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Anaphylaxie Risikopatienten

Prof. Dr. Margitta Worm im Interview zur Feage: Wer gehört zu den Anaphylaxie-Risikopatienten?

Anaphylaxie: Wer gehört zu den Risikopatienten?

Sie hatten erwähnt, dass Männer stärker anaphylaxiegefährdet sind, wie hoch ist das Risiko im Vergleich zu Frauen?

Das Anaphylaxierisiko für Männer liegt im mittleren Feld der Risikofaktoren und ist auch altersabhängig. Wir wissen, dass die IgE‐vermittelten Sensibilisierungen im Kindesalter bei Jungen vor der Pubertät häufiger auftreten. Auch Asthma kommt bei Jungen vor der Pubertät häufiger vor, ebenso Nahrungsmittelallergien.

Mit der Hormonproduktion ändert sich dies, dann treten Anaphylaxiesymptome häufiger bei den Mädchen, als bei den Jungen auf. Ab der Menopause gleicht sich das Anaphylaxierisiko im Vergleich von Männern zu Frauen wieder an.

Wodurch kommt es am häufigsten zu Anaphylaxien und welche Rolle spielen neue Allergene?

Anhand des Anaphylaxieregisters sehen wir, dass die Erdnuss eines der häufigsten Nahrungsmittelallergene ist, durch die es zu Anaphylaxien kommt. Die Proteine der Erdnuss sind sehr potent und können auch in geringsten Mengen schwere Reaktionen auslösen.

Durch neue Allergene wie Cardamon oder Bockshornklee sind vereinzelt Anaphylaxien berichtet worden. Hier sind wahrscheinlich ebenfalls, wie bei der Erdnuss und anderen pflanzlichen Allergenen, die Speicherproteine die potenten Allergene, die zu schweren anaphylaktischen Reaktionen führen.

Gibt es noch weitere Faktoren, die sich bei der Anaphylaxie auf die Schwere der Reaktion auswirken können?

Bekannt ist auch, dass sich die Menstruation bei Frauen und der Alkoholgenuss verstärkend auf anaphylaktische Reaktionen auswirken können.

Was raten Sie Patienten oder Eltern, die ein erhöhtes Risiko vermuten?

Bei Kindern mit Anaphylaxie spielen die Kofaktoren im Vergleich zu Erwachsenen eine weniger große Rolle. Der wichtigste Kofaktor bei Kindern ist die körperliche Anstrengung, die sich bei Kindern aber nur sehr schwer kontrollieren lässt. Deshalb sollte der Kontakt mit dem bekannten Allergen auf jeden Fall gemieden und die Notfallmedikamente stets mitgeführt werden. Sehr wichtig bei Kindern ist, dass sie selbst, und auch das Umfeld, im Umgang mit den Notfallmedikamenten, speziell dem Adrenalin‐Autoinjektor (AAI), geschult werden.

Bei den Erwachsenen, die von Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen betroffen sind, wäre es empfehlenswert, ACE‐Hemmer und Betablocker, wenn möglich, durch Kalziumkanalblocker zu ersetzen.

Ansonsten gilt auch für Erwachsene, dass sie das Allergen meiden sollten, die Notfallmedikamente stets bei sich tragen und in deren Anwendung regelmäßig geschult werden sollten.

Welche Patienten sollten ein Notfallset bzw. einen Adrenalin‐Autoinjektor erhalten?

Alle, die bereits eine schwere anaphylaktische Reaktion hatten, sollten ein Anaphylaxie‐Notfallset erhalten. Auch Mastozytose‐Patienten, die noch keine Anaphylaxie hatten, sollten mit einem Anaphylaxie‐Notfallset ausgestattet werden. Dieses Notfallset sollte zwei Adrenalin‐Autoinjektoren enthalten, denn 10 Prozent der Patienten benötigen im Akutfall eine zweite Injektion.

Und ganz wichtig: Auch die Patienten sollten darauf achten, dass sie regelmäßig eine neue Verordnung für das Notfallset erhalten, damit die Medikamente im Akutfall nicht abgelaufen sind.

Wie ist bei der Anaphylaxie eine schwere Reaktion definiert?

Bei allen Patienten, die im Rahmen einer Anaphylaxie neben Symptomen an der Haut oder Magen‐ Darm‐Symptomen, zusätzlich Atemwegssymptome und/oder Herz‐Kreislauf‐Symptome hatten, z.B. Schwindel oder Bewusstlosigkeit, liegt eine schwere anaphylaktische Reaktion vor.

Die Schlüsselorgansysteme sind die Atemwege und das Herz‐Kreislaufsystem, denn wenn diese Organsysteme massiv betroffen sind, besteht Lebensgefahr.

Was müssen Patienten im Hinblick auf das Notfallset beachten?

Patienten müssen eine Schulung im richtigen Umgang mit dem Notfallset erhalten und danach auch regelmäßig üben. Weiter müssen Patienten wissen, dass im Akutfall der Adrenalin‐Autoinjektor die erste Maßnahme ist, gefolgt von Antihistaminika und Kortison. Das Notfallset sollte zwei AAI enthalten und sämtliche Medikamente im Notfallset sollten auf aktuellem Stand sein.

Frau Prof. Worm, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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