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Lipidtransferproteine (LTP)

Autor: Dr. med. Anna Eger

Was sind Lipidtransferproteine?

Lipidtransferproteine (LTP) sind eine weitverbreitete Proteinfamilie, die zu den Panallergenen gehört. Sie wurden 1968 von D.B. Zilversmidt als zytosolische Faktoren entdeckt, die am Transfer von Lipiden zwischen Membranen beteiligt sind. Sie zählen auch zu den stressassoziierten Proteinen in Pflanzenzellen. Sie kommen also in Pflanzen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Inzwischen wurden LTPs auch in Säugetieren und Bakterien gefunden, isoliert und untersucht.

LTP sind hitze- und säurestabil und proteaseresistent, das heißt, sie werden auch durch Verdauungsenzyme nicht angegriffen.

Lipidtransferproteine werden in zwei Subfamilien eingeteilt, die sich anhand ihrer Molekülmasse unterscheiden. LTP1 haben eine Molekülmasse von 9 bis 10 kDa, LTP2 eine von 6 bis 7 kDa. Alle Lipidtransferproteine, die als wirksame Allergene bekannt sind, gehören zur Subfamilie LTP 1.

lipidtransferproteine ltp wiki meinallergieportalBeispiel: Struktur des Lipidtransferproteins SCP-2, Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cc/Protein_SCP2_PDB_1c44.png

 

Abhängig davon, welche Arten von Lipiden transportiert werden, differenziert man die Lipidtransferproteine in weitere Untergruppen, wie beispielsweise Ceramid-Transfer-Proteine oder Sphingolipid-Transferproteine.

Welche Funktion haben Lipidtransferproteine?

Ursprünglich vermutete man, dass die Lipidtransferproteine Phospholipide von den Ribosomen zu den Mitochondrien transportieren. Daher resultiert die Bezeichnung Lipidtransferproteine. Inzwischen hat man zahlreiche weitere Funktionen entdeckt.

Es ist tatsächlich so, dass die Funktion der Lipidtransferproteine in pflanzlichen Zellen zum einen im zytoplasmatischen Transport von Lipiden (Lipidtransfer) besteht. Des weiteren sind sie am Aufbau der wachshaltigen Schicht auf der äußeren Schicht der Blätter (Kutikula) beteiligt. Eine weitere wichtige Funktion ist die Abwehr von biotischen, also lebendigen, Stressoren wie Bakterien oder Pilze und abiotischer Stressfaktoren wie Kälte oder Dürre. Deshalb werden sie den pflanzlichen Stressproteinen zugeordnet. Den LTPs wird inzwischen außerdem eine Rolle bei der Krebsentstehung zugeschrieben.

Welche Rolle spielen Lipidtransferproteine für Pollenallergiker?

Lipidtransferproteine spielen eine große Rolle für Allergiker, denn Menschen können direkt auf Lipidtransferproteine sensibilisiert werden, unabhängig von einer Sensibilisierung auf Pollenallergene. LTPs sind Major-Allergene bei Menschen, die eine Sensibilisierung auf Früchte der Familie der Rosacea (Rosengewächse) entwickeln, ohne gleichzeitig eine Birkenpollen-Allergie zu haben.

 

LTPs bei Pflanzen der Familie der Rosacea (Rosengewächse)
Name der Frucht Bezeichnung des Hauptallergens
Pfirsich Pru p 3
(in der Schale 7x stärker angereichert als im Fruchtfleisch)
Apfel, Aprikose Mal d 3
Kirsche, Pflaume Pru av 3
Weintraube Vit v 1
Haselnuss Cor a 8
Quelle: www.altmeyers.org/de/dermatologie/lipidtransferproteine-16122

 

Dies ist besonders im Mittelmeerraum problematisch, da sich dort die Menschen wahrscheinlich vor allem durch reife Pfirsiche auf LTP sensibilisieren. Dann können schwere Kreuzreaktionen durch Lipidtransferproteine nach dem Genuss von Obst oder Gemüse verursacht werden.

Wie viele Menschen eine Lipidtransferprotein-Allergie haben, ist nicht bekannt. Bei Erwachsenen tritt sie deutlich häufiger auf als bei Kindern.

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In welchen Nahrungsmitteln kommen Lipidtransferproteine vor?

Allergiker, die einmal auf LTP sensibilisiert sind, können beispielsweise auf folgende Nahrungsmittel reagieren:

  • Weintrauben
  • Wein
  • Pfirsiche
  • Äpfel
  • Salat
  • Kohl
  • Beeren
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte.

Weitere LTP-haltige Lebensmittel sind:

  • Trockenfrüchte
  • Salat
  • Tomaten.

Allergiker können hierauf allergisch mit systemischen Reaktionen reagieren.

Die meisten Lipidtransferproteine befinden sich in der Schale und den Kernen pflanzlicher Lebensmittel. Lebensmittel, die aus ganzen ungeschälten Früchten oder Gemüse hergestellt werden, haben einen höheren LTP-Gehalt. Ebenso gilt das für konzentriertes, fermentiertes oder haltbar gemachtes Obst, Gemüse oder Getreide. Auch getrocknete Früchte mit Schale haben eine hohe LTP-Konzentration.

Welche zusätzlichen Triggerfaktoren gibt es für die Auslösung allergischer Symptome bei LTP-Allergie?

Im Gegensatz zu Symptomen bei Nahrungsmittelallergien, die in der Regel unmittelbar nach dem Verzehr auftreten, ist die Besonderheit bei einer LTP-Allergie, dass die Betroffenen ihre Symptome häufig ausprägen, wenn sie gleichzeitig oder ein bis zwei Stunden vor dem Verzehr bestimmte Tätigkeiten ausüben.

Symptome einer LPT-Allergie können verstärkt auftreten nach:

  • körperlicher Anstrengung
  • Alkohol
  • Einnahme bestimmter Schmerzmittel, wie Aspirin oder Ibuprofen

Auch Stress kann ein relevanter Co-Faktor für die Ausprägung allergischer Symptome bei LTP-Allergie sein.

Welche Symptome bekommt man bei einer Allergie gegen Lipidtransferproteine?

Bei Patienten mit LTP-Syndrom beginnen allergische Symptome in der Regel innerhalb von einer halben Stunde nach dem Essen. Dabei ist es unerheblich, ob die Nahrungsmittel roh oder gekocht sind. Die Reaktion kann sich durch Symptome ähnlich des oralen Allergiesyndroms, das heißt durch Kribbeln oder Schwellung der Lippen, des Gesichts, der Augen oder im Mund/ Rachenraum äußern. Es sich können auch schwerwiegendere Reaktionen entwickeln mit Atembeschwerden, Engegefühl in der Brust, Ohnmacht, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen. In diesem Fall spricht man von Anaphylaxie.

Wann und in welcher Ausprägung die Allergiesymptome auftreten, hängt im Gegensatz zu den einfachen Nahrungsmitteln oftmals davon ab, ob weitere Co-Faktoren beteiligt sind.

 

Quellen:

www.sciencedirect.com/topics/agricultural-and-biological-sciences/lipid-transfer-proteins

www.altmeyers.org/de/dermatologie/lipidtransferproteine-16122

www.frontiersin.org/articles/10.3389/fcell.2019.00371/full

www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5052319/

www.anaphylaxis.org.uk/knowledgebase/allergy-to-lipid-transfer-proteins-ltp-syndrome/

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cc/Protein_SCP2_PDB_1c44.png

 

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