Anaphylaktischer Schock Anaphylaxie

Prof. Dr. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden und Vizepräsident beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.

Anaphylaktischer Schock: Wer ist gefährdet und was kann man tun?

Was müssen Menschen mit Anaphylaxie bei Nahrungsmitteln beachten?  

Nahrungsmittel können bei sensibilisierten Patienten schon in kleinsten Mengen schwere anaphylaktische und potentiell lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Es gilt daher Maßnahmen zu ergreifen, die eine solche Situation gar nicht erst entstehen lassen. Die wichtigste und wirksamste Therapiemaßnahme für die betroffenen Patienten ist die Karenz. Nach entsprechender Diagnose, muss der Patient eine Eliminationsdiät einhalten und so das entsprechenden Allergen strikt vermeiden. Durch die EU-Richtlinie zur Kennzeichnung von Nahrungsmittelallergenen, die letztmalig 2007 überarbeitet wurde (2003/13/EG, 2006/142/EG und 2007/68/EG) hat sich der Schutz der Verbraucher vor Nahrungsmittelallergenen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die 13 wichtigsten Allergenquellen und Sulfit müssen heute als Zutaten von verpackten Lebensmitteln vollständig deklariert werden. Dies gilt EU-weit und auch für die Schweiz und gilt laut Richtlinie für die in der Tabelle aufgeführten  Zutaten. 

  • Kennzeichnungspflichte Allergenquellen und Sulfite* 
  • Glutenhaltiges Getreide, d.h. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme  davon, sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Lupinen und Lupinenerzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Soja und Sojaerzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
  • Eier und Eierzeugnisse
  • Weichtiere und Weichtiererzeugnisse
  • Milch und Milcherzeugnisse (einschließlich Laktose)
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Schalenfrüchte, d.h. Cashewnuss, Haselnuss, Macadamianuss/Queenslandnuss, Mandel, Paranuss, Pekannuss, Pistazie, Walnuss, sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Schwefeldioxyd und Sulfite (bei einer Konzentration von mindestens 10 mg/kg oder mg/l)

*gemäß Amtsblatt der Europäischen Union vom 28.11.2007 zur Richtlinie 2007/68/EG  und Schweizer Lebensmittelverordnung vom 23.11.2005 (Stand am 01.04.2008) 


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Die EU-Richtlinie zur Kennzeichnung von Nahrungsmittelallergenen gilt ausdrücklich für verpackte Waren, wie sieht es bei lose verkaufter Ware aus?

Hier besteht nach wie vor Unsicherheit für die Betroffenen und dies gilt auch für den Außer-Haus-Verzehr, z.B. im Restaurant.

Außerdem gibt es, zusätzlich zu den deklarationspflichtigen Allergenen, noch eine ganze Reihe von relevanten Nahrungsmittel-Allergenen wie Kräuter, Gewürze, sowie einige Obst- und Gemüsesorten, die nicht deklarationspflichtig sind.

Ein weiteres Problem ist die unbeabsichtigte Kontamination. Im Produktionsprozess von Nahrungsmitteln kann es vorkommen, dass die o.g. Nahrungsmittel-Allergene in Produkten vorhanden sind, die das Allergen laut Rezeptur nicht enthalten dürften. Diese Verunreinigungen können durch den Transport, die Lagerung und die Herstellung verursacht werden und fallen nicht unter die Kennzeichnungspflicht, d.h. sie müssen nicht deklariert werden.

Manche Hersteller reagieren darauf mit einer freiwilligen „Spurenkennzeichnung“, um sich rechtlich abzusichern. Als Konsequenz daraus findet der Verbraucher eine Vielzahl von Produkten mit solchen Warnhinweisen. Dies schränkt die Lebensmittelauswahl von Menschen mit Lebensmittelallergien noch weiter ein. Schließlich kann man angesichts von Warnhinweisen wie „Kann Spuren von … enthalten“ und „Im Betrieb werden auch … verarbeitet“ nicht klar erkennen, ob es sich hier um eine fundierte Warnung oder lediglich um eine produkthaftungsrechtliche Absicherung handelt. Auch wie hoch die potenzielle Kontamination ist geht aus solchen Warnhinweisen nicht hervor. Dazu kommt, dass diese Warnhinweise nicht von allen Herstellern gleichermaßen eingesetzt werden, d.h. wenn der Hinweis fehlt bedeutet das nicht, dass das Produkt keine Allergene enthalten kann. Ein Allergiker, bei dem die Gefahr eines Anaphylaktischen Schocks besteht, kann deshalb nicht mit absoluter Sicherheit entscheiden, ob das Produkt für ihn gefahrlos verzehrbar ist.

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Gibt es denn Bestrebungen, die aktuelle Kennzeichnungspflicht zu optimieren bzw. auszuweiten?  

Als möglicher Ansatz zur Verbesserung der Situation wird aktuell die Entwicklung von sogenannten „Action Levels“ diskutiert, gemeint sind hier Allergen-Grenzwerte. Für jedes Allergen müssten dann Höchstwerte für die Bezeichnungen „frei von“ oder „arm an“ festgelegt werden. Hierzu werden individuelle, medizinische Schwellenwerte aus oralen Provokationstestungen zugrunde gelegt. Aktuell liegen nur Daten für die Erdnuss vor.

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