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Neurodermitis Kind Juckreiz

Neurodermitis beim Kind: Was tun gegen den Juckreiz?

Neurodermitis beim Kind: Was tun gegen den Juckreiz?

Wenn kleine Kinder oder gar Säuglinge von Neurodermitis betroffen sind, ist der Juckreiz oft das größte Problem. Bei Juckreiz fällt es auch Erwachsenen schwer, sich zu beherrschen, für kleine Kinder ist es fast unmöglich, das Kratzen zu verhindern, insbesondere im Schlaf. Was also tun gegen den Juckreiz?

Juckreiz durch Neurodermitis beim Kind: Wie kommt es dazu?

Der Juckreiz wird bei der Neurodermitis durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ausgelöst, berichtete Prof. Dr. med. Jens Malte Baron, D.A.L.M., Leitender Oberarzt an der Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik, Universitätsklinikum Aachen im Interview mit MeinAllergiePortal 1). Dabei kommen eine epidermale Barrierestörung, hochregulierte Immunkaskaden und der Aktivierung von Strukturen im zentralen Nervensystem zusammen. Es gibt also nicht nur eine Ursache des Juckreizes.

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Juckreiz bei Kindern mit Neurodermitis: Wie verhindert man ihn?

Eine wichtige Rolle bei der Vermeidung von Juckreiz spielt die Basispflege, so Nina Höhn, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Neurodermitis- und Asthmatrainerin in Hannover 2) Dabei gilt es, die trockene Haut der Kinder bzw., die gestörte Hautschutzbarriere zu stärken. Die Basispflege ist quasi eine Schutzschicht für die empfindliche Haut von Kindern mit Neurodermitis.

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Mit Basispflege gegen den Juckreiz bei Kindern mit Neurodermitis!

Wichtig bei der Basispflege ist das regelmäßige Cremen, jeden Morgen und jeden Abend. Dabei sollte es keine Rolle spielen, in welchem Zustand sich die Haut befindet, und man sollte nicht auf die Basispflege verzichten, bloß weil die Haut gut aussieht.


Die richtige Creme gegen den Juckreiz: Welche Produkte gibt es?

Welche Creme einem Kind mit Neurodermitis am besten gegen den Juckreiz hilft, ist individuell verschieden. Das bedeutet, es müssen verschiedene Produkte ausprobiert werden, auch abhängig von der Jahreszeit.

Es gibt Salben, Cremes und Lotionen, die sich nach ihrem Fettgehalt bzw. Wassergehalt unterscheiden.

1. Salben: Salben haben einen sehr hohen Fettgehalt. Wie Öle, die nur aus Fett bestehen, können Salben zu vermehrtem Schwitzen und einer verstärkten Entzündungsreaktion führen.

2. Cremes: Cremes sind Emulsionen, die sich aus Wasser und Fett zusammensetzen. Das Eincremen mit Cremes gelingt besser, als mit Salben, weil sie sich gut verteilen lassen und leichter einziehen.

3. Lotionen: Der Wasseranteil von Lotionen ist höher als der von Cremes. Deshalb ziehen sie noch schneller ein, als Cremes. Der Nachteil: Sie sind auch nicht so rückfettend wie Cremes.

Nina Höhn empfiehlt pH-Haut-neutrale Produkte ohne Zusätze von Substanzen, die Allergien auslösen können, wie z.B. Wollwachsalkohol (Wollwachs, Lanolin), Cetylstearylalkohol, Konservierungs-, Duft- und Farbstoffe.

Außerdem kann es nötig sein, die Basispflege je nach Jahreszeit zu verändern. Im Winter sollte die Basispflege einen höheren Fettanteil als im Sommer haben, um die Haut vor der Kälte zu schützen. Vor einem Aufenthalt im Freien sollten die exponierten Körperpartien zusätzlich eingecremt werden.

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Verträglichkeit der Creme für Kinder mit Neurodermitis: Wie testen?

Dazu meint Nina Höhn „Da die Hauterscheinungen meistens symmetrisch ausgeprägt sind, empfiehlt es sich, ein neues Produkt im Halbseitenversuch am Kind zu testen. Das bedeutet: z.B. der linke Arm des Kindes wird mit dem neuen Produkt eingecremt und der rechte Arm mit dem bereits bekannten Pflegeprodukt. Auf diese Weise kann gut erkannt werden, welches Produkt besser hilft. Und ein TIPP: Es lohnt sich, nicht nur die meist teuren Cremes und Reinigungsprodukte aus der Apotheke zu verwenden, sondern auch die verhältnismäßig günstigen Produkte aus der Drogerie oder dem Discounter auszuprobieren.

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Juckreiz beim Kind durch Neurodermitis: Wann hilft Kortison?

Dr. Katja Nemat, Fachärztin für Kinderpneumologie und Allergologie am Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt (Kid)und Mitglied des Vorstands beim Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V. (AeDA), sprach im Interview mit MeinAllergiePortal 3) über die Möglichkeiten einer proaktiven Neurodermitis-Therapie.

Unter einer proaktiven Therapie bei Neurodermitis versteht man eine niedrigdosierte Erhaltungstherapie. Das bedeutet, direkt im Anschluss an die Behandlung eines Schubs, wird der antientzündliche Wirkstoff regelmäßig, in der Regel zweimal in der Woche, weiter verwendet. So will man verhindern, dass es zu neuen Krankheitsschüben kommt.

Ein weiterer Vorteil: Durch den präventiven Einsatz des antientzündlichen Wirkstoffes kommt es seltener zu neuen Schüben. So lässt sich der Verbrauch von Wirkstoffen insgesamt deutlich reduzieren, obwohl man ihn vermeintlich ungezielter verwendet.

Kortisonhaltige Cremes bei Neurodermitis: Kann das dem Kind schaden?

Zwar sind lokale Nebenwirkungen bei Cremes mit Kortikoiden prinzipiell möglich, aber bei den modernen Kortikoiden ist das Risiko insgesamt sehr gering, so Dr. Nemat im Interview. Bei korrekter Anwendung moderner Kortikoide kann man lokale – ebenso wie systemische - Nebenwirkungen ausschließen.

Allerdings empfiehlt sie zu unterscheiden, um welche Art von Kortison es sich handelt, denn es gibt vier Generationen von Kortisonexterna. Bei Kortikoiden der vierten Generation wurde das Nebenwirkungs-Wirkungs-Verhältnis deutlich verbessert, so dass nur noch ein extrem geringes Risiko für lokale Nebenwirkungen besteht, vor allem für eine Hautatrophie, einer Verdünnung der Haut.

Zu einer solchen Verdünnung der Haut kann es kommen, wenn man ältere Kortisonsalben in hoher Dosis täglich ohne Unterbrechung und über einen längeren Zeitraum anwendet. Gerade an Stellen, an denen die Haut bei Kindern grundsätzlich dünner ist, z.B. an den Augenlidern, im Windelbereich bzw. im Genitalbereich. Hier besteht auch eine erhöhte Durchlässigkeit. Deshalb können dort bei exzessiver Anwendung von Kortisonexterna lokale Nebenwirkungen auftreten, insbesondere dann, wenn der eingecremte Bereich abgedeckt wird.

Juckreiz durch Neurodermitis: Wie verhindert man beim Kind das Kratzen?


Einem Kind das Kratzen zu verbieten, wenn die Haut juckt, ist fast unmöglich. Deshalb gilt es, den Schaden an der Haut so gering wie möglich zu halten.

„Man muss wissen, dass es einen Teufelskreis zwischen Juckreiz, Kratzen und der Entzündungsreaktion in der Haut gibt“ so Nina Höhn. Diesen Teufelskreis muss man unterbrechen, damit sich die Entzündungsreaktion nicht verstärkt.

Gegen den Juckreiz bei Neurodermitis empfiehlt Nina Höhn:

  • Die Fingernägel des Kindes so kurz und rund wie möglich schneiden
  • Bei Juckreiz mit gekühlten Cremes pflegen
  • Kälte mit einem Coolpack anwenden
  • Wärmestaus durch Kleidung und Bettzeug vermeiden
  • Größeren Kindern Kratzalternativen anbieten
  • Schwarzteeumschläge oder auch fett-feuchte Verbände anwenden
  • Etiketten aus der Kleidung entfernen
  • Auf kratzige Wollkleidung verzichten
  • Nach körperlicher Betätigung den Schweiß abduschen oder -baden

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Kratzalternativen bei Juckreiz: Was ist das?

Kratzen irritiert die neurodermitische Haut noch zusätzlich. Eine Kratzalternative kann deshalb eine Möglichkeit sein, den Juckreiz an einer gesunden Hautstelle „auszuleben“ und nicht an der tatsächlich juckenden Stelle.

Eine weitere Form der Kratzalternative ist es, nicht zu kratzen, sondern durch Klopfen, Reiben, Kneifen, Streicheln etc. den Juckreiz zu stillen, ohne die Haut zu schädigen.

„Sehr kleinen Kindern kann man keine Kratzalternativen anbieten, da sie den Zusammenhang noch nicht verstehen. Man kann versuchen, sie auf andere Art abzulenken, z.B. mit Fingerspielen und ihnen andere angenehme Körperempfindungen vermitteln, z.B. durch Massage, Streicheln, Cremen, Kühlen etc.“.

Mit Hilfe von Neurodermitis-Schlafanzügen, die teilweise von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, kann nächtliche Kratzen zumindest abgemildert werden. Die Ärmelenden sind verschließbar, so dass auch in der Nacht nur mit stoffbedeckten Händchen gekratzt werden kann. Auch Fäustlinge oder zugenähte Ärmel des Bodies erfüllen diesen Zweck.

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Quellen:

1) S. Jossé/M. Baron, „Neurodermitis - Juckreiz: Grundlagenforschung und neue Therapieansätze“, MeinAllergiePortal, 14.12. 2015,

" target="_self">https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/772-neurodermitis-juckreiz-grundlagenforschung-und-neue-therapieansaetze.html

2) S. Jossé/N. Höhn, S. Jossé, Neurodermitis beim Säugling und Kleinkind: Was hilft gegen den Juckreiz?, 9.11.2013, MeinAllergiePortal, https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/232-neurodermitis-beim-saeugling-und-kleinkind-was-hilft-gegen-den-juckreiz.html

3) S. Jossé/K. Nemat, „Neurodermitis: Proaktive Therapien mit antientzündlichen Wirkstoffen!“, 30.5. 2015, https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/623-neurodermitis-proaktive-therapien-mit-antientzuendlichen-wirkstoffen.html

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