Allergische Konjunktivitis, Bindehautentzündung

Prof. Dr. med. Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD).

Allergische Konjunktivitis: Was bedeutet „allergische Bindehautentzündung“?

Wenn die Pollen fliegen, läuft manchmal nicht allein die Nase. Auch die Augen tränen und jucken und diese Beschwerden sind ausgesprochen unangenehm. Wodurch kommt es zur Allergischen Konjunktivitis? Welche Beschwerden sind häufig, welche selten? Was hilft bei der allergischen Bindehautentzündung? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD).

Herr Prof. Geerling, welche Symptome kennzeichnen die allergische Konjunktivitis?

Bei einer allergischen Konjunktivitis kann es zu Juckreiz, Rötung des Auges, Lidschwellungen, Tränenträufeln und Schmerzen kommen.

Besteht eine chronische Erkrankung, z.B. bei einer Neurodermitis, können die bereits genannten Symptome in verstärkter Form auftreten. Zusätzlich kann die Lidkante rot, teilweise auch rissig und verdickt sein.

In ganz schlimmen Fällen kann es zu Einwachsen von Blutgefäßen in die Hornhaut kommen, was eine ernsthafte Bedrohung für das Sehen sein kann. Allerdings handelt es sich bei diesen Verläufen um besonders schwere Fälle und nicht um die klassische allergische Konjunktivitis.

Wodurch kann eine allergische Konjunktivitis ausgelöst werden?

Eine allergische Konjunktivitis kann durch Hausstaub, Milben oder Pollen, also durch Aeroallergene, ausgelöst werden.

Aber auch durch das Tragen von Kontaktlinsen kann es zu einer allergischen Konjunktivitis kommen. Ursache können Bakterienbestandteile, Pflegemittel oder Konservierungsstoffe in den Pflegemitteln sein. Diese können sich auf den Kontaktlinsen ablagern bzw. der häufige Kontakt dieser Substanzen mit dem Auge kann eine allergische Konjunktivitis auslösen.

Ein weiterer Grund für die Entstehung einer allergischen Konjunktivitis kann eine allgemeine Allergieneigung sein, z.B. wenn eine Neurodermitis besteht. Eine Neurodermitis kann sogar eine sehr schwere Form der allergischen Konjunktivitis auslösen. Die mit einer Neurodermitis einhergehenden Formen der allergischen Konjunktivitis gehören sogar zu den schlimmsten Formen. Dabei handelt es sich um eine chronische Erkrankung.

Auch mit Kontaktekzemen ist die allergische Konjunktivitis oft vergesellschaftet, d.h. Menschen mit einer allergischen Konjunktivitis entwickeln häufig Kontaktekzeme im Augenbereich.


Kommt es eigentlich immer dann zu einer allergischen Konjunktivitis wenn eine allergische Rhinitis besteht?

Nicht immer treten die allergische Konjunktivitis und die allergische Rhinitis zusammen auf. Es kommt nur in ca. 50 Prozent der Fälle zu einem gemeinsamen Auftreten der beiden Erkrankungen. Man spricht dann von einer allergischen Rhinokonjunktivitis. Dabei wird die Beeinträchtigung durch die Konjunktivitis von den Patienten oft als deutlich stärker einschränkend bewertet als durch die Rhinitis.

Kann es auch ohne Rhinitis zu einer allergischen Konjunktivitis kommen?

Ja, es ist möglich, eine allergische Konjunktivitis zu haben, ohne dass gleichzeitig eine allergische Rhinitis besteht. Allerdings haben die Patienten dann häufig den subjektiven Eindruck, auch an einer Rhinitis zu leiden, weil die auf Grund der Allergie vermehrt produzierten Tränen in die Nase ablaufen.

Der Patient stellt also fest, dass seine Nase "läuft", aber der Grund dafür ist nicht eine allergische Rhinitis, sondern eine allergische Konjunktivitis. Das Problem liegt dann also möglicherweise primär an den Augen.

Kann es auch bei Nahrungsmittelallergien zu einer allergischen Konjunktivitis kommen?

Wir sehen meist schwer atopische Patienten mit multiplen Allergien, deshalb lässt sich der Auslöser der allergischen Konjunktivitis oft kaum zuordnen.

Wie erfolgt die Diagnose bei der allergischen Konjunktivitis?

Die Diagnose der allergischen Konjunktivitis erfolgt zunächst klinisch, d.h. durch eine Untersuchung des Auges mit dem Spaltlampen-Mikroskop. Dabei zeigen sich in der Regel klassische Anzeichen einer allergischen Konjunktivitis.

In sehr speziellen Fällen, wenn die Allergie nicht eindeutig nachweisbar ist und meist im Rahmen von Studien, würde man versuchen, spezielle Entzündungsmarker im Tränenfilm nachzuweisen – also IgE-Antikörper in der Tränenflüssigkeit. In sehr, sehr seltenen Fällen kann dieser Nachweis auch über eine Biopsie erfolgen.

Heute kann man in spezialisierten Zentren auch eine sogenannte optische Biopsie durchführen. Mittels konfokaler Mikroskopie lassen sich Hornhaut oder Oberflächengewebe des Auges untersuchen und Entzündungszellen nachweisen. Die konfokale Mikroskopie liefert Ergebnisse, die denen einer regulären Biopsie zwar noch nicht völlig entsprechen, aber doch sehr nahe kommen können. Auch hier handelt es sich jedoch um eine Untersuchungsmethode, die man eher im Rahmen von Studien und in ganz speziellen Fällen einsetzt.


Gibt es Krankheitsbilder, mit denen man die allergische Konjunktivitis verwechseln könnte?

Krankheitsbilder, mit denen die allergische Konjunktivitis verwechselt werden könnte, sind das "Trockene Auge" oder andere chronische Bindehautreizungen, z. B. durch Augentropfen oder Medikamente. Außerdem gibt es noch die sogenannte "Augengrippe", Viruserkrankungen oder Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente, die sich durch ähnliche Symptome äußern können. Zu den Unverträglichkeitsreaktionen auf Medikamente gehören z.B. das Stevens-Johnson-Syndrom oder, als Maximalkomplikation, das Lyell-Syndrom.

Wie sieht die Therapie bei der allergischen Konjunktivitis aus?

Die erste Maßnahme zur Therapie einer allergischen Konjunktivitis ist die Allergenvermeidung, vorausgesetzt, dies ist möglich.

Weiter können Pflegemittel, d.h. Tränenersatzmittel auch für Allergiker durchaus hilfreich sein, denn sie spülen die Allergene und Entzündungszellen aus den Augen aus.

Bei Patienten, die an einer typischen Pollenallergie oder einer Hausstaubmilbenallergie leiden, geht man aktuell davon aus, dass die Behandlung durch eine Desensibilisierung bzw. Spezifische Immuntherapie (SIT) bei der allergischen Konjunktivitis hilfreich sein kann.

In diesen Fällen ist es auch sinnvoll, eine  entzündungszellstabilisierende Therapie einige Wochen VOR Beginn des Pollenfluges zu starten. So vermeidet man, dass es überhaupt zu Symptomen kommen kann. Zur Behandlung eignet sich Cromoglicinsäure, ein bewährtes Präparat.

Augentropfen, die Antihistaminika, z.B. Levocabastin enthalten, kann man einsetzen, um die Entzündungszellen und einen akuten Juckreiz sofort zu stoppen. Auch Kortison kann in Form von Augentropfen eingesetzt werden und in schwersten Fällen auch als Tabletten.

Wichtig ist bei allen Augentropfen, dass die Produkte bei häufiger und längerer Anwendung Konservierungsmittelfrei sind. So vermeidet man, dass das Auge durch das Konservierungsmittel erneut gereizt wird. In  sehr schweren Fällen, z.B. bei Patienten mit Neurodermitis oder Keratokonjunktivitis vernalis setzt man auch Immunsuppressiva ein.

Was ist eine Keratokonjunktivitis vernalis?

Eine Keratokonjunktivitis vernalis ist eine sehr schwerwiegende Form der allergischen Konjunktivitis. Sie tritt bei jungen Menschen konzentriert auf und zeigt sich vermehrt in der Pollenflugsaison und im Herbst.

Bei der Keratokonjunktivitis vernalis kann es zu Blutgefäß-Einsprießungen in die Hornhaut und zu Geschwüren der Hornhaut kommen, d.h. zu schwersten Krankheitsverläufen.

Wir beteiligen uns zurzeit gerade an einer internationalen Multicenter Studie zur Keratokonjunktivitis vernalis. Getestet wird ein neues entzündungshemmendes Medikament mit dem Wirkstoff Ciclosporin, der zu der Gruppe der Immunsuppresiva gehört.

Ciclosporin wird seit Jahren neben allergischen Erkrankungen auch zur Behandlung des Trockenen Auges eingesetzt. In Deutschland liegt jedoch kein zugelassenes Präparat vor. Es ist noch möglich, sich an der Studie zu beteiligen, Interessierte sollten sich mit unserer Studienambulanz in Verbindung setzen.

Herr Prof. Geerling, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.