Beifuß-Allergie

Allgemein

Beifußpollen sind von hoher allergener Bedeutung und gelten als das häufigste Kräuterpollenallergen Deutschlands. Häufig besteht eine Kreuzallergie zu Ambrosia, man spricht dann von einem Beifuß-Ambrosia-Komplex. Für Beifußallergiker bedeutet dies, dass sie sowohl auf Beifuß als auch auf Ambrosia reagieren. Häufig kommt es zu einer Ko-Sensibilisierung, deutlich seltener besteht eine Sensibilisierung auf nur ein Allergen, also nur Beifuß oder nur Ambrosia. Die Aeroallergene lassen sich anhand der klinischen Symptomatik nicht voneinander unterscheiden. Das orale Allergie-Syndrom existiert bei beiden Pollenarten, Beifuß und Ambrosia.

Beifuß gehört zu den windbestäubenden Mittelblühern mit einer Blütezeit von Juli bis September, es kommt also zu einem Spätsommerheuschnupfen. Die Blühperiode ist jedoch auch immer von den klimatischen Gegebenheiten abhängig, so dass der Beifuß auch schon im Mai Pollen abgeben kann, bis zum ersten Frost hin.

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Symptome

Die Symptome der Beifuß-Allergie entsprechen den gängigen Beschwerden einer aeroallergen induzierten Pollinosis mit einer nasalen Komponente. Es kann zu laufender oder verstopfter Nase und Niesreiz kommen. Aber auch zu gereizten Augen, begleitet von einem Brennen, Jucken und Tränen, was auch zu einer konjunktivalen Schwellung führen kann. Die oberen Atemwege können ebenfalls mitbetroffen sein, hierbei können Husten, eine bronchiale Konstriktion, Atemnot, Brustschmerzen und nächtliche Beschwerden auftreten.

Diese typischen, allergischen Beschwerden führen zu einer starken Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens und somit der Lebensqualität. Häufige Beschwerden sind Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen, einhergehend mit der Tagessymptomatik „Müdigkeit“ oder einer erhöhten Einschlafneigung.

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Kreuzallergien bei Beifuß Allergie

Kommt es zu einem durch Kreuzallergien bedingten oralen Allergie-Syndrom, sind lokale Reaktionen der Mundschleimhäute nach Kontakt mit bestimmten Nahrungsmitteln möglich. Hierbei kann es zu Kribbeln, Brennen, einer Schwellung von Lippe, Zunge, Mundschleimhaut, aber auch des Rachens und der Luftröhre kommen. Seltener kommt es zu Fernsymptomen wie Ausschlägen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Blähungen oder Durchfall.

Kreuzallergien können bei Kräutern und Gewürzen, wie Anis, Basilikum, Chili, Curry, Dill, Ingwer, Koriander, Knoblauch, Kümmel, Thymian, Majoran, Oregano, Paprika, Petersilie, schwarzer und grüner Pfeffer, Senf und Zimt auftreten.

Neben Kräutern und Gewürzen können Kreuzreaktivitäten auch auf andere Pflanzenpollen, wie Löwenzahn oder Kamille auftreten. Ebenso bei Gemüse wie Sellerie, Karotten, Kartoffeln, Artischocken und Tomaten. Aber auch Obst wie Äpfel, Melonen, Litschis, Kiwis, Mangos und manchmal Erdnüsse, können bei Beifuß Allergikern Symptome auslösen.

Beifuß Allergie und Sellerie-Karotten-Kräuter-Gewürz-Syndrom

Das Sellerie-Karotten-Kräuter-Gewürz-Syndrom basiert auf Kreuzreaktionen. Hierbei kommt es aufgrund der Ähnlichkeit mancher Einzelallergene zu einer Verwechselung durch das Immunsystem. Das Immunsystem geht davon aus, dass es mit einem bestimmten Allergen konfrontiert wird. Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um ein anderes Allergen, dessen Aufbau dem initialen Auslöser stark ähnelt. Aufgrund dieser Tatsache kommt es nach Verzehr von bestimmten Nahrungsmitteln bei gleichzeitig bestehender Pollenallergie zu einem oralen Allergiesyndrom oder aber auch selten zu einer systemischen Reaktion. Aber: 50 Prozent der Beifuß assoziierten Allergien verlaufen subklinisch. Das bedeutet, die Betroffenen zeigen keine allergische Rhinitis, sondern ausschließlich eine Nahrungsmittelallergie.

Beim Sellerie-Karotten-Kräuter-Gewürz-Syndrom reagiert das Immunsystem auf verschiedene Allergene gleich oder ähnlich wie beim Kontakt zu Beifußpollen.

Beifuß Allergiker können auf folgende Nahrungsmittel mit einem oralen Allergiesyndrom reagieren:

  • Doldenblütler: Sellerie, Anis, Dill, Fenchel, Karotte, Koriander, Kümmel, Liebstöckel
  • Lippenblütler: Basilikum, Majoran, Oregano, Pfefferminz, Thymian
  • Lorbeergewächse: Avocado, Kiwi, Litschi
  • Korbblütler: Artischocke, Estragon, Kamille, Löwenzahn, Sonnenblume, Traubenkraut
  • Kürbisgewächse: Gurke, Kürbis, Melone
  • Nachtschattengewächse: Chili, Kartoffel, Tomate
  • Pfeffer
  • Sumachgewächse: Cashew-Kerne, Mangos, Pistazie

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Diagnose

Bei klinischem Verdacht einer Pollenallergie sollte eine Hauttestung – ein Pricktest – vorgenommen werden. Bei uneindeutigen Befunden oder Hauterkrankungen kann eine spezifische IgE Bestimmung im Rahmen eines Bluttestes erfolgen oder ein nasaler Provokationstest mit dem in Verdacht stehenden Allergen. Hierbei bestätigt sich der Verdacht einer Allergie, wenn die Testergebnisse, d.h. der Prick–Test und/oder Bluttest oder Provokationstest, positiv sind, bei gleichzeitig passender klinischer Symptomatik.

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Therapie

Zuallererst sollte man eine Allergenreduktion/-karenz, soweit möglich, anstreben.

Hierbei sollten Allergiker nach Betreten der Wohnung die Kleidung ablegen und waschen, jedoch nicht draußen trockenen lassen.

Auch alle unbedeckten Körperpartien sind nach Aufenthalt im Freien zu waschen. Abends vor dem Zubettgehen das Haar waschen, und gegebenenfalls die nasalen Schleimhäute zum Beispiel mit Kochsalzlösung spülen.

Im Bereich der Fenster können Pollenschutzgitter angebracht werden. In der Wohnung selbst kann die Allergenmenge durch feuchtes Wischen der Oberflächen reduziert und Staubsauger mit einem HEPA – Filter benutzt werden.

Eine symptomatische Behandlung kann ebenfalls vonnöten sein, hierzu zählen Antihistaminika in oraler oder topischer Form als Nasenspray/-tropfen und Augentropfen. Kortisonhaltige Präparate gehören ebenfalls zur symptomatischen Therapie, in topischer oder oraler Form möglich.

Eine kausale Therapie bietet nur die allergenspezifische Immuntherapie - auch hier gibt es unterschiedliche Applikationsweisen zum einen subkutan oder in sublingualer Form als Tablette oder Tropfen. Dies kann auch präsaisonal, kosaisonal oder auch perennial erfolgen. Die Immuntherapie sollte für 3 Jahre erfolgen und kann als einzige Therapie auch Folgerisiken, wie die einer Polysensibilisierung oder eines Etagenwechsels effektiv minimieren.

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