Allergisache Reaktionen Zahnbehandlungen

Prof. Dr. Hans Merk, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Aachen

Allergische Reaktionen bei Operationen und Zahnbehandlungen

Wie äußern sich denn die pseudoallergischen Reaktionen?

Die pseudoallergischen Reaktionen äußern sich praktisch genau so wie die allergischen Reaktionen, daher auch die Bezeichnung "pseudoallergisch". Nur der Mechanismus, der zu dieser Reaktion führt, ist ein anderer, er ist nicht IgE-vermittelt.

Gibt es einen Unterschied zwischen einer Allgemeinanästhesie, d.h. einer Vollnarkose und einer lokalen Anästhesie, wie z.B. beim Zahnarzt?

Bei der lokalen Anästhesie und auch beim Zahnarzt werden andere Mittel eingesetzt, vornehmlich Lokalanästhetika. Hier kann es ebenfalls zu echten allergischen Reaktionen kommen, die allerdings sehr selten sind. Bei den meisten Patienten ist eine Unverträglichkeitsreaktion auf Lokalanästhetika die Ursache von allergieähnlichen Symptomen, die allerdings auch psychisch überlagert sein können. Das soll nicht heißen, dass diese Reaktionen nicht ernst zu nehmen sind. Diese psychischen Reaktionen können zu erheblichen Problemen, wie z.B. einem Kreislaufkollaps führen. Es gibt sogar Beispiele für Folgezustände wie das hirnorganische Syndrom bei dem die Patienten einen gefährlichen Sauerstoffmangel durchmachen. Es handelt sich also um sehr ernstzunehmende Reaktionen, auch wenn sie zum Teil durch eine psychische Überlagerung bedingt sind.

 

Auch bei der lokalen Anästhesie sollte man allerdings Latex als potenzielle Allergenquelle in Erwägung ziehen.

Was ist bei Operationen zu beachten, wenn das auslösende Allergen bekannt ist?

Bei der Allgemeinanästhesie ist es möglich, das Allergen zu meiden. Man kann z.B. Operationen in einem latexfreien Bereich durchführen oder Anästhetika verwenden, die das Konservierungsmittel Chlorhexidin nicht enthalten.

Bei Muskelrelaxantien wird es etwas schwieriger, wenn es sich um eine Pseudoallergie handelt, denn dann muss man mit allergischen Reaktionen auf alle Muskelrelaxantien rechnen. Man kann in diesen Fällen jedoch gezielt mit Antihistaminika und Glukokortikoide, d.h. mit antiallergisch wirkenden Medikamenten vorbehandeln. Unter dem Schutz der Antihistaminika ist die Gabe von Muskelrelaxantien in der Regel bei pseudoallergischen Reaktionen möglich.

Handelt es sich hingegen um eine IgE-vermittelte, also um eine "echte" Allergie auf Muskelrelaxantien, gilt es herauszufinden, welches Muskelrelaxans verträglich ist.

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Herr Prof. Merk, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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