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Katzen-SIT Katzenallergie

Dr. med. Christian Otterstedde, HNO und Allergologe, HNO Praxis am Goetheplatz, Frankfurt

Katzenallergie? Katzen-SIT? Wann ist eine Hyposensibilisierung sinnvoll?

Katzenbesitzer mit Katzenallergie sind zu Vielem bereit, um ihre Allergiesymptome loszuwerden. Die Katze abzugeben gehört aber meist nicht dazu! Jede Möglichkeit, die Katze trotz allergischer Reaktionen zu behalten, ist deshalb für diese Katzenallergiker interessant. Die spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung auf das Katzen-Allergen, kurz Katzen-SIT genannt, ist eine solche Möglichkeit. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Christian Otterstedde, HNO und Allergologe, HNO Praxis am Goetheplatz, Frankfurt darüber, wann die Katzen-SIT sinnvoll ist.

Herr Dr. Otterstedde, unter welchen Voraussetzungen empfehlen Sie einem Patienten, der auf Katzenallergene allergisch reagiert eine spezifische Immuntherapie?

Eine Hyposensibilisierung gegen Katzenallergene halte ich nur dann für sinnvoll, wenn eine Allergenkarenz  nicht möglich ist. Es ist immer das Beste, den Allergenkontakt zu unterbinden, denn damit ist ein 100 prozentiger Therapieerfolg sicher.

Wenn es aus beruflichen, familiären oder persönlichen Gründen nicht möglich ist, den Kontakt mit Katzenallergenen zu vermeiden, sollte man eine spezifische Immuntherapie in Erwägung ziehen.

Ist es denn möglich, den Allergenkontakt zu vermeiden, wenn man eine Katze abschafft? Die Allergene der Katzen bleiben ja recht lange präsent…

Katzenallergene können bis zu drei Jahren nachdem die Katze abgeschafft wurde, in einem Haushalt nachweisbar sein – das ist eine sehr lange Zeit.

Außerdem hat man auch überall da, wo viele Menschen zusammenkommen, Katzenallergene nachweisen können. Das gilt für Straßenbahnen, Busse, Schulen, Kindergärten etc.. Normalerweise handelt es sich dabei nur um sehr geringe Allergenmengen, ist ein Katzenallergiker jedoch sehr stark sensibilisiert, ist es im Prinzip möglich, dass es auch durch diesen Kontakt mit dem Katzenallergen zu allergischen Reaktionen kommt.

Wie lange dauert die Hyposensibilisierung gegen Katzenallergene?

Die Katzen-SIT dauert mindestens drei Jahre. Dabei beginnt man mit der wöchentlichen Injektion sehr geringer Allergenmengen und benötigt etwa vier Monate, um auf die Erhaltungsdosis zu kommen. Danach sind nur noch monatliche Termin nötig.

Bereits während der Therapie zeigt sich meist, dass der Patient weniger Symptome hat, d.h. dass er auf das Katzenallergen immer weniger reagiert.


Gibt es Möglichkeiten, die Katzen-SIT zu verkürzen, wie z.B. bei der Hyposensibilisierung gegen Pollenallergene?

Verkürzte Therapieformen wie die Ultra Rush-Therapie gibt es für Katzen-Allergene meines Wissens nach nicht. Generell muss man sagen, dass verkürzte Formen der Hyposensibilisierung nicht unbedingt gleich gut sind wie die klassische langandauernde Form. Die Ultra Rush-Therapie ist bequem für den Patienten, weil sie weniger Zeit in Anspruch nehmen, aber die Nachhaltigkeit konnte bisher nicht belegt werden. Dahingegen konnte für die Pollenallergie die Nachhaltigkeit der klassischen spezifischen Immuntherapie in einer Studie für 16 Jahre belegt werden.

Wie hoch ist die Erfolgsquote bei der Katzen-SIT?

Eine große Studie zur Erfolgsquote der Katzen-SIT gibt es meines Wissens nach nicht. Bei der Pollen-SIT geht man von einer Erfolgsquote von 85 bis 90 Prozent aus. Bei Katzen geht man von einer etwas niedrigeren Erfolgsquote aus.1)

Mit meinen katzenallergischen Patienten habe ich bisher sehr gute Erfahrungen mit der Katzen-SIT gemacht. Ein sehr persönliches Beispiel ist meine Cousine, die ihre Katzen um nichts in der Welt abgeben würde und die sich deshalb zu einer Hyposensibilisierung gegen das Katzen-Allergen entschlossen hat. Die Therapie schlägt auch bei ihr sehr gut an und sie hat sehr schnell eine sehr deutliche Symptomverbesserung festgestellt.

Muss der Patient während der Katzen-SIT weiterhin andere Medikamente einnehmen?

Die gewohnten Medikamente können während der Katzen-SIT beibehalten werden, das behindert die Therapie nicht. Bei ausgeprägten Symptomen ist es sogar empfehlenswert, die gewohnten Medikamente beizubehalten.

Im Verlauf der Therapie kann man dann immer wieder einmal versuchen, die Medikamente abzusetzen, um zu sehen, ob sie noch benötigt werden. Zusätzlich lässt sich über Haut- und Bluttests, d.h. mit dem Prick-Test und dem IgE-Test oder dem molekularen Komponententest  überprüfen, inwieweit die Therapie angeschlagen hat. 

 

Inwieweit würde man für die Diagnose auf die molekulare Allergiediagnostik zurückgreifen?

Das würde man dann tun, wenn man als Ursache für die Katzen-Allergie eine Kreuzreaktion auf das Hunde-Allergen vermutet. Es ist möglich, dass ein Patient an einer Hundeallergie leidet und deshalb auch auf Katzen-Allergene allergisch reagiert. Eine Katzen-SIT würde in diesem Fall keinen Sinn machen, weil die Kreuzallergie schwieriger zu therapieren ist, als die Ursprungsallergie. Deshalb benötigt man die molekulare Allergiediagnostik für eine exaktere Diagnose.

Herr Dr. Otterstedde, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quelle:

Couroux P, Patel D, Armstrong K, Larché M, Hafner RP , Fel d 1-derived synthetic peptide immuno-regulatory epitopes show a long-term treatment effect in cat allergic subjects, Clin Exp Allergy. 2015 May;45(5):974-81. doi: 10.1111/cea.12488.

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