Allergiegefahren beim Zahnarzt

Dr. Gunter Scholles, Zahnarzt, Implantologe und Parodontologe, Unicare, Bad Vilbel

Allergiegefahren beim Zahnarzt?

Sicher gibt es auch andere, nicht durch Allergene ausgelöste Reaktionen, die nach Zahnbehandlungen auftreten können  - wie erkennt man den Unterschied zu allergischen Reaktionen?

Nach einer Zahnbehandlung, insbesondere nach chirurgischen Eingriffen,  können sich eine Reihe von Symptomen zeigen, die der Laie womöglich als Allergie deuten könnte, die aber absolut nichts mit dieser Thematik zu tun haben. Zum Beispiel: Schwellungen im Bereich der Wange, der Lippen, am Mundboden, Schluckbeschwerden, Schleimhaut- und Zahnfleischrötungen, Nahtdehiszenzen (das Wiederaufklaffen bereits vernähter Wundränder), Hämatome (Blutergüsse), Lidödeme (Schwellungen der Augenlider, die durch den Ausritt von Flüssigkeit ins Gewebe verursacht wurden), Kieferklemmen, Kurzzeitige Kreislaufprobleme, Mundwinkelrhagaden (Veränderung der Mundwinkel, die durch Einrisse und oberflächliche Gewebedefekte charakterisiert sind und mit Krustenbildung einhergehen können) Nasenbluten nach Sinus-Lift (Kieferhöhlenaufbau), Parästhesien (unangenehme, manchmal schmerzhafte Körperempfindung  mit Kribbeln und temporärem Taubheitsgefühl), Bisswunden auf Lippen und Zunge, die sich der Patient noch während der Anästhesiewirkung selbst zufügt, da die Schmerzsensation ausgeschaltet ist. Aphten (stomatitis aphtosa – blasenförmige Entzündung der Mundschleimhaut, deren weiß-graue Mitte von einem geröteten Hof umgeben wird.) Herpes (Virusinfektion an Lippen, Zunge, Wangen, Rachen, Mundbodenschleimhaut und Zahnfleisch, um nur einige Erscheinungsbilder zu nennen.

Wer ist besonders gefährdet, nach Zahnbehandlungen Symptome allergischer Reaktionen zu zeigen?

Besonders gefährdet sind all jene Personen, die bereits durch entsprechende allergische Vorerkrankungen in der Familie belastet sind, und die Störungen des Immunsystems aufweisen. Eine allergische Reaktion setzt in der Regel voraus, dass eine Sensibilisierung des Patienten bereits  erfolgte. Eine Sensibilisierung entsteht jedoch nur durch wiederkehrende Kontakte mit dem Allergen. Eine allergische Reaktion auf Dentalwerkstoffe setzt daher voraus, dass im privaten oder beruflichen Umfeld des Patienten eine Sensibilisierung stattgefunden hat, die dann erst durch die allergische Reaktion anlässlich der Zahnbehandlung deutlich wird.

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Worauf müssen Patienten achten, bevor sie eine Zahnbehandlung beginnen, die möglicherweise allergische Reaktionen auslösen könnte?

Diese Frage ist nicht umfassend und eindeutig zu beantworten, Patienten sollten bei einer anstehenden zahnärztlichen Behandlung auf dem Anamnesebogen der Praxis möglichst präzise Hinweise erteilen. Dies gilt z.B. für eine bestehende allergische familiäre Vorerkrankungen oder für Komplikationen während einer früheren Behandlung. Insbesondere sind Störungen des Immunsystems unbedingt anzugeben. Der Zahnarzt kann bei Verdacht auf Materialunverträglichkeiten, eine Austestung der zur Verwendung kommenden Substanzen durch bekannte Testverfahren veranlassen und so erkennen, ob eine Sensibilisierung vorliegt. Dafür stehen eine Reihe von Testverfahren zur Verfügung: z.B. Blutuntersuchung, Provokationstests, Hauttests, Epikutantest, Intrakutantest, Reibetest, Scratchtest, Patchtest und auch die Elektroakupunktur die genutzt werden können. Weiterhin sollten durch die Einschaltung mitbehandelnder Ärzte aus anderen Disziplinen, Informationen eingeholt werden, die Hinweise auf mögliche Allergien liefern können.

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Auf dem Gebiet der Dentalen Toxikologie existiert an der  LMU  München http://www.wsi.med.uni-muenchen.de/forschung/toxikologie/dentaltoxicologie/index.html eine sehr umfangreiche Datenbank, welche  interessierten Patienten und auch Zahnärzten zu empfehlen ist.   

Herr Dr. Scholles, herzlichen Dank für das Gespräch!

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