Kind Anaphylaxie Tipps

Dr. med. Thomas Buck, Facharzt für Kinderheilkunde und Allergologe

Das anaphylaktische Kind: Praktische Tipps für Familien!

Was sollten die Familien eines anaphylaktischen Kindes wissen?

Dr. med. Thomas Buck: Hier ist es wichtig, dass alle wissen mit welchen Warnzeichen sich eine anaphylaktische Reaktion bemerkbar macht. Dies sind z.B. rasant auftretende Hautveränderungen, starker Juckreiz, Atemnot etc. Wenn mindestens zwei Organsysteme betroffen sind, also z.B. die Haut und das Magen-Darm-System, ist dies ebenfalls ein deutlicher Hinweis auf einen Anaphylaktischen Schock. Je nachdem bleibt mehr oder weniger Zeit, um Gegenmaßnahmen einzuleiten.

  • Wichtig ist auch, dass der Umgang mit dem Adrenalin-Autoinjektor „sitzt“.  Das sollte regelrecht „gepaukt“ werden und zwar alle vier Wochen. Konkret heißt das:
  • Injektor in die Dominante Hand
  • Hand nicht mehr wechseln
  • Sicherheitskappe abnehmen
  • Im Zweifelsfall durch die Hose in den äußeren Oberschenkelmuskel stechen
  • Von 1 bis 10 zählen und dann erst abziehen

Ich halte es auch für sinnvoll der Familie einen Dummy-Adrenalin-Autoinjektor  mit nach Hause zu geben. So verlieren alle die Scheu vor der „Spritze“ und es lässt sich immer mal wieder spielerisch üben.

Kirsten Henning: Eine weitere dringend notwendige Maßnahme ist es, Erzieher und Lehrer in den Umgang mit Adrenalin-Autoinjektoren kirsten henning anaphylaxie trainerinkirsten henning anaphylaxie trainerineinzuweisen. Im Fall der Notfallmedikation, wie bei Anaphylaxie, aber auch bei Diabetes und Epilepsie können die Eltern den Lehrern die Personensorge für den Fall der Gabe von Medikamenten übertragen. In jedem Fall ist hierfür eine schriftliche Fixierung der Verordnung durch den Arzt mit seiner Unterschrift nötig. Auf solch einer Verordnung, können dann die Eltern vermerken, dass sie den Lehrern und Erziehern die Anwendung des Pens in der  Notfallsituation übertragen. So ist es dann für alle juristisch einwandfrei. Das Anaphylaxie Handbuch Hannover enthält hierzu eine Stellungnahme aus juristischer Sicht.

Dr. med. Thomas Buck: Wichtig ist es auch, dass die Eltern beim Kauf des Adrenalin-Autoinjektors in der Apotheke darauf achten, dass das Präparat noch eine ausreichende Haltbarkeit hat, Adrenalin ist ab Produktion ca. 20 Monate haltbar. Unbrauchbare Injektoren erkannt man aber auch leicht an den Ausflockungen in der Flüssigkeit. Immer dabei sein sollte auch der Anaphylaxie-Pass.

Sie sagten dass das Notfallset „am Kind“ sein muss, es gibt jedoch auch Empfehlungen, die Notfallsets überall dort zu verteilen, wo das Kind sich potenziell aufhält…

Dr. med. Thomas Buck: Diese Empfehlungen gibt es, aber sie sind aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Was nützt es, wenn die Adrenalin-Autoinjektoren zwar überall verteilt, aber im Ernstfall doch nicht greifbar sind. Hier sind eine gewisse Disziplin und die richtige Einstellung gefragt. Genau wie man nicht ohne Brille aus dem Haus geht, sollte man als Anaphylaktiker nicht ohne Notfallset unterwegs sein, und der wichtigste Bestandteil  des Notfallsets ist der Adrenalin-Autoinjektor.

Ist das Verteilen der Adrenalin-Autoinjektoren auch der Grund dafür, dass es immer wieder vorkommt, dass die Notfallsets nicht mitgeführt werden?

Dr. med. Thomas Buck: Ja, ich glaube dass dies so ist. Wenn man diverse Notfallsets an den unterschiedlichsten Orten verteilt, verlässt man sich darauf, dass ein Notfall-Set existiert, aber man macht es nicht zum Teil seines Alltags. Das ist wie bei den Ostereiern, bei denen man auch denkt, man wüsste noch, wo sie versteckt sind, aber das ist nicht so. Hier besteht die massive Gefahr, dass der Adrenalin-Autoinjektor im entscheidenden Moment nicht zur Hand ist und das kann fatale Folgen haben. Deshalb rate ich den Eltern dringend darauf zu achten, dass das Notfallset immer „am Kind“ ist.

Advertorial

Sie haben gerade das Anaphylaxie Handbuch Hannover  veröffentlicht, das sich an Ärzte und betroffene Familien richtet und dabei helfen soll, anaphylaktische Kinder besser zu diagnostizieren und zu therapieren. Welche Tipps geben Sie Ihren Kollegen in Bezug auf die Familienberatung?

Dr. med. Thomas Buck: Ich rate meinen Kollegen mit den Familien mehrere Beratungstermine zu machen, und diese auch immer wieder zu wiederholen.

Herr Dr. Buck, wenn Eltern befürchten, dass ihr Kind eine anaphylaktische Reaktion hatte, welche Informationen sollten sie zum Termin beim Kinderarzt mitbringen?

Dr. med. Thomas Buck: Je detaillierter die Informationen sind, umso besser ist es. Eltern sollten alles aufschreiben, was im Zusammenhang mit der Anaphylaktischen Reaktion ihres Kindes wichtig sein könnte. Im Handbuch Anaphylaxie Hannover gibt es auch einen umfangreichen Fragebogen für Eltern den Eltern als Vorlage nutzen können. Wenn sie diesen zum ersten Termin mit ihrem Kinderarzt ausgefüllt mitbringen erleichtern sie dem Arzt die Anamnese.

Und die letzte Frage – wie kommen Eltern und Kollegen an Ihr Handbuch?

Dr. med. Thomas Buck: Das Anaphylaxie Handbuch Hannover kann über Frau Nadine Emrich, MEDA Pharma GmbH & Co.KG, bezogen werden: nadine.emrich@medapharma.de

Herr Dr. Buck, Frau Dipl. oec. troph. Bolgen, Frau Henning, vielen Dank für das Gespräch!

Quellen:

Alle Grafiken entstammen dem Anaphylaxie Handbuch Hannover, Hrsg. Arbeitskreis Allergologie- und Anaphylaxieschulungen Hannover, AAH e.V., 1. Auflage April 2013

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