Ernährung Kind Kuhmilchallergie

Mandy Ziegert zur richtigen Ernährung für Kinder mit Kuhmilchallergie!

Kuhmilchallergie beim Kind: Die richtige Ernährung

Die Kuhmilchallergie ist eine Allergie, die im Säuglingsalter auftritt, in der Regel nach der ersten oder zweiten Milchmahlzeit. Deshalb bemerkt man eine Kuhmilchallergie meist erst dann, wenn auf Flaschennahrung umgestellt wird. Was müssen die Eltern beachten, wenn ihr Kind eine Kuhmilchallergie hat? Mein Allergie Portal sprach mit Mandy Ziegert, Medizinische Ernährungsberaterin, DRK Kliniken Berlin über die Kuhmilchallergie beim Kind und die richtige Ernährung.

Frau Ziegert, was dürfen Kinder bzw. Säuglinge nicht mehr essen, wenn sie eine Kuhmilchallergie haben?

Kuhmilch, aber auch alle Produkte, die aus Kuhmilch hergestellt werden, dürfen Kinder mit Kuhmilchallergie nicht essen.

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Sind andere Milchen, zum Beispiel Ziegenmilch oder Schafsmilch, für kuhmilchallergische Kinder besser verträglich?

Wenn ein Kind eine Kuhmilchallergie hat, ist die Milch von Ziegen oder Schafen ebenfalls nicht geeignet. Das Eiweiß der Kuhmilch stimmt mit dem der Schafsmilch oder Ziegenmilch zu 90 Prozent überein, und ist somit das auslösende Allergen. Das bedeutet, Kinder mit Kuhmilchallergie reagieren auch auf Ziegenmilch oder Schafsmilch allergisch.

Führt auch die Muttermilch für Kinder mit Kuhmilchallergie zu allergischen Symptomen?

Wenn es sich um eine klassische Kuhmilchallergie handelt, vertragen die Kinder die Muttermilch. Allerdings gibt es eine Sonderform der Kuhmilchallergie, bei der die Kinder manchmal auch die Muttermilch nicht vertragen. Diese Form der Kuhmilchallergie ist jedoch sehr selten.

Was können die Eltern kuhmilchallergischer Kinder als Milchersatz anbieten?

Da eine Kuhmilchallergie bei einem Säugling in der Regel im Alter von fünf bis sechs Monaten diagnostiziert wird, weil dann der erste Brei oder die erste Flasche gegeben wird, wird man zur Ernährung der Säuglinge auf Spezialnahrungen zurückgreifen. Extensiv hydrolysierte Nahrungen sind solche Spezialnahrungen.


Woraus bestehen hydrolisierte Nahrungen für Säuglinge mit Kuhmilchallergie?

Bei diesen Nahrungen wird durch die Hydrolyse das Eiweiß der Milch in winzige Partikel gespalten. Diese können deshalb keine allergischen Reaktionen mehr auslösen. Das Milcheiweiß muss also eine bestimmte Größe unterschreiten, damit das Immunsystem es nicht mehr als Allergen erkennen kann.

Es gibt aber auch Nahrungen, deren Eiweißbestandteil nur noch aus Aminosäuren besteht, die sogenannten Aminosäurenahrungen bzw. Elementardiäten.

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Und woraus bestehen Aminosäurenahrungen bzw. Elementardiäten für Säuglinge mit Kuhmilchallergie?

Das Eiweiß bei diesen Spezialnahrungen besteht nur noch aus den Aminosäuren. Der Gehalt an Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen ist jedoch identisch mit der klassischen, milchhaltigen Säuglingsnahrung. Aminosäurenahrungen sind vollwertige Ersatznahrungen, allerdings schmecken sie anders, als reguläre Säuglingsnahrung.

Wo bekommt man extensiv hydrolisierte Nahrungen bzw. Aminosäurenahrungen/Elementardiäten?

Extensiv hydrolysierte Nahrungen und Aminosäurenahrungen werden vom Arzt verordnet, wenn die Diagnose Kuhmilchallergie gestellt ist. Sie sind dann auf Rezept in der Apotheke erhältlich.
Diese Nahrungen darf man jedoch nicht mit den HA = hypoallergene Nahrungen verwechseln. HA = Hypoallergene Nahrungen sind rezeptfrei und somit in vielen Drogerien erhältlich, aber nicht bei einer diagnostizierten Kuhmilchallergie geeignet.

Es gibt ja mittlerweile auch sehr viele Milchersatzdrinks auf Pflanzenbasis, zum Beispiel Sojadrink, Mandeldrink, Haferdrink, Kokosdrinks etc. Sind diese ein geeigneter Ersatz für Kinder mit Kuhmilchallergie?

Im Säuglingsalter würde man Drinks aus Soja, Mandeln, Hafer, Reis etc. keinesfalls verwenden. Diese Drinks stellen die Nährstoffversorgung des Säuglings nicht sicher.

Ab dem ersten Lebensjahr kann man kuhmilchallergischen Kindern Sojadrinks anbieten. Allerdings nicht unter dem ersten Lebensjahr, weil Soja eventuell in den Hormonhaushalt eingreift und eine hormonverändernde Wirkung haben könnte. Abschließend geklärt ist dies aber noch nicht, dies ist lediglich eine präventive Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung


Könnte es bei kuhmilchallergischen Kindern durch Sojadrink auch zu einer Sojaallergie kommen?

Das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, steigt, je früher man dem Kind Soja anbietet. Zum Beispiel ist das Risiko vor dem 6.Lebensmonat größer als nach dem zwölften Lebensmonat und Soja steht im „Allergieranking“ häufiger Allergene auf Platz 5.

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Sind die pflanzlichen Drinks aus Hafer, Reis, Mandeln und Kokos empfehlenswert für Kinder mit Kuhmilchallergie?

Diese Drinks sind keine vollwertige Ersatznahrung für Säuglinge, denn die darin enthaltenen Eiweiße sind nicht hochwertig genug. Auch die Vitamine und Mineralstoffe entsprechen bei diesen Drinks, anders als bei den Spezialnahrungen, nicht dem Bedarf von Kindern in diesem Alter.

Ab einem Alter von etwa 12 Monaten kann man diese Drinks nutzen. Die Kinder kommen dann schon in den Genuss eines breiteren Nahrungsangebotes, mit Getreide, Obst, Gemüse, Fleisch etc.., so dass auch andere Eiweißquellen zur Verfügung stehen. Auch die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist dann eher gesichert. Dann kann man den kuhmilchallergischen Kindern die Drinks zur Zubereitung von Speisen oder als zusätzliches Getränk geben.

Meist ist den Drinks Kalzium zugesetzt, das neben Eiweiß und den B-Vitaminen, eines der wichtigsten Inhaltsstoffe der Milch ist. Dennoch kann man den Nährstoffgehalt der Drinks mit der der Kuhmilch nicht vergleichen. Diesbezüglich hochwertiger sind eher Sojadrinks, da sie hochwertiges Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Sind laktosefreie Produkte für Kinder mit Kuhmilchallergie geeignet?

Laktosefreie Produkte sind für Menschen mit Laktoseintoleranz gedacht. Eine Laktoseintoleranz ist jedoch eine völlig andere Erkrankung, als eine Kuhmilchallergie. Bei einer Laktoseintoleranz besteht ein Enzymmangel. Dieser Enzymmangel bewirkt, dass die Laktose (=Milchzucker), die in der Nahrung vorhanden ist, nicht aufgespalten wird.

Bei Säuglingen findet man eine Laktoseintoleranz eher selten. Mit zunehmendem Alter kann auch bei Kindern eine Laktoseunverträglichkeit vorkommen.

Was ist für die Eltern noch wichtig zu wissen, wenn ihr Kind eine Kuhmilchallergie hat?

Bei bestehender Kuhmilchallergie ist eine Eliminationsdiät angeraten. Das bedeutet, dass Milch und Milchprodukte für 12 bis 18 Monate aus dem Speiseplan des Kindes eliminiert werden. Bei Säuglingen unter 12 Monaten würde man die Milch durch die erwähnten Spezialnahrungen ersetzen.

Nach einer therapeutischen Eliminationsdiät von 12 bis 18 Monaten wird erneut getestet, ob die Kuhmilchallergie noch besteht. Ca. 80 Prozent der Kinder verlieren die Kuhmilchallergie bis zum Schulalter.

Frau Ziegert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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