Magen-Darm-Probleme Zahnbehandlungen

Lutz Höhne, Zahnarzt - Umwelt-ZahnMedizin und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin (DEGUZ) zu Magen-Darm-Problemen durch Zahnbehandlungen!

Magen-Darm-Probleme durch Zahnbehandlungen? Symptome, Diagnose, Maßnahmen!

Wie finden Sie heraus, ob die Magen-Darm-Beschwerden eines Patienten durch zahnmedizinische oder kieferorthopädische Maßnahmen verursacht wurden?

Ob es zur Lösung von Metallen kam, kann man durch Speichelanalysen ermitteln. Metalle nachzuweisen ist einfach, denn die chemische Struktur der Metallionen verändert sich nicht. So lassen sie sich im Speichel und in allen Geweben gut nachweisen. Man sieht genau, welche Stoffe sich aus den Zahnmaterialien herauslösen und in welcher Menge.

Zwar wird oft argumentiert, dass Stoffe, die sich im Speichel befinden, durch den Verdauungsvorgang wieder ausgeschieden würden und dies ist auch nicht falsch. Schließlich kann man z.B. Amalgam-Füllungen durch Stuhluntersuchungen nachweisen – man findet dort dann Amalgambestandteile, selbst wenn sich nur eine einzige Füllung im oralen Bereich befindet.

Gleichzeitig ist es jedoch so, dass bei Gewebeproben, die im Rahmen einer Endoskopie des Darmes für histologische Untersuchungen entnommen wurden und die zusätzlich auf ihren Metallgehalt untersucht wurden, ebenfalls Metalle nachgewiesen werden konnten. Dabei korreliert der Metallgehalt der Darmschleimhaut - und übrigens auch in der Blutbahn – durchaus mit dem des Speichels.

Zusätzlich finden sich in der Darmschleimhaut auch Metalle wie z.B. Blei, die wir selten im Speichel finden. Ursache hierfür sind Altlasten wie bleihaltiges Benzin, bleibelasteten Böden und bleibelasteten Trinkwasserleitungen.

Gibt es neben der Speichelanalyse weitere Diagnosemöglichkeiten?

Handelt es sich um eine Immunreaktion lässt sich die Sensibilisierung auf Metalle oder Kunststoffe mittels allergologischer Testungen feststellen.
Aussagefähiger als der Epikutantest ist hier der Bluttest, denn er zeigt die systemischen Reaktionen an. Möglich wären allergische Reaktionen vom Typ I oder IV.

Und wie ermitteln Sie, ob Kunststoffe nach Zahnbehandlungen in Lösung gegangen sind?

Bei den Kunststoffen ist das schwierig, denn untersuchen können wir aktuell nur die Bestandteile der Kunststoffe, die wir kennen. Auch müssen wir wissen, welches Material verarbeitet wurde um gezielt darauf testen zu können.

Leider kennt man zurzeit gar nicht alle Inhaltsstoffe der Kunststoffe, diese werden auch nicht gut deklariert. Auch die Metabolisierung der Kunststoffe, d.h. die Verstoffwechslung der Kunststoffe im Körper ist noch nicht vollständig bekannt.

Größtenteils werden die Kohlenstoffgerüste der Kunststoffe in Form von CO2 abgeatmet, aber wir wissen nicht, welche Metabolite dabei entstehen.  So wissen wir auch nicht, was passiert, wenn in den Mund eingebrachte Kunststoffe in Lösung gehen. Ein Speicheltest ist hier extrem schwierig und es gibt keine validierte Diagnostik für die Kunststoffbestandteile im Speichel. Trotzdem arbeiten wir an diesem Thema. Aktuell können wir Bisphenol A, Methymethacrylat und Methacrylsäuren im Speichel nachweisen, aber das ist natürlich noch viel zu wenig.

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Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Patienten meist ein Materialmix im Mund haben, d.h. sowohl Metalle als auch Kunststoffe und Zahnzemente. Die zahnmedizinischen Maßnahmen, durch die diese Werkstoffe in den Mund gelangten, wurden in der Regel zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt und oft auch von unterschiedlichen Zahnärzten. All diese Faktoren erschweren die Diagnostik und es ist auch nicht leicht zu ermitteln, welche Werkstoffe verarbeitet wurden – das ist eine regelrechte Detektivarbeit.

Können auch andere Entzündungsvorgänge eine Rolle spielen?

Auch eine Paradontitis, d.h. eine Entzündung des Zahnfleisches, sollte man im Zusammenhang mit den Entzündungsprozessen in der Darmschleimhaut betrachten. Alle Schleimhäute stehen miteinander in Verbindung. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut muss man deshalb immer überprüfen, ob auch an der Darmschleimhaut Beschwerden auftreten.

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