Anaphylaxie Notfall

Allergischer Notfall: Kennen Sie das Anaphylaxierisiko Ihrer Patienten?

Allergischer Notfall: Kennen Sie das Anaphylaxierisiko Ihrer Patienten?

Wiesbaden, März 2017 – Anlässlich eines aktuellen Round-Table-Gesprächs warnt das Expertenforum Anaphylaxie, dass allergische Erkrankungen und das damit einhergehende Anaphylaxie-Risiko immer noch unterschätzt werden. „Generell ist es – auch unter ärztlichen Kollegen – nicht hinreichend bekannt, dass Allergien häufig progredient verlaufen, bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie z. B. einer Anaphylaxie. Prinzipiell kann eine Anaphylaxie jeden treffen, auch wenn er oder sie vorher noch nie allergisch reagiert hat“, betont AeDA*-Präsident Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden und Sprecher des Expertenforums Anaphylaxie.

Es gibt jedoch bestimmte Risikogruppen, bei denen eine erhöhte Anaphylaxiegefahr besteht: „Insbesondere bei Patienten mit Verdacht auf Insektengift- oder Nahrungsmittelallergie vom Soforttyp sollte das Anaphylaxierisiko von einem Allergologen beurteilt werden“, erläutert Prof. Dr. Bodo Niggemann, Charité, Berlin und Mitglied des Expertenforums Anaphylaxie. Für Anaphylaxie-gefährdete Patienten ist ein Notfallset mit Adrenalin-Auto-Injektor (AAI) ein „Must-have“, um im Falle einer anaphylaktischen Reaktion wirksam eingreifen zu können. Das vollständige Interview zum Experten-Round-Table ist unter https://tinyurl.com/lbu5k3l abrufbar.


Advertorial

Advertorial

„Das Bewusstsein für schwere allergische Reaktionen ist sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei den Betroffenen, aber auch unter Medizinern nicht ausreichend vorhanden“, erklärt Sabine Schnadt, Deutscher Allergie- und Asthma-Bund (DAAB) e. V. und Mitglied des Expertenforums Anaphylaxie. Dabei betreffen Allergien nicht nur prozentual sondern auch in absoluten Zahlen viele Menschen“, betont Niggemann. Zunächst gilt es erst einmal einzuordnen, wie hoch das Risiko für eine anaphylaktische Reaktion bei einem Allergiepatienten ist. Dazu ist eine differenzierte Anamnese sowie die Befundinterpretation und Risikoeinschätzung durch den Allergologen unerlässlich – auch wenn Basisuntersuchungen wie Prick-Test und IgE-Diagnostik vom Hausarzt durchgeführt werden können.

Nicht ohne Adrenalin

„Auch wenn sich nicht mit Bestimmtheit vorhersagen lässt, ob, wann und wie ausgeprägt jemand anaphylaktisch reagiert: Urtikaria, Husten, Dyspnoe, Schwindel und Blutdruckabfall weisen auf eine systemische Reaktion hin, die es mit allen verfügbaren Mitteln zu stoppen gilt“, so Klimek. Entscheidend ist, dass allen Anaphylaxie-gefährdeten Patienten ein Notfallset mit einem Adrenalin-Autoinjektor (AAI) als wichtigstem Notfallmedikament verordnet wird. Denn auch wenn der Auslöser bekannt ist, kann eine vollständige Allergenkarenz nicht immer gewährleistet werden und nur Adrenalin wirkt schnell gegen lebensbedrohliche Symptome. In der Praxis hilfreich ist die Verordnung eines weit verbreiteten AAI, auf den bereits viele Patienten geschult wurden und der sich seit Jahren bewährt hat. Denn das vermittelt den Patienten ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Daneben gehören ein Antihistaminikum sowie ein systemisches Kortikoid in das Set – und für Asthmatiker ein Bronchodilatator. Anaphylaxierisikopatienten müssen darüber aufgeklärt werden, das Notfallset immer dabei zu haben und im Bedarfsfall auch richtig einzusetzen. Wann und wie der Umgang mit dem AAI erfolgen soll, vermitteln z. B. Anaphylaxieschulungen der AGATE (Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxie - Training und Edukation e. V.) und der DAAB. „Ärzten bietet der Multiplikatorenservice des DAAB die Option, Informationsmaterial und Alltagshilfen für Patienten zu bestellen, z. B. in Form von Broschüren, Notfallplänen und Anaphylaxie-Pässen (https://tinyurl.com/n7avewq), so Schnadt.

Infokasten:
 

Hintergrundinformationen: Anaphylaxie

Die Anaphylaxie ist eine potentiell lebensbedrohliche systemische allergische Reaktion. Es handelt sich in der Regel um eine IgE-vermittelte Allergie vom Typ 1 (Soforttyp).

Pathophysiologisch kommt es zu einer Freisetzung verschiedener Mediatoren aus Mastzellen und basophilen Granulozyten: u. a. Histamin, Prostaglandinen, Leukotrienen, Tryptase, Plättchen-aktivierendem Faktor, Zytokinen und Chemokinen. Die Auslöser für schwere allergische Reaktionen sind am häufigsten Nahrungsmittel (z. B. Erdnüsse, Baumnüsse, Milch, Eier, Schalentiere), Insektengifte (z. B. durch Bienen- oder Wespenstich) und Medikamente  (z.B. Antibiotika oder Schmerzmittel).

Die genaue Zahl der Anaphylaxien ist unbekannt. Schätzungen zufolge muss in Deutschland mit 1 bis 3 Ereignissen/100.000 Einwohner pro Jahr gerechnet werden. Dabei ist von 1 bis 3 Todesfällen/1 Millionen Einwohner auszugehen.

Patienten mit Nahrungsmittel-, Insektengift- und Medikamentenallergie sollten einen Allergologen aufsuchen, der mittels Anamnese, Prick-Test, IgE-Bestimmung im Blut sowie eventuell anhand von Provokationstests das Anaphylaxie-Risiko des Allergikers abschätzen kann und gegebenenfalls ein Notfallset verordnet.

Präventiv kommen die Expositionsprophylaxe und in geeigneten Fällen - bei der Insektengiftallergie - die Hyposensibilisierung in Frage. Zur Therapie der allergischen Reaktion werden je nach Ausprägungsgrad orale Antihistaminika, Glukokortikoide, ß2-Mimetika und für die Notfallbehandlung Adrenalin im Autoinjektor (Notfallset) eingesetzt.

* Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.