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Laktoseintoleranz Kind Diagnose

Dr. Annette Brunert zum Thema: Laktoseintoleranz beim Kind: Wie erfolgt die Diagnose?

Laktoseintoleranz beim Kind: Wie erfolgt die Diagnose?

Bauchschmerzen, Durchfälle, Blähungen, Übelkeit – diese Symptome können auftreten, wenn ein Kind eine Laktoseintoleranz hat. Aber auch andere Erkrankungen zeigen sich durch diese Symptome. Wie also erfolgt die Diagnose einer Laktoseintoleranz oder Milchzuckerunverträglichkeit beim Kind? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret.

Frau Dr. Brunert, wie gehen Sie vor, wenn Sie bei einem Kind eine Laktoseintoleranz vermuten?

Da kleine Kinder ihre Symptome oft nicht klar eingrenzen oder beschreiben können und die Eltern auch nur Rückschlüsse aus ihren Beobachtungen ziehen können, gilt es bei Kindern zu objektivieren, wie stark die Beschwerden sind und wie häufig sie tatsächlich auftreten. Dafür stehen entsprechende Untersuchungen zur Verfügung.

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Wie wird die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind gestellt?

Man stellt die Diagnose Laktoseintoleranz beim Kind mit einem H2-Atemtest. Wenn das Enzym Laktase fehlt bildet sich beim Abbau der Laktose im Dickdarm Wasserstoff. Dieser Wasserstoff gelangt durch die Darmwand ins Blut und schließlich über den Gasaustausch in der Lunge in die Ausatemluft. So ist es möglich, den Wasserstoff-Gehalt in der Ausatemluft zu messen und somit ist in den meisten Fällen eine eindeutige Diagnose der Laktoseintoleranz gestellt.

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Wie funktioniert der H2-Atemtest auf Laktoseintoleranz genau und wie geeignet ist er für Kinder?

Der H2-Atemtest ist ein für Kinder sehr gut geeigneter Test.

Als erstes wird beim Kind die aktuelle Konzentration des Wasserstoffs in der Ausatemluft gemessen. Diese sollte nicht höher als 10 ppm (parts per million) betragen. Dann werden die Kinder mit Laktose bzw. Milchzucker belastet. Das bedeutet, sie erhalten innerhalb von ca. 10 bis 15 Minuten und angepasst an ihr Gewicht, Laktose in eine Flüssigkeit aufgelöst. Dann wird jeweils nach 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft kontrolliert. So sieht man deutlich, ob es zu einem Anstieg des Wasserstoffgehaltes kommt.


Warum ist es wichtig, ab wann es zu einem Anstieg des Wasserstoffgehaltes in der Ausatemluft des Kindes kommt?

Kommt es im Verlauf des H2-Atemtestst sehr früh zu einem Anstieg von Wasserstoff in der Ausatemluft des Kindes, ist dies ein Hinweis darauf, dass eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarmes mit bestimmten Bakterien vorliegen könnte.

Kommt es erst ab etwa 90 Minuten zu einem Anstieg des Anteils von Wasserstoff in der Atemluft von über 20 ppm, spricht man von einem auffälligen Atemtest und kann die Diagnose Laktoseintoleranz stellen.

Allerdings setzt dies voraus, dass diese Testergebnisse auch mit Symptomen einhergehen. Liegt der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft über 20 ppm und das Kind hat in diesem Moment gar keine Symptome, kann man nicht von einer Laktoseintoleranz ausgehen, denn beim H2-Atemtest werden sehr große Mengen Laktose verabreicht.

Allerdings, es gibt auch die sogenannten „Non Producer“.

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Sie sagten, beim H“-Atemtest sei ein sehr früher Anstieg von Wasserstoff ein Hinweis auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms. Warum ist das so?

Wenn es bei einem H2-Atemtest schon bei sehr geringen Laktose-Dosen zu einem Anstieg von Wasserstoff in der Atemluft kommt, ist diese ein Hinweis darauf, dass bestimmte Bakterien bereits im Dünndarm und nicht erst im Dickdarm auf die Laktose reagieren. Im Dünndarm kommt es aber durch Laktose üblicherweise nicht zur Gasbildung und damit zu Symptomen, denn hier befindet sich ja das laktoseabbauende Enzym Laktase. Wenn sich in den oberen Dünndarmabschnitten aber Bakterien angesiedelt haben, die dort üblicherweise nicht vorhanden sein sollten, können sie bereits an dieser Stelle auf die Laktose mit Gasbildung reagieren.

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Was tut man, wenn man im Zuge des H2-Atemtests beim Kind eine Fehlbesiedlung des Dünndarms feststellt?

Dann kann man mit einer Stuhluntersuchung untersuchen, ob die Fehlbesiedlung so relevant ist, dass eine Antibiotika-Therapie angeraten ist. Möglicherweise kann es aber auch ausreichen, mit „guten“ Darmbakterien zu arbeiten.

Die Fehlbesiedlung, die eine sekundäre Laktoseintoleranz ausgelöst hat, kann die Folge einer anderen Grunderkrankung sein. Eine mögliche Grunderkrankung wäre zum Beispiel eine Zöliakie, eine chronisch entzündlichen Darmerkrankung oder eine Magen-Darm-Infektion.

Das gute ist jedoch, dass die sekundäre Laktoseintoleranz verschwindet, wenn man die Grunderkrankung therapiert. Bei auffälligen H2-Atemtests sollte deshalb stets immer abgeklärt werden, ob eine solche Grunderkrankung vorliegt.


Sie erwähnten auch, dass es beim H2-Atemtest „Non Producer“ gibt…

„Non Producer“ sind Patienten, die keinen Wasserstoff im Darm bilden. So kann es sein, dass ein H2-Atemtest auf Laktoseintoleranz negativ ausfällt, obwohl die Erkrankung vorhanden ist. Die Laktoseintoleranz ist in diesem Fall nicht mit einem H2-Atemtest messbar.

Besteht ein sehr dringender Verdacht auf Laktoseintoleranz, ist es mögliche einen Atemtest mit Lactulose durchzuführen. Lactulose ist ein komplexes Kohlenhydrat, welches im Darm in Fruktose und Galactose aufgespalten wird. Dabei wird Lactulose nicht resorbiert, sondern gelangt immer in den Dickdarm und bildet dort Wasserstoff. Wenn das Kind auch nach dem Test mit Lactulose keinen Wasserstoff in der Ausatemluft hat, handelt es sich um einen „Non Producer“. Dann war der H2-Atemtest mit Laktose „falsch negativ“.

Alternativ zu allen Tests kann man natürlich auch eine diagnostische Auslassdiät durchführen, bei der auf Laktose verzichtet wird.

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Wie würde die laktosefreie Auslassdiät zur Diagnose einer Laktoseintoleranz beim Kind durchgeführt?

Bei einer laktosefreien Auslassdiät müsste die Familie zwei Wochen lang Laktose konsequent aus dem Speiseplan des Kindes streichen oder ersatzweise laktosefreie Produkte wählen. Dafür muss die Familie sehr gut beraten werden, damit es nicht versehentlich zum Verzehr von Laktose kommt – Laktose versteckt sich in vielen Produkten. Kommt es nach zwei Wochen zu einer deutlichen Besserung der Symptome, ist von einer Laktoseintoleranz auszugehen.

Zwar kann man mit der Auslassdiät die Erkrankung nicht so eindeutig nachweisen, wie mit dem H2-Atemtest. Sie ist aber für sehr kleine Kinder, die es noch nicht schaffen, die für den Test nötige Laktosemenge von 300 ml in dem dafür vorgesehenen Zeitrahmen zu trinken, eine gute Alternative.

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Frau Dr. Brunert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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