Advertorial
Anaphylaxie Risikopatienten

Prof. Dr. Margitta Worm im Interview zur Feage: Wer gehört zu den Anaphylaxie-Risikopatienten?

Anaphylaxie: Wer gehört zu den Risikopatienten?

Erhöhen diese Faktoren das Risiko für Anaphylaxiepatienten oder auch für Menschen, die bisher nicht von einer Anaphylaxie betroffen waren?

Das können wir unseren Daten bisher nicht entnehmen.

Wir wissen aber, dass Medikamente umso häufiger der Auslöser für eine Anaphylaxie sind, je älter der Mensch ist. Deshalb kann man vermuten, dass am ehesten diejenigen von Anaphylaxien betroffen sind, die zuvor nicht daran erkrankt waren.

Gerade bei Erwachsenen wissen wir, dass diese Risikofaktoren für das Auslösen schwerer Reaktionen eine Rolle spielen. Ein Beispiel für das Zusammentreffen diverser Risikofaktoren wäre: Ein Patient über 60 Jahre nimmt bestimmte Herz‐Kreislauf‐Medikamente, wie ACE‐Hemmer und Betablocker, ein. Außerdem nimmt er ein schmerz‐ oder fiebersenkendes Mittel, weil er einen Infekt hat, und
bekommt dann ein Antibiotikum intravenös verabreicht – wenn hier eine schwere allergische Reaktion auftritt, sind mehrere Faktoren zusammengekommen.

Bei Kindern sind eher die klassischen Allergene, wie z.B. Erdnuss, Hühnerei, Milcheiweiß etc. die Auslöser von Anaphylaxien.

Sie erwähnten die Mastozytose als Risikofaktor für eine Anaphylaxie, gilt dies auch für das Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS)?

Beim Mastzellenaktivierungssyndrom ist noch nicht bekannt, inwiefern die Anzahl der Mastzellen tatsächlich erhöht ist. Wir wissen aber, dass die Anzahl der Mastzellen mit dem Tryptasewert im Blutserum assoziiert ist und dass das Risiko für schwere anaphylaktische Reaktionen mit zunehmendem Tryptasewert steigt.

Bei Patienten mit einem Mastzellenaktivierungssyndrom ist der Tryptasewert erhöht. Während der Referenzwert für Tryptase bei 11,5 µg/l liegt, liegt der Wert bei MCAS‐Patienten zwischen 11 und 20
µg/l.

Gibt es, abgesehen von ACE‐Hemmern und Betablockern, noch andere Medikamente, die bei anaphylaktischen Reaktionen verstärkend wirken könnten?

Diskutiert werden die nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID). Dazu gehört z.B. Acetylsalicylsäure, der Wirkstoff, der in schmerz‐ oder fiebersenkenden Mitteln eingesetzt wird.

Kann man sagen, wie stark die psychischen Belastungen sein müssen, damit sie das Risiko für Anaphylaxien erhöhen?

Eine psychische Belastung ist sehr individuell, denn Menschen empfinden psychischen Stress sehr unterschiedlich. Es ist deshalb nicht möglich, einen auslösenden Schweregrad für Anaphylaxien festzulegen. Es gibt aber Untersuchungen an Mäusen, die zeigen, dass Stress, z.B. in Form von Geräuschen, zu stärkeren anaphylaktischen Reaktionen führen kann. Es gibt Neurotransmitter, die Mastzellen aktivieren können. Aber: Die ausgeschüttete Menge an Neurotransmittern muss nicht mit psychischen Symptomen assoziiert sein, so dass die Betroffenen den Stress nicht unbedingt wahrnehmen. In diesem Bereich bedarf es noch umfangreicher Forschungen.

Zum Faktor „körperliche Anstrengung“: In Verbindung mit welchen Allergenen kann es zum anaphylaktischen Schock kommen?

Für Weizen ist beschrieben, dass es im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung zu einer Anaphylaxie kommen kann. Man spricht dann von einer "wheat dependent excercise induced anaphylaxis", einer
„weizenabhängigen anstrengungsinduzierten Anaphylaxie“ (WDEIA). Körperliche Anstrengung kann aber als Kofaktor für jedes Allergen eine Rolle spielen.

Interessant ist hierbei, dass es auch im Hinblick auf starke, mittlere und leichte Anstrengung Unterschiede beim Auftreten der Anaphylaxie zu geben scheint. Ähnlich wie beim Kofaktor
„psychische Belastung“, ist es jedoch auch hier sehr schwierig, dies zu messen. Auch eine als „leicht“ empfundene Anstrengung kann physiologisch „stark“ sein. Man bräuchte gute Messinstrumente, um den Grad einer psychischen bzw. physischen Belastung zu definieren und im Hinblick auf das Anaphylaxierisiko zu differenzieren.

Zu vermuten ist auch, dass der Trainingszustand der Patienten im Hinblick auf das Anaphylaxierisiko eine Rolle spielt.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.