überlegen, ob sie sich einen Allergiewarnhund anschaffen sollen? Was sollten sie vorher wissen?

Ich empfehle, vorher zu überlegen, ob man diese Aufgaben zeitlich und finanziell stemmen kann. Man sollte da auch ehrlich zu sich selbst sein, sonst bringt es nichts. Außerdem sollte die Familie dahinterstehen und einem Unterstützung geben, denn natürlich gibt es auch mal schlechte Tage an denen nichts funktioniert, wie man es möchte.

Noch ein wichtiger Punkt ist, dass der Allergikerwarnhund einen überallhin begleitet und Urlaube etc. dementsprechend geplant werden müssen. Und natürlich ist es immer noch ein Tier und keine Maschine!

Wenn aber nichts dagegenspricht, kann ich es jedem Allergiker nur empfehlen. Mein Hund gibt mir die Sicherheit zurück, die ich bei all meinen Reaktionen Stück für Stück verloren habe und bereichert meinen Alltag enorm! 😊

Vielen herzlichen Dank, Johanna, für dieses Interview!

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