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Atopische Dermatitis

Allgemein

Atopische Dermatitis: Was ist das?

Eine „atopische Dermatitis“ ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut, für die es viele Namen gibt, wie z.B. „Neurodermitis“, „endogenes Ekzem“ oder „atopisches Ekzem“. „Atopische Dermatitis“ beschreibt ein klinisches Krankheitsbild, das mit einer gestörten Hautbarriere und mit typischen Symptomen einhergeht. Leitsymptome sind juckende Ekzeme an den für die atopische Dermatitis typischen Hautarealen. Dabei ändern sich die betroffenen Regionen im Altersverlauf. Auch kann die atopische Dermatitis mit typischen Begleiterkrankungen einhergehen [1].

Atopische Dermatitis: Eine systemische Erkrankung

Die atopische Dermatitis ist eine systemische Erkrankung, deren zugrundeliegende Mechanismen anderen atopischen Erkrankungen ähneln. Nicht immer, aber häufig ist auch bei der atopischen Dermatitis das Immunsystem beteiligt, also ein „System“, das den gesamten Körper beeinflusst. Dies erklärt, warum eine Erkrankung der Haut wie die atopische Dermatitis auch andere Organsysteme negativ beeinflussen kann. Enge Verbindungen bestehen zum Beispiel zwischen der Haut und dem Darm oder der Haut und der Psyche. Deshalb wirken sich atopische Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma oft auch auf die Haut aus. Viele Pollenallergiker leiden in der Pollensaison auch verstärkt unter Ekzemen [2].

Atopische Dermatitis: Welchen Einfluss haben die Gene?

Sowohl Umweltfaktoren als auch genetische Disposition (familiäres Vorkommen der Erkrankung) spielen bei der atopischen Dermatitis eine Rolle. So weiß man zum Beispiel, dass unter anderem ein Filaggrin-Gendefekt für die beeinträchtigte Barrierefunktion der Haut verantwortlich sein könnte. Dieser führt zu einer sehr trockenen Haut und das Risiko, Ekzeme zu entwickeln, steigt. Nicht bei allen Menschen, die eine genetische Veranlagung mitbringen, kommt es jedoch zu einer atopischen Dermatitis, sondern auch die begleitenden Umweltfaktoren haben einen Einfluss [3].

Atopische Dermatitis: Ist es immer eine Allergie?

Zwar gehört die atopische Dermatitis zum „Atopischen Formenkreis“, genau wie zum Beispiel Pollenallergien und Asthma. Nicht immer gibt es jedoch eine allergische Komponente. Deshalb geht eine atopische Dermatitis auch nicht zwangsläufig mit einem erhöhten IgE-Spiegel einher, der als Nachweis einer Immunreaktion bzw. Allergie gilt.

Eine IgE-vermittelte Reaktion des Immunsystems kann jedoch im Verlauf der Erkrankung hinzukommen. Auslöser können der Kontakt mit potenziellen Triggern wie Pollen oder Hausstaubmilben oder auch mit Nahrungsmitteln, wie Kuhmilch oder Hühnerei, sein. Ebenso ist es möglich, dass auch im späteren Verlauf keine allergische Komponente hinzukommt. Das bedeutet: Die atopische Dermatitis kann einen individuell sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Als mögliche protektive oder fördernde Einflussfaktoren sieht man unter anderem Primärprävention, zum Beispiel durch frühes Cremen, Allergenexposition etc. an. Nicht alle Fragen hierzu sind bereits geklärt [1].

Atopische Dermatitis: Welche Rolle spielt die Entzündung?

Ein Merkmal der atopischen Dermatitis ist die starke Entzündungsreaktion der Haut, bei der Entzündungsmediatoren im gesamten Körper zirkulieren. Auch darüber kommt es zu einem Einfluss der atopischen Dermatitis auf andere Organsysteme als die Haut. Diese Organsysteme „leiden“ dann regelrecht mit, man spricht von Komorbidität. Dementsprechend entwickelt man heute auch zunehmend Therapiekonzepte, die nicht nur an der Haut, sondern systemisch im gesamten Körper, ansetzen [1].

Atopische Dermatitis: Ist die Erkrankung heilbar?

Die atopische Dermatitis ist eine chronische Erkrankung, die mit den aktuell verfügbaren Therapien nicht heilbar ist. Mit einer symptomatischen Behandlung der atopischen Dermatitis setzt man jedoch sehr nah an der Erkrankungsursache an. Ziel der Therapien ist immer eine möglichst intakte Hautbarriere und Symptomfreiheit. Es gibt jedoch auch Patienten mit atopischer Dermatitis, bei denen eine Symptomkontrolle nicht ausreichend erreicht werden kann oder die schwerer betroffen sind. Deswegen konzentriert man sich in der Forschung auf effektivere Therapiekonzepte, die dazu beitragen können, die Krankheitslast weiter zu senken [1].

Symptome

Atopische Dermatitis: Welche Symptome können auftreten?

Das Kardinalsymptom der atopischen Dermatitis ist in allen Altersstufen der Juckreiz und die damit verbundene Entzündung der Haut. Dadurch kommt es zu den bekannten „endogenen Ekzemen“, das heißt, sie kommen „von innen“. Im Gegensatz dazu nennt man ein durch äußere Faktoren, zum Beispiel Irritationen, Allergien oder Infektionen, verursachtes Ekzem „exogenes Ekzem“ [1].

Typische Symptome der Atopischen Dermatitis sind:

  • Juckreiz
  • Rötungen
  • Knötchen, Schwellungen und Bläschen
  • Schuppende und/oder nässende Stellen
  • Verdickung der Haut (Fachbegriff=Lichenifikation)

Mit Abstand den negativsten Einfluss auf die Lebensqualität hat nach Aussage vieler Patienten mit atopischer Dermatitis der Juckreiz. Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 85 Prozent der Neurodermitiker täglich unter Juckreiz leiden. Bei 40 Prozent der Betroffenen hält der Juckreiz länger als 18 Stunden täglich an. Oft ist es den Betroffenen nicht möglich, sich nicht zu kratzen. Auf der aufgekratzten Haut kommt es daher leicht zu Superinfektionen, die ebenfalls wieder Juckreiz auslösen können. Viele Patienten fühlen sich deshalb in einem „Juck-Kratz-Kreislauf“ gefangen, der sich selbst verstärkt und zudem auch Stress verursacht. Der Stress wiederum führt zu einer weiteren Intensivierung der Symptome und verursacht im Gegenzug weiteren Stress. Ein Teufelskreis beginnt [4].

Typisch für die atopische Dermatitis ist die Lokalisation der Ekzeme, die altersspezifisch unterschiedlich ist:

  • Bei Säuglingen treten die Ekzeme in der Regel auf der gesamten Hautoberfläche auf.
  • Bei Kindern bis zum Alter von ca. 12 Jahren kommt es eher zu den typischen „Beugenekzemen“. Dann sind mehrheitlich die Kniekehlen und Ellenbogenbeugen betroffen.
  • Bei Erwachsenen sind ebenfalls Beugenekzeme zu beobachten. Es kann aber auch an anderen Körperstellen zu Ekzemen kommen, zum Beispiel im Gesicht, auf der Kopfhaut oder an Händen und Füßen, die als „emotionale Organe“ besonders anfällig für Dermatosen sind.

Zudem kann die atopische Dermatitis auch andere Formen annehmen, wie die Knotenform (Prurigoform) der atopischen Dermatitis oder das mikrobielle Ekzem [2].

Atopische Dermatitis: Nicht nur die Haut ist betroffen

Der mit der atopischen Dermatitis eingehende Juckreiz wirkt sich nicht nur auf die Haut negativ aus. Nächtlicher Juckreiz führt bei vielen Neurodermitikern auch zu einem chronischen Schlafmangel. Über 90 Prozent der Betroffenen leiden an mindestens fünf Tagen pro Woche an Schlafstörungen. Dabei wirkt sich die Übermüdung auch verstärkend auf den Juckreiz aus [5,6].

Bekannt ist auch, dass die Leistungsfähigkeit von Patienten mit atopischer Dermatitis eingeschränkt sein kann. Dies kann sich bei Kindern auf die Schulleistungen und Prüfungsergebnisse auswirken. Bei Erwachsenen kann die berufliche Leistungsfähigkeit merklich herabgesetzt sein [5,6].

Generell kann die Lebensqualität bei Menschen mit atopischer Dermatitis im Vergleich zu Gesunden deutlich geringer sein. Viele Patienten empfinden die sichtbaren Ekzeme als stigmatisierend, schämen sich und ziehen sich vom gesellschaftlichen Leben zurück [7].

Auch jede Art von Körperkontakt kann für Menschen mit atopischer Dermatitis zum Problem werden, Dies gilt zum Beispiel für Patienten mit Handekzemen, einer Sonderform der atopischen Dermatitis, die das zur Begrüßung übliche Händeschütteln oft als unangenehm empfinden. Insbesondere für Jugendliche ist die Stigmatisierung durch die atopische Dermatitis eine schwere Belastung. Damit kann sich die atopische Dermatitis als regelrechte Kontakt-Barriere erweisen.

Deshalb kann eine atopische Dermatitis von Depressionen und psychischen Problemen begleitet sein. 20 Prozent der Betroffenen leiden unter relevanten Angstzuständen und Depressionen. Hinzu kommen Gemeinsamkeiten zwischen der atopischen Dermatitis und depressiven Erkrankungen: In beiden Fällen kommt es zur Bildung proinflammatorischer Zytokine. Zytokine sind entzündungsfördernde Botenstoffe, die maßgeblich an Immunreaktionen und Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Auch im Hinblick auf depressive Verstimmungen kann in Kombination mit der atopischen Dermatitis ein Teufelskreis beginnen: Die angegriffene Psyche kann die Erkrankungssymptome verschlimmern und die stärker werdenden Symptome können wiederum die Psyche negativ beeinflussen [8-10].

Atopische Dermatitis beim Kind: Was sollten Eltern wissen?

Wenn ein Kind von atopischer Dermatitis betroffen ist, versuchen die Eltern alle potenziell negativen Einflüsse auf die Erkrankung zu vermeiden. Oft gehen die Eltern davon aus, dass dafür ein sehr sauberes, möglichst keimfreies Umfeld wichtig ist. Hier ist wichtig zu wissen, dass auch Kinder mit atopischer Dermatitis trotz der Erkrankung gerne im Freien und auch gerne im „Dreck“ spielen dürfen. Die Bauernhof-Studien haben gezeigt, dass das Immunsystem durch einen zu hohen Grad an Hygiene nicht genug gefordert wird. Vielmehr muss das Immunsystem mit der Infektionsabwehr beschäftigt werden, damit es nicht „auf dumme Ideen“ kommt und Allergien ausbildet. Dahinter steht die Ausbildung von IgG - bei Infektionen - anstelle von IgE - bei Allergien. Deshalb kann der Kontakt mit Erde und Schmutz, die sogenannte „Endotoxinen“ (Bakterienbestandteile) enthalten, im Hinblick auf die Entstehung von Allergien eher schützend wirken. Aus dem gleichen Grund ist es für Kinder mit atopischer Dermatitis auch durchaus sinnvoll, die üblichen Kinderkrankheiten durchzumachen und dagegen geimpft zu werden.

Diagnose

Die Diagnose einer atopischen Dermatitis ergibt sich in der Regel aufgrund der Kardinalsymptome, wie stark juckende, ekzematöse und erythematöse Hautareale, Papeln und Plaques mit Exkoriationen sowie Krusten und Lichenifikation an den typischen Körperstellen. Auch Merkmale wie eine sehr trockene Haut oder eine sogenannte Ichthyose-Hand (Verhornungsstörung) mit extrem tiefen Handrillen gelten als typische Hinweise auf eine bestehende atopische Dermatitis [1].

Weitere Differenzierungsmerkmale der atopischen Dermatitis sind:

  • Doppelte Unterlidfalte, die sogenannte Dennie Morgan-Lidfalte
  • Lateral ausgedünnte Augenbrauen (Hertoghe-Zeichen)
  • Pelzmützenartiger Haaransatz
  • Periorale Blässe
  • Weißer Dermographismus
  • Extreme Empfindlichkeit der Haut (z.B. als Reaktion auf Wollpullover auf der nackten Haut)
  • Ekzeme an den Brustwarzen (auch bei Männern)
  • Ekzeme hinter den Ohren

Wie bei allen Erkrankungen sind auch bei der atopischen Dermatitis mögliche Differenzialdiagnosen zu berücksichtigen. Zum Beispiel ruft auch Scabies, umgangssprachlich als „Krätze“ bezeichnet, einen starken Juckreiz hervor.

Atopische Dermatitis: Es gibt leichte bis schwere Formen!

Eine atopische Dermatitis ist nicht immer gleich. Es gibt Patienten, die nur eine leichte Form der Erkrankung aufweisen, während andere schwer betroffen sind. Auch kann sich die Schwere der Symptome im Krankheitsverlauf ändern. Hinzu kommt, dass die Symptome der atopischen Dermatitis sowohl objektiv als auch subjektiv sind: Es gibt die sichtbaren Ekzeme und den nicht sichtbaren Juckreiz. Welche Symptome von den Patienten wie stark bzw. störend empfunden werden, ist individuell sehr verschieden. Man hat deshalb sogenannte Scores entwickelt, mit deren Hilfe man versucht, die Schweregrade der Erkrankung und deren Einfluss auf die Lebensqualität besser zu definieren. Diese werden überwiegend im Rahmen von Studien genutzt, um die Wirkung von Therapien besser beurteilen zu können [11].

Das objektive Ausmaß des sichtbaren Ekzems versucht man unter anderem mit den folgenden Instrumenten zu beurteilen:

  • PGA (Patient Global Assessment)
  • EASI (Eczema Area and Severity Index (EASI)
  • SCORAD (SCORing Atopic Dermatitis)

Die subjektive Belastung der Patienten durch die atopische Dermatitis wird mit den folgenden Instrumenten erfasst:

  • DLQI (Dermatology Life Quality Index)
  • Pruritus VAS (Juckreiz, dargestellt auf einer visuellen Analogskala)
  • Pruritus NRS (Juckreiz, dargestellt auf einem Numeric Rating Scale)

Eine Checkliste, die einen guten Überblick über die Kriterien zur Beurteilung der atopischen Dermatitis gibt, findet man in der aktualisierten Leitlinie zur Atopischen Dermatitis. Hier wird auch berücksichtigt an welcher Körperregion das Ekzem auftritt. Bewertet wird zudem, inwieweit die bereits durchgeführten Therapien erfolgreich waren. Gerade bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischen Dermatitis kommt es oft zu einer unzureichenden Krankheitskontrolle.

Neu ist der Vorschlag für „NETT“, ein recht einfaches Tool, mit dessen Hilfe Ärzte die Patienten mit atopischer Dermatitis relativ schnell beurteilen können. Es funktioniert wie eine Art Ampelsystem [12].

 

 

nett neurodermitis evaluierungs test tool"NETT": Neurodermitis Evaluierungs Test Tool, Quelle: Prof. Dr. med. Hjalmar Kurzen, onkoderm e.V.

 

Therapie

Atopische Dermatitis: Wie sieht die Therapie aus?

Die Therapie der atopischen Dermatitis sollte möglichst früh erfolgen, denn je länger die Beschwerden andauern, desto größer ist der Schaden an der abwehrgeschwächten Haut. Deshalb kommt es bei der unbehandelten atopischen Dermatitis leichter zu bakteriellen Infektionen, zum Beispiel durch Staphylokokken oder Streptokokken. Auch virale Hautinfektionen, zum Beispiel in Form von Warzen, treten dann eher auf. Dabei ist eine antientzündliche Lokaltherapie die wichtigste Maßnahme bei Juckreiz und Ekzemen [11].

Atopische Dermatitis: Was ist eine antientzündliche Lokaltherapie?

Viele Patienten mit Ekzemen werden zur Behandlung der Symptome zunächst mit einer Lokaltherapie therapiert. Diese hat das Ziel, die funktionierende Hautbarriere wiederherzustellen. Die Basistherapie wird mit einer wirkstoffreien Creme durchgeführt, die in der Regel hautstrukturverbessernde Komponenten wie zum Beispiel Glyzerin oder Urea enthält. Sind zum Beispiel auch Gerbstoffe enthalten, wirken die Präparate auch entzündungshemmend, desinfizierend und juckreizstillend. Die Basistherapie sollte täglich angewendet werden, um ein gut durchfeuchtetes, weiches Hautbild zu erreichen. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten ist die Basistherapie zur Behandlung der atopischen Dermatitis ausreichend. Generell gilt: Bleiben die Symptome der atopischen Dermatitis auch nach einer ein- bis zweiwöchigen Behandlungsdauer bestehen, ist eine Intensivierung der Therapie angeraten [11].

Atopische Dermatitis: Was tun, wenn die Basistherapie nicht hilft?

Bei manchen Patienten reicht das einmalige tägliche Cremen der Haut nicht aus, um ein positives Hautbild zu erreichen. Ist hierfür mehrmals tägliches Cremen nötig, gilt dies als Hinweis darauf, dass die Therapie eine stärkere antientzündliche Komponente enthalten sollte. Die Basistherapie sollte dann um eine stadiengerechte entzündungshemmende Lokaltherapie mit modernen topischen Steroiden der 4. Generation oder Calcineurininhibitoren ergänzt werden. Ausdrücklich sollten die neuen kortisonhaltigen Cremes der 4. Generation verwendet werden. Diese haben eine vergleichsweise gute Wirksamkeit, weniger Nebenwirkungen und sind in der Haut abbaubar [11].

Atopische Dermatitis: Wie umgehen mit kortisonhaltigen Cremes und Calcineurininhibitoren?

Im Umgang mit kortisonhaltigen Cremes sind viele Patienten mit atopischer Dermatitis unsicher. Oft versuchen sie, den Einsatz von Kortison so lange wie möglich hinauszuzögern, weil sie Nebenwirkungen, wie zum Beispiel das Ausdünnen der Haut nach längerer Anwendung, fürchten. Mit einer verzögert einsetzenden Therapie vergrößert sich jedoch der Schaden an der atopischen Haut. Deshalb wurde speziell für die atopische Dermatitis das allgemeine Therapiekonzept „EILT“ entwickelt – das Acronym steht für „entzündungsinhibierende Lokaltherapie“. Das Grundprinzip von EILT basiert auf drei Therapiephasen. In der ersten Phase, der Akutphase werden die Entzündungsprozesse frühestmöglich und wirksam mit kortisonhaltigen Cremes der 4. Generation oder Calcineurininhibitoren unterbrochen. Am besten bereits dann, wenn man bemerkt, dass sich ein Schub anbahnt. In der zweiten, der Stabilisierungsphase, wird die Behandlungsintensität langsam reduziert. In der dritten, der Erhaltungsphase, wird die Therapie nur ein bis zweimal pro Woche angewendet, um die Haut zu stabilisieren und einen erneuten Schub zu verhindern. Auch Calcineurininhibitoren wirken antientzündlich, sie sind aber nicht in gleichem Maße wirksam, wie die topischen Steroide [11].

Therapie der atopischen Dermatitis nach dem EILT-Schema

 

therapie der atopischen dermatitis nach dem eilt schemaTherapie der atopischen Dermatitis nach dem EILT-Schema, Quelle: Prof. Dr. med. Hjalmar Kurzen, onkoderm e.V.

 

Wichtig ist, bei der Cremetherapie, auf die richtige Zusammensetzung der Cremes zu achten. So haben sich zur Therapie akuter Schübe eher flüssig-cremige Präparate bewährt. Bei chronischen Hautzuständen, die eine Tiefenwirkung des Präparates erforderlich machen, haben fettreichere Salben eine bessere Wirkung [12].

Atopische Dermatitis: Wann hilft die Lichttherapie?

Die Lichttherapie ist ein wichtiger Faktor bei der Therapie der atopischen Dermatitis. Die Lichttherapie wird bei schwereren Fällen, zusätzlich zur Basistherapie und Lokaltherapie, eingesetzt und zeigt eine sehr gute Wirksamkeit auf bestimmte Entzündungsmediatoren. Ähnlich wie beim Kortison wird der Juckreiz gehemmt und die Entzündung bildet sich zurück. Insbesondere in Kombination mit einem Solebad, das heißt, beim Bad in Salzwasser, ist die Lichttherapie sehr wirksam. Ambulant wird die Therapie drei bis vier Mal pro Woche durchgeführt, insgesamt 35 Mal in einer Behandlungsserie. Seit dem 1. Oktober 2020 wird diese ambulante Balneophototherapie für Patienten mit atopischer Dermatitis von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen [11].

Atopische Dermatitis: Systemtherapie mit Antihistaminika

In manchen Fällen werden Patienten mit atopischer Dermatitis auch mit Antihistaminika behandelt. Diese Behandlung ist jedoch eher nicht sinnvoll, da der Juckreiz bei der atopischen Dermatitis überwiegend nicht durch Histamin, sondern durch Neuropeptide ausgelöst wird. Die Wirkung von Antihistaminika bei der atopischen Dermatitis ist dementsprechend begrenzt [11].

Atopische Dermatitis: Systemtherapie mit Ciclosporin und systemischen Steroiden

Lange Zeit standen zur systemischen Behandlung der atopischen Dermatitis ausschließlich die Wirkstoffe Ciclosporin und Kortison zum Einnehmen oder als Spritzentherapie zur Verfügung.

Ciclosporin kommt aus der Transplantationsmedizin und dient dazu, das Immunsystem nach einer Organtransplantation daran zu hindern, das Fremdorgan abzustoßen. Man nutzt es bei der Behandlung der atopischen Dermatitis ebenfalls dazu, die Reaktion des Immunsystems zu dämpfen. Ciclosporin kann über einen Zeitraum von sechs bis maximal zwölf Monaten verordnet werden, aber nicht länger. Ansonsten kann es zum Beispiel zu einer Schädigung der Niere oder zu Bluthochdruck kommen. Aber: Ciclosporin sollte nicht in Kombination mit einer UV-Lichttherapie verordnet werden, weil dies die Tumorentwicklung begünstigen könnte.

Kortison kann systemisch zum Einsatz kommen, wenn ein Patient, der weitgehend symptomkontrolliert ist, plötzlich einen schweren Ekzemschub bekommt. Als Dauertherapie eignen sich systemische Steroide nicht, da es ansonsten zu Langzeitnebenwirkungen kommen könnte [11].

Mittelschwere und schwere atopische Dermatitis: Systemische Therapie mit Biologika

Seit ein paar Jahren steht zur Therapie der atopischen Dermatitis ein Biologikum zur Verfügung. Dabei handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der gegen zwei der Haupt-Entzündungsmediatoren gerichtet ist, IL-4 und IL-13. Das Biologikum blockiert deren Rezeptor und setzt damit zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Entzündungskaskade an. Die Therapie zeigt eine gute Wirksamkeit im Hinblick auf Ekzeme und Juckreiz. Der Wirkstoff wird alle 14 Tage per Spritze verabreicht und kann vom Patienten selbst angewendet werden. In der Regel wird das Präparat sehr gut vertragen, bei manchen Patienten kommt es jedoch zu einer Konjunktivitis, das heißt, zu einer Bindehautentzündung [11].

Atopische Dermatitis: Für welche Patienten eignet sich eine Systemtherapie?

Bei der Behandlung der atopischen Dermatitis geht man nach einem Stufenmodell vor. Das bedeutet, man versucht mit möglichst wenig therapeutischen Maßnahmen eine Symptomfreiheit zu erzielen. Leidet der Patient unter einer schwereren Form der atopischen Dermatitis oder sind exponierte Körperstellen betroffen und gelingt es nicht, eine Beschwerdefreiheit zu erreichen, kommt eine Systemtherapie in Frage. Voraussetzung für die Verordnung einer Systemtherapie kann der Schweregrad der Ekzeme sein. Aber auch die betroffenen Körperstellen oder ein stark belastender Juckreiz können Gründe für die Verordnung einer Systemtherapie sein. Der behandelnde Arzt kann anhand einer Checkliste, die Teil der aktuellen Leitlinie zur atopischen Dermatitis ist, prüfen, ob der Patient für eine systemische Behandlung in Frage kommt. Dabei muss aus den drei in der Checkliste angegebenen Kategorien „Schweregrad, „subjektive Belastung“ und „bisheriges Therapieansprechen“ jeweils nur ein Kriterium erfüllt sein [11].

Atopische Dermatitis: Gibt es neue Therapien?

Seit einiger Zeit steht zur Behandlung der atopischen Dermatitis ein neues Medikament der Substanzklasse der JAK-Inhibitoren zur oralen Therapie zur Verfügung. Es zeigt ebenfalls eine gute Wirksamkeit, insbesondere bei der Behandlung des Juckreizes, und wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Insgesamt ist das sogenannte „small molecule“ gut verträglich. Bei einigen Patienten kann es jedoch zu tiefen Venenthrombosen und einer erhöhten Infektionsanfälligkeit kommen [13].

JAK-Inhibitoren erreichen ihre Wirkung durch die Hemmung von Enzymen. Die Weiterleitung des Entzündungssignals wird dabei direkt in der Zelle blockiert. JAK-Inhibitoren werden bereits bei einigen anderen Erkrankungen zur Therapie eingesetzt, zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis. Man erwartet, dass JAK-Inhibitoren zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen genutzt werden können. Zu vielen weiteren möglichen Einsatzgebieten werden aktuell Studien durchgeführt.

JAK-Inhibitoren werden auch als „small molecules“ bezeichnet. Es handelt sich also um sehr kleine Moleküle, so dass auch eine Anwendung als Cremetherapie möglich sein könnte – dies wird aktuell untersucht. Bislang konnte man sehen: Auch mit der topischen Anwendung konnte eine systemische Wirkung erzielt werden.

An einer ganzen Reihe von neuen Therapiekonzepten zur Behandlung der atopischen Dermatitis wird zurzeit noch geforscht. Dazu gehört ein Antikörper, der gegen IL-13 gerichtet ist. Auch gegen IL-33 und IL-31 Rezeptor gerichtete Antikörper werden aktuell entwickelt. Zu beiden Therapiekonzepten sind die Studien schon recht weit gediehen, so dass es in den kommenden Jahren zu einer Zulassung kommen könnte.

Eine weitere Option zur systemischen Therapie der atopischen Dermatitis könnte ein Histamin-H4-Rezeptor Blocker sein, der sich noch in der Entwicklung befindet. Das Therapiekonzept setzt an den H4-Rezeptoren an, die in der Haut vorhanden sind, und blockiert diese.

Es gibt viele interessante Therapieansätze, jedoch ist für die Atopische Dermatitis, wie auch für alle anderen chronisch entzündlichen Systemerkrankungen, nicht eine einzige erfolgreiche Therapiemöglichkeit zu erwarten. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Therapiekonzepte zunehmend personalisiert an der individuellen Ausprägung der Erkrankung und den individuellen Patienten orientieren werden.

Praktische Tipps

Allgemeine Tipps bei atopischer Dermatitis:

  • Patienten mit atopischer Dermatitis sollten sich gut über die Erkrankung und die zugrundeliegenden Mechanismen informieren.
  • Auf den Arztbesuch sollten sich die Patienten gut vorbereiten, sich Fragen notieren und die Antworten festhalten.
  • Spezielle Schulungen, zum Beispiel durch AGNES, schaffen Sicherheit im Umgang mit der atopischen Dermatitis.

Tipps zur Steigerung des Wohlbefindens bei atopischer Dermatitis:

  • Entspannungstechniken, wie zum Beispiel Yoga oder autogenes Training, können maßgeblich zur Stressreduktion beitragen und Schübe reduzieren.
  • Das Einplanen von „Me Time“ – „Zeit, für sich selbst“ - schafft Freiräume vom Alltagsstress, auch schon für Kinder, und verbessert die Lebensqualität.
  • Sport sorgt für Erfolgserlebnisse und kann ein wirksames Ventil zum Stressabbau sein.
  • Das Pflegen qualitativ hochwertiger Beziehungen sorgt dafür, dass auch der psychosomatische Aspekt der Erkrankung berücksichtigt wird.
  • Gute Gespräche mit Familie und Freunden, auch über Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit der atopischen Dermatitis, geben Geborgenheit und stärken das Selbstwertgefühl.

Tipps zur Ernährung bei atopischer Dermatitis

  • Es gibt keine spezielle Diät zur Therapie der atopischen Dermatitis. Bestimmte Unverträglichkeiten können jedoch Schübe triggern, so dass diese diagnostiziert und die entsprechenden Nahrungsmittel gemieden werden sollten.
  • Nicht immer, aber häufig sind bei der atopischen Dermatitis säurereiche Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Zitrusfrüchte, weniger gut verträglich.
  • Eine gute Darmgesundheit sollte beachtet werden, da sich Darmprobleme auch negativ auf den Hautzustand auswirken können.
  • Die Darmgesundheit wird gefördert durch gehört eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung, mit einem nicht zu hohen Fleischanteil und möglichst wenig Fertigprodukten.

Tipps zur Urlaubsplanung bei atopischer Dermatitis:

  • Bei der Urlaubsplanung sollte man entweder das Hochsee- oder das Hochgebirgsklima bevorzugen. Die reizstoffarme Umgebung hat eine positive Wirkung auf die atopische Haut.
  • Bei einem Urlaub am Meer profitieren Patienten mit atopischer Dermatitis vom mineralstoffreichen Meerwasser, das in Kombination mit UV-Strahlen entzündungshemmend und juckreizstillend wirkt. Am stärksten ist dieser Effekt am Toten Meer, welches 28 Prozent Salz enthält - normales Meerwasser enthält 3 bis 3,8 Prozent Salz. Mit der ambulanten Balneophototherapie wird ein ähnlicher Effekt erzeugt.

Quellen

 

  1. https://www.dha-schwere-neurodermitis.de/
  2. https://medialibrary.eaaci.org/mediatheque/media.aspx?mediaId=84227&channel=8518
  3. https://patients.eaaci.org/atopicdermatitis/
  4. Simpson EL et al. J Am Acad Dermatol. 2016; 74(3):491–498.
  5. Andersen L et al. Br J Dermatol. 2020; 182(4):1007–1016.
  6. Whiteley J et al. Curr Med Res Opin. 2016; 32(10):1645–1651.
  7. Silverberg JI et al. Ann Allergy Asthma Immunol. 2018; 121(3):340–347.
  8. Eckert L et al. J Am Acad Dermatol. 2017; 77(2):274–279.e3.
  9. Silverberg JI. Ann Allergy Asthma Immunol. 2019; 123(2):144–151.
  10. Schans JV et al. Neurosci Biobehav Rev 2017; 74(Pt A):139–148.
  11. Aktualisierung „Systemtherapie bei Neurodermitis“ zur Leitlinie Neurodermitis [atopisches Ekzem; atopische Dermatitis], Entwicklungsstufe: S2k
  12. Hjalmar Kurzen, Ralph von Kiedrowski, Sven Quist, Michael Sebastian, Christian Termeer, Atopische Dermatitis – Ein praxisnaher Behandlungspfad, Onkoderm, Beilage 27.09.2020
  13. Bieber T. Pooled safety analysis of baricitinib in adult patients with atopic dermatitis from 8 randomized clinical trials. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2020 Sep 14. doi: 10.1111/jdv.16948. Epub ahead of print. PMID: 32926462.

 

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