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Allergie Zahnmaterialien Häufigkeit Symptome

Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl über Allergie auf Zahnmaterialien: Häufigkeit & Symptome!

Allergie auf Zahnmaterialien: Häufigkeit & Symptome

Dass man auch auf Zahnmaterialien eine Allergie entwickeln kann, wissen viele nicht. Dabei ist das gar nicht so selten. Gleiches gilt für die ausgesprochen vielfältigen Symptome. Welche Symptome können auftreten und was weiß man über die Häufigkeit dieser Allergie? Antworten gibt der Münchner Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl im Gespräch mit MeinAllergiePortal.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Univ.-Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl, www.dentaltox.com

Herr Prof. Reichl, was weiß man über die Häufigkeit von Allergien oder Unverträglichkeiten auf Zahnmaterialien?

Wir führen Statistiken und können daher sagen, dass bei 50 Prozent der Patienten, die glauben ihre Symptomatik komme vom Zahnmaterial, wirklich eine Allergie oder Unverträglichkeit auf ein Zahnmaterial vorliegt. Betroffen sind aber nicht nur Patienten, sondern auch Beschäftigte in der Zahnmedizin, wie Zahnärzte und zahnärztliches Personal. Hier sehen wir, dass die Allergien auf Inhaltsstoffe von Zahnkunststoffmaterialien, wie zum Beispiel den Methacrylaten, zunehmen. Methacrylate sind in Zahnkunststoffen enthalten und haben ein hohes allergisches Potenzial. Diese Methacrylate können bei Patienten aus Kunststoff-Füllungen freigesetzt, verschluckt werden und dann in den Körper gelangen. Aber auch beim Zubereiten/Verarbeiten/Schleifen von zahnärztlichen Kunststoffen durch Zahnärzte oder das Personal können diese Methacrylate in die Luft kommen und über die Lunge eingeatmet werden. Sie führen dann zur Zunahme von Atemwegserkrankungen wie Asthma, auch bei Zahnärzten und dem zahnärztlichen Personal.

Dazu gibt es auch ausgezeichnete Studien zu diesen Atemwegserkrankungen (z.B. Asthma) bei Beschäftigten in der Zahnmedizin, ausgelöst durch Methacrylate: Hier hat man in einer bestimmten Region in Finnland von 1975 bis 1989 - immerhin 15 Jahre - nur zwei solcher Fälle bei Zahnärzten/Personal gefunden. Von 1990 bis 1998 - also in einem Zeitraum von nur 9 Jahren im Anschluss - waren es schon 62 Fälle.

Es gibt noch deutlichere Studien, die vorwiegend aus nordischen Ländern stammen. Dort wurde schon sehr früh auf die ausschließliche Verwendung von Zahnkunststoffen umgestellt:

Zahnärzte: 1996 entwickelten 1,5 Prozent der Zahnärzte in Dänemark eine allergische Reaktion gegen Methacrylate - 2007 waren es schon vier Prozent.

Zahnärztliches Personal:  1999 entwickelten drei Prozent des zahnärztlichen Personals in skandinavischen Ländern eine Methacrylatallergie - 2007 waren es schon fünf Prozent.

Zahnpatienten: 1996 reagierten nur 0,2 Prozent der Zahnpatienten in skandinavischen Ländern auf Methacrylate - 2006 waren es schon 2,3 Prozent, also eine Zunahme um fast das Zwölffache innerhalb von zehn Jahren. Heute reagieren fast vier Prozent der Zahnpatienten auf Methacrylate, Tendenz steigend.

Wer ist besonders gefährdet, eine Allergie auf Zahnmaterialien zu entwickeln?

Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Allergie/Unverträglichkeitsreaktionen auf Zahnmaterialien bzw. deren Inhaltsstoffe und bereits bestehenden Allergien. Jemand, der schon viele andere Allergien hat, z.B. gegen Pollen, Lebensmittel, hat auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass er gegen Zahnmaterialien reagiert.

Welche Symptome kann man haben, wenn man eine Allergie oder eine Unverträglichkeit auf Zahnmaterial hat?

Die meisten Patienten kommen zu uns, weil sie Symptome haben, deren Ursache sich nicht finden lässt. Oft haben diese Patienten schon viele Arztbesuche der verschiedensten Fachdisziplinen hinter sich. Diese Symptome sind sehr vielfältig und reichen von Hautreaktionen bis zu psychosomatischen Geschehen. Meist sehen wir bei Allergien auf Zahnmaterial sogenannte „sichtbare Symptome“, das heißt äußerliche Reaktionen.

Im Mund kann es bei einer Allergie oder Unverträglichkeit auf Zahnersatz bzw. Zahnmaterialien zu folgenden Symptomen kommen:

  • Periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag)
  • Lingua plicata (Faltenzunge)
  • Lingua geographica (Landkartenzunge)
  • Lichenoide Reaktionen (Entzündungen der Haut und/oder Schleimhaut)

Weitere Symptome bei einer Allergie oder Unverträglichkeit auf Zahnmaterialien sind, in abnehmender Häufigkeit:

  • allgemeine Schwäche
  • Ermüdung
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Seh- und Hörstörungen
  • Schwindel
  • Reizbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Durchfälle
  • Haarausfall u.a.

Solche Symptome treten bei mehr als 50 Prozent der Patienten auf, die Zahnmaterialien nicht vertragen. Aber: Viele Patienten wissen gar nicht, dass für Symptome, die sie schon seit Jahren oder Jahrzehnten quälen, das Zahnmaterial die Ursache sein kann.

Gehört zu den Symptomen einer Allergie oder Unverträglichkeit auf Zahnersatz bzw. Zahnmaterialien auch eine erhöhte Entzündungsneigung?

Das zeigt sich bei vielen Patienten, die das Zahnmaterial nicht vertragen. Typische Symptome sind hier: Die periorale Dermatitis und/oder lichenoide Reaktionen. Das geht sogar so weit, dass in vielen Fällen Beschwerden wie Zahnfleischbluten und einige Arten von Entzündungen auf eine Unverträglichkeit oder Allergie auf Zahnmaterialien zurückzuführen sind.

Können auch Magen-Darm-Beschwerden auf eine Zahnmaterial-Unverträglichkeit oder Allergie zurückzuführen sein?

Auch Symptome im Magen-Darm-Bereich sind bei einer Allergie auf Zahnmaterialien möglich. Womöglich haben auch bestimmte Formen des Reizdarm-Syndroms ihren Ursprung in einer Allergie auf Zahnmaterialien.

Wir wissen heute genau, welche Inhaltsstoffe, in welchen Mengen und in welcher Zeit aus den Zahnmaterialien freigesetzt werden. Diese Stoffe können mit dem Speichel verschluckt werden, in den Magen-Darm-Trakt gelangen und dort resorbiert werden. Hier können sie eine Reihe von Symptomen, einschließlich der Magen-Darm-Probleme, auslösen.

Wir sind die einzige Institution weltweit, die eine klare Diagnose bei Patienten stellen kann, ob ein Zahnmaterial die Ursache für eine bestehende Symptomatik, einschließlich von Magen-Darm-Problemen, sein kann oder nicht. Wenn das Zahnmaterial entfernt und ein verträgliches Material eingesetzt wird, verschwinden in den meisten Fällen solche Symptomatiken.

Wenn 50 Prozent Ihrer Patienten tatsächlich eine Allergie oder Unverträglichkeit auf Zahnmaterialien haben, was ist mit der anderen Hälfte?

Tatsächlich kommen zwar viele Patienten zu uns, weil sie Symptome haben, nachdem sie ein Zahnmaterial appliziert bekommen haben. Nicht immer sind jedoch die Zahnmaterialien die Übeltäter. Manche Patienten sind dann enttäuscht, weil sie ihre ganze Hoffnung in die Zahnmaterialen als Ursache gesetzt haben. Aber in Wirklichkeit ist ein solches Ergebnis ja sehr positiv, denn man spart viel Geld, Zeit und Schmerzen, wenn die Zahnmaterialien nicht entfernt und/oder erneuert werden müssen.

Aber auch nach einer „negativ“-Diagnose lassen wir die Patienten nicht im Stich. Wenn wir feststellen, dass nicht das Zahnmaterial für die bestehenden Symptome verantwortlich ist, vermitteln wir die Patienten an die entsprechenden Fachdisziplinen – unser Zentrum ist deshalb ein interdisziplinäres Beratungszentrum. Die Patienten werden von uns weiterbegleitet und wir sagen, was dann zu tun ist. Wir begleiten die Patienten so lange, bis es ihnen besser geht und ihre Symptomatik verschwunden ist.

Herr Prof. Reichl, herzlichen Dank für dieses Gespräch! 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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