Allergie beim Hund

Autor: Dr. med. vet. Kerstin Wildermuth

Allgemeine Informationen zur Allergie beim Hund

Eine Allergie beim Hund ist, wie beim Menschen, eine unangemessen heftige Reaktion des Immunsystems auf harmlose Stoffe. Konkret heißt das, das Immunsystem des Hundes ordnet ungefährliche Stoffe als bedrohlich ein und startet eine Abwehrreaktion. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Stoffe pflanzlichen, tierischen oder chemischen Ursprungs sind. Hat das Immunsystem des Hundes einen Stoff erst als gefährlich eingeordnet, erfolgt bei jedem weiteren Kontakt eine Abwehrreaktion, die allergische Reaktion.

Allergie beim Hund durch Allergene aus der Luft, auch „Aeroallergene“ genannt:

  • Pollen von Gräsern, Bäumen und Unkräutern
  • Hausstaubmilben
  • Schimmelpilzsporen
  • Hautschuppen anderer Tiere

Allergie beim Hund durch Allergene aus dem Futter:

  • Sämtliche Futterinhaltsstoffe zum Beispiel tierische Proteine von Hühnchen, Lamm, Rind, Ei, Milchprodukten etc., Kohlenhydrate, Zusatzstoffe

Allergie beim Hund durch Flohspeichel

Allergie beim Hund durch Kontaktallergene, die selten Allergien bei Hunden auslösen:

  • Pflanzen
  • Duftstoffe
  • Pflegeprodukte (Shampoos, Salben)
  • Inhaltsstoffe in Putz- und Waschmitteln

Symptome der Allergie beim Hund

Eine Allergie beim Hund wirkt sich in den meisten Fällen auf die Haut aus und stellt ein Krankheitsbild dar, welches als „Canine atopische Dermatitis“, sozusagen eine Neurodermitis beim Hund, bezeichnet wird. Ungefähr 80 Prozent aller Hauterkrankungen beim Hund sind durch ein allergisches Geschehen, also eine Allergie, bedingt. Die häufigsten Symptome einer Allergie beim Hund bzw. bei der atopischen Dermatitis des Hundes sind Juckreiz und Rötungen der Haut, welche bei jedem Hund unterschiedlich ausgeprägt sind und an verschiedenen Stellen des Körpers auftreten können. Beim Hund sind insbesondere Ohren, Pfoten, Achselbereiche und Bauch betroffen. In manchen Fällen zeigen sich bei allergischen Hunden auch Niesen und tränende Augen als weitere Allergie-Anzeichen. Die Haut am Körper und in den Gehörgängen kann für sekundäre Infektionen mit Bakterien und Hefepilzen anfällig sein, welche die Symptomatik oft noch verstärken. In manchen Fällen kann sich beim Hund eine Allergie auch durch eine sogenannte Urtikaria oder Nesselsucht äußern, dann kommt es zu einer Quaddelbildung. Auch die Bildung von Krusten auf der Haut, Haarausfall, Pickel und Pusteln stellen bei Hunden häufig ein Anzeichen von sekundären Infektionen bei bestehender Allergie dar, was die Symptomatik oft verstärkt.

Allergie beim Hund: Sind die Auslöser Aeroallergene oder futterinduziert?

Ist die Canine atopische Dermatitis durch Aeroallergene, also Allergene in der Luft, wie zum Beispiel Pollen von Bäumen, Gräsern oder Unkräutern ausgelöst, können Symptome insbesondere im Frühjahr, Sommer und/oder Herbst bestehen. Stellen Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen oder Hautschuppen anderer Tierarten die Auslöser dar, können Symptome aber auch ganzjährig bestehen. Beruht die Allergie auf einer futterinduzierten atopischen Dermatitis, oft auch als Futterallergie bezeichnet, bestehen Symptome meist ganzjährig und sind nicht von der durch Pollen ausgelösten atopischen Dermatitis zu unterscheiden. Manchmal, aber nicht immer, kann die futterinduzierte atopische Dermatitis mit gleichzeitigen Magen-Darm-Symptomen wie regelmäßigem Erbrechen, Durchfall oder Flatulenz einhergehen. Ausgelöst wird die Allergie beim Hund häufig durch bestimmte Eiweißquellen, wie etwa Hühnchen, Rind, Ei oder Milch. Manchmal sind aber auch Kohlenhydrate, zum Beispiel Weizen, oder Farb- und Konservierungsstoffe im Futter die Ursache für Futterallergien beim Hund.

Diagnose einer Allergie beim Hund

Um eine Allergie beim Hund zu diagnostizieren, müssen zunächst andere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden, denn der für Allergien typische Juckreiz kann bei Hunden unter anderem auch durch Parasiten auf der Haut Juckreiz ausgelöst werden. Der Tierarzt sollte deshalb andere Ursachen als eine Allergie beim Hund ausschließen.

Ein Allergietest kann beim Hund entweder als Hauttest, auch Intradermaltest genannt, oder Bluttest durchgeführt werden. Beim Hauttest wird eine Stelle am Fell des Hundes, meist seitlich am Rumpf, geschoren, und Allergene werden in die Haut injiziert. Anhand der Hautreaktion – Rötung und Quaddelbildung – können auslösende Allergene identifiziert werden. Beim Bluttest oder IgE-Test lassen sich die auslösenden Allergene anhand der im Blut des Hundes vorhandenen Antikörper gegen bestimmte Allergene ermitteln.

Im Internet erhältliche Allergietests für Hunde sind nicht zu empfehlen, da sie keine gesicherte Diagnose ermöglichen. Es besteht dann die Gefahr, dass eine bestehende Allergie des Hundes nicht erkannt wird. Ebenso können diese Tests Allergien anzeigen, die gar nicht bestehen.

Keine Allergie beim Hund, was kann es noch sein?

Bevor eine Allergie diagnostiziert wird, sollte sichergestellt werden, dass der Hund keinen Parasitenbefall mit zum Beispiel Sarcoptesmilben (Fuchsräude) oder ähnliches hat. Ektoparasiten können manchmal beim Hund ähnliche Symptome wie eine Allergie verursachen.

Futter als Auslöser der Allergie beim Hund

Ob beim Hund eine Futterallergie besteht, kann durch eine spezielle Eliminationsdiät überprüft werden. Dadurch lässt sie eine Futterallergie sowohl bestätigen als auch ausschließen. Diese Diät beinhaltet jeweils eine ausgewählte Fleisch- und Kohlenhydratquelle, häufig vom Besitzer selbst zubereitet oder fertig gekocht in Dosen bei speziellen Futterfirmen erhältlich. Bei der Auswahl der Fleisch- und Kohlenhydratquelle ist es wichtig, dass es sich um Fleischsorten handelt, die der Hund zuvor noch nie gefressen hat, da sie nicht als Bestandteil des normalen Hundefutters vorkommen. Bei der Auswahl dieser Zutaten sollte man unbedingt seinen Tierarzt zu Rate ziehen, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Alternativ gibt es hypoallergene Diäten, auch hydrolisierte Diäten genannt, oder Diäten mit speziellen Protein- und Kohlenhydratquellen, welche das Selbstkochen ersparen.

Durchführung einer Eliminationsdiät zur Diagnose einer Futterallergie beim Hund

Um eine Futterallergie beim Hund zu diagnostizieren oder auszuschließen, wird eine Eliminationsdiät in der Regel für mindestens zwei Monate durchgeführt. Es ist wichtig darauf zu achten, dass während dieser Zeit ausschließlich diese spezielle Diät gefüttert und auf jegliche Leckerlies verzichtet wird. Lindern sich durch die Eliminationsdiät die Symptome des Hundes, würde man erneut das vorherige Futter füttern, man nennt das Provokationstest. Wenn es dann beim Hund erneut zu Symptomen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit kommt und diese sich anschließend durch erneute strenge Fütterung der Diät wieder lindern, so handelt es sich um die futterinduzierte atopische Dermatitis. Durch anschließendes Zufüttern einzelner Bestandteile des Futters bzw. einzelner Fleischsorten und Beobachten der Reaktion, kann die auslösende Futterquelle genau ermittelt werden.

Allergie beim Hund durch Allergene aus der Luft

Ist ein Befall durch Parasiten ausgeschlossen und können die Symptome der Allergie beim Hund auch durch eine Eliminationsdiät nicht gelindert werden, so handelt es sich um eine durch in der Luft vorhandene Allergene ausgelöste Allergie. Weitere Hinweise auf eine Aeroallergie beim Hund kann das Auftreten der Symptome zu bestimmten Jahreszeiten, nur im Frühjahr oder Sommer, sein, während die Symptome im Winter nicht auftreten. Auch wenn der Hund die Allergiesymptome bei Ortsveränderung, etwa beim Urlaub im Schnee oder am Meer nicht mehr zeigt, kann dies ein Hinweis auf eine Pollenallergie des Hundes sein.

Flöhe als Auslöser der Allergie beim Hund

Eine weitere häufige Form der Allergie beim Hund ist die Flohbissallergie. Hierbei besteht eine Überempfindlichkeit gegen den Flohspeichel. Eine nur geringe Anzahl an Flohbissen kann dazu führen, dass sich eine solche Allergie beim Hund entwickelt. Bei einer Flohallergie leidet der Hund häufig unter sehr starkem Juckreiz, insbesondere am hinteren Teil des Rückens, im Schwanzbereich und an den Innenschenkeln. Hierbei reagieren die Hunde auf den Flohspeichel, der beim Blutsaugen durch den Floh in die Haut des Hundes injiziert wird. Die beste Therapie bei dieser Art von Allergie beim Hund ist eine gute Flohprophylaxe. Diese ist unter anderem auch beim Tierarzt erhältlich.

Kontaktallergene als Auslöser der Allergie beim Hund

Kontaktallergene beim Hund sind äußerst selten. Wir beobachten das am häufigsten bei angewandten Shampoos oder Cremes, welche die Hunde nicht vertragen.

Therapie der Allergie beim Hund

Handelt es sich bei der Allergie beim Hund um eine futterinduzierte atopische Dermatitis stützt sich die Therapie auf die Vermeidung der auslösenden Substanzen.
Wurde die Allergie beim Hund von Aeroallergenen ausgelöst, so gibt es vielfältige Behandlungsmöglichkeiten und die Therapie ist, je nach Patient und Symptomatik, unterschiedlich. Nach Durchführung eines Allergietests und bestätigter Allergie ist zum Beispiel eine allergenspezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, möglich.

Hyposensibilisierung beim Hund

Bei einer Hyposensibilisierung soll sich das Immunsystem des Hundes langsam an das jeweilige Allergen gewöhnen, damit es dieses nicht mehr als feindlich einstuft. Dabei werden ganz individuell die Allergene, die die Reaktion verursachen in regelmäßigen Abständen unter die Haut injiziert. Hierfür werden die auslösenden Allergene zunächst durch einen Allergietest ermittelt

Allergiemedikamente für Hunde

Weitere Behandlungsmöglichkeiten von Allergien bei Hunden stützen sich auf die Hemmung der allergischen Reaktion des Immunsystems, zum Beispiel durch die Behandlung mit Medikamenten, die die allergische Reaktion des Immunsystems hemmen. Antiallergische Medikamente für Hunde sind zum Beispiel Antihistaminika, Kortison, Oclacitinib, Lokivetmab oder Ciclosporin.

Medizinische Shampoos und essentielle Fettsäuren stellen je nach Schweregrad der Allergie eine Alternative oder Unterstützung der Therapie dar. Jeder allergische Hund ist anders. Daher ist die Therapie nicht bei jedem Hund gleich.

Sekundärinfektionen bei Allergien der Haut bei Hunden

Die atopische Dermatitis ist eine chronische Erkrankung des Hundes und die Behandlung erfolgt meist lebenslänglich. Das Krankheitsbild wird oft begleitet von Sekundärinfektionen mit Bakterien und/oder Hefepilzen auf der Haut oder in den Ohren. Deshalb ist es wichtig, dass nicht nur die eigentliche Allergie des Hundes, sondern auch die Sekundärinfektionen mitbehandelt werden, um eine Besserung des Zustandes zu ermöglichen. Der Tierarzt wird eine sinnvolle Therapie, individuell an den allergischen Patienten angepasst, empfehlen.

Praktische Tipps bei Allergie beim Hund

Eliminationsdiät beim Hund:

  • Bei der Durchführung einer Eliminationsdiät müssen alle Personen, die mit dem Hund in Kontakt kommen eingeweiht werden, damit die Diät streng eingehalten werden kann. Kleine Mengen an Leckerlis, die nicht dem Diätplan entsprechen, können ausreichen, um Symptome auszulösen, bzw. die Interpretation der Wirksamkeit der Diät erschweren.
  • Befinden sich andere Hunde und Katzen im Haushalt, muss eine Fütterung getrennt erfolgen. Auch das „Ausschlecken des Futternapfes“ eines anderen Haustieres ist nicht erlaubt.
  • Möchte man bestimmte Leckerlis, oder kommerziell erhältliche hypoallergene Diäten füttern, sollte dies vorab mit dem Tierarzt besprochen werden. Leider sind nicht alle erhältlichen als hypoallergen gekennzeichnete Diäten für eine Eliminationsdiät geeignet.
  • Sollte der Hund aufgrund einer anderen Erkrankung Medikamente bekommen, sollte sichergestellt sein, dass diese keine Geschmacksstoffe erhalten, da dies auch einen Einfluss auf die Eliminationsdiät nehmen könnte. Viele Entwurmungstabletten sind zum Beispiel inzwischen mit Geschmacksstoffen versehen.

Bei atopischer Dermatitis (durch Aeroallergene) beim Hund:

  • Manche Besitzer bemerken, dass der Hund nach dem Spaziergang im Feld aufgrund der höheren Pollenbelastung stärkeren Juckreiz entwickelt. Manchmal, aber leider nicht immer, kann es helfen, bestimmte Felder und Wiesen beim Spaziergang zu meiden.
  • Zeigt ein Hund eine Allergie gegen Hausstaubmilben, so kann auch hier die Meidung von Räumen mit hoher Belastung, zum Beispiel das Schlafzimmer, in manchen Fällen helfen.
  • Medizinische Shampoos: Wird ein Hund regelmäßig gebadet, kann es insbesondere bei langhaarigen Rassen hilfreich sein, das Fell etwas kürzer zu halten. So können die Wirkstoffe des Shampoos besser einwirken. Dabei sollte auch die lange Einwirkzeit der Shampoos von ca. 10 Minuten beachtet werden, um einen optimalen Effekt zu erzielen

 

Quellen:

Miller, Griffin, Campbell. Muller and Kirk’s Small Animal Dermatology, 7th edition, 2013

Olivry T, DeBoer D, Favrot C et al.Treatment of canine atopic dermatitis: 2010 clinical practice guidelines from the International Task Force on Canine Atopic Dermatitis. Veterinary Dermatology 2010; 21:233–248

 

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