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ASIT beim Kind

Dr. Michael Gerstlauer zum Thema: wann ist eine allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) beim Kind sinnvoll?

ASIT beim Kind: Wann ist sie sinnvoll?

Bei einem allergischen Schnupfen bzw. einer allergischen Rhinokonjunktivitis werden häufig nur die Symptome therapiert. Dabei ist es gerade bei Kindern noch sehr gut möglich, auch die Ursachen der Erkrankung zu behandeln. Zur Verfügung steht die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT), auch als Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung bezeichnet. Aber: Wann ist sie sinnvoll? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Michael Gerstlauer Oberarzt, Kinderpulmologie und –allergologie am Universitätsklinikum Augsburg.

Herr Dr. Gerstlauer, wann kommt die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) für Kinder denn überhaupt in Frage?

Immer dann, wenn wir bei einem Patienten die Beschwerden ganz klar einem Allergen, meistens sind das Eiweiße, bzw. einer Allergie auslösenden Substanz zuordnen können, kann eine allergenspezifische Immuntherapie in Erwägung gezogen werden. Das gilt zum Beispiel immer dann, wenn man ganz eindeutig sagen kann: Das Kind hat während der Birkenpollen-Saison oder während der Gräserpollensaison Beschwerden.

Welche Beschwerden sprechen dafür, beim Kind eine Hyposensibilisierung durchzuführen?

Mit „Beschwerden“ meine ich Symptome im Sinne einer allergischen Rhinokonjunktivitis oder im Sinne eines Asthmas. Zur Bestätigung, dass es sich tatsächlich um eine Allergie handelt, wird ein Allergietest durchgeführt. Das kann ein Prick-Test an der Haut sein, das kann aber auch eine Blutentnahme mit Bestimmung des spezifischen IgEs sein. Passt beides gut zusammen, sollte der pädiatrische Allergologe zusammen mit den Eltern über eine Hyposensibilisierung, also eine allergenspezifische Immuntherapie, nachdenken.

Gibt es weitere Voraussetzungen für die allergenspezifische Immuntherapie bei Kindern?

Natürlich ist die Bereitschaft der Familie eine wichtige Voraussetzung für die ASIT. Die Behandlung dauert drei Jahre und das bedeutet, dass die Familie sich auf eine sehr lange Therapiedauer einlassen muss. Zudem hat die Therapie natürlich auch gewisse Auswirkungen: Wenn man eine subkutane Immuntherapie durchführt, dann gibt’s „Pikser“, vergleichbar mit einem Mückenstich. Entscheidet man sich für eine sublinguale Immuntherapie, nimmt man regelmäßig Tropfen oder Tabletten ein, die man dann unter der Zunge zergehen lassen muss. Das bedeutet, dass man jeden Tag daran denken muss, die Medikamente einzunehmen, und dass dies in den Alltag integriert werden muss. Außerdem kann es bei einer sublingualen Immuntherapie am Anfang auch unter der Zunge jucken.

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Ab welchem Alter kommt die allergenspezifische Immuntherapie bei Kindern in Frage?

In der Regel sollte man bei Kindern frühestens ab einem Alter von fünf Jahren an eine ASIT denken. Es gibt Ausnahmefälle, zum Beispiel bei Kindern mit Insektengiftallergien, die stark reagiert haben. In diesen Fällen sollte man die Hyposensibilisierung auch schon vor dem fünften Lebensjahr durchführen.

Und was kann man bei Kindern mit der Hyposensibilisierung erreichen?

Durch die ASIT kann man eine deutliche Besserung der Symptome erreichen. Zudem ist die Wirksamkeit einer Hyposensibilisierung deutlich weitreichender als eine rein symptomatische Therapie, weil sie das Immunsystem moduliert. Wenn ein Kind zum Beispiel bei einer allergischen Rhinokonjunktivitis immer nur mit Antihistaminika, Nasensprays oder Augentropfen behandelt wird, kann dies zwar die Symptome lindern, nicht aber die Ursache, nämlich die allergische Reaktion an sich. Mit der ASIT wird das Immunsystem langsam an das auslösende Allergen „gewöhnt“ und dadurch wirkt die Behandlung deutlich besser als die symptomatische Therapie.

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Bedeutet das, dass eine allergenspezifische Immuntherapie für ein Kind besser ist als eine medikamentöse Therapie?

Nein, es geht nicht darum, entweder eine symptomatische Therapie oder eine allergenspezifische Immuntherapie einzusetzen, um ein Kind mit bestimmten Allergien zu behandeln. Letztendlich sollte man beide Therapien parallel einsetzen, da sie sich ergänzen. Wichtig ist es zu erreichen, dass für die Kinder und für die Jugendlichen deutlich weniger Leidensdruck besteht, zum Beispiel während des Pollenflugs. Dann sind die Kinder und Jugendlichen wacher, können sich in der Schule deutlich besser konzentrieren und schreiben – das ist wissenschaftlich bewiesen – bessere Noten.

Das heißt, die Kinder sind durch die ASIT wahrscheinlich eher symptomfrei, auch wenn sie trotzdem die symptomatische Therapie beibehalten müssen?

Genau! Es ist durchaus möglich, dass das Kind unter der ASIT die symptomatische Therapie beibehalten muss. Aber: Die Patienten bzw. die Familien dürfen natürlich zu Recht erwarten, dass das Kind dann bei der symptomatischen Therapie weniger Medikamente benötigt. So ist zum Beispiel für Kinder mit Asthma nachgewiesen, dass sie durch die ASIT mit geringeren Dosen an inhalativem Kortison auskommen und dennoch ist ihre Asthma-Symptomkontrolle insgesamt besser. Konkret bedeutet das: Man kann den Eltern nicht versprechen, dass ihr asthmakrankes Kind gar kein Asthmaspray mehr benötigt. Aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Kind mit weniger Medikamenten und einer niedrigeren Kortisondosis deutlich besser zurechtkommen. Auch eine insgesamt bessere Lebensqualität sollte möglich sein.

Und: Ganz unabhängig davon haben wir mit der ASIT die Ursache behandelt: die Allergie. Es entsteht eine Toleranz beim Patienten und langfristig beeinflussen wir die Allergiker-Karriere des Kindes positiv, indem wir zumindest das Risiko einer Asthmaentwicklung verringern können. Bei einem Kind im Alter von fünf oder sechs Jahren, das an einer Rhinokonjunktivitis leidet und bei dem es in der Familie eine Asthmabelastung gibt, kann man mit einer spezifischen Immuntherapie die Chancen verbessern, dass es nicht zu einem Asthma kommt. Garantiert ist das nicht, aber man kann die Chancen verbessern!

Herr Dr. Gerstlauer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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