Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Allergenfreie Katzen

Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München

Allergenfreie Katzen für Katzenallergiker? Und es gibt sie doch!

Katzenallergiker haben es doppelt schwer. Sie müssen sich mit den Symptomen der Allergie plagen und im Zuge der Allergenvermeidung kommt dann auch noch der Rat, die Katze abzuschaffen - für Katzenhalter meist undenkbar. Die Forschungen am ZAUM sind deshalb äußerst spannend für alle, die Katzen lieben, aber unter einer Katzenallergie leiden. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. rer. pharm. Jeroen Buters, Toxikologe am Zentrum Allergie & Umwelt (ZAUM), Technische Universität & Helmholtz Zentrum München über hypoallergene Katzen und die Ergebnisse seiner Katzenstudie.

Herr Prof. Buters, wie kamen Sie auf die Idee eine Studie zu hypoallergenen Katzen, d.h. Katzen, die wenige Allergene haben, durchzuführen?

In meiner Arbeitsgruppe befassen wir uns mit den Zusammenhängen zwischen "Allergen-Exposure" und Allergiesymptomatik. Das bedeutet, wir untersuchen, wie sich die in der Umwelt natürlicherweise vorhandenen Allergene auf die Allergiesymptomatik auswirken. In Deutschland steht das Allergen der Katze - Fel d 1 - an vierter Stelle des Allergen-Rankings, d.h. das Katzenallergen spielt also im Zusammenhang mit den Umweltallergenen eine äußerst wichtige Rolle.

In diesem Zusammenhang hatten wir von bestimmten Katzenrassen gehört, die hypoallergen sein sollten, dazu gehören z.B. die Cornish Rex und Cornish Devonshire Rex, und wir haben beschlossen diese Katzenrassen zu untersuchen. Beim Vergleich der angeblich allergenarmen Katzen mit der Europäisch Kurzhaar Katze, das ist die häufigste Katzenrasse in Deutschland, mussten wir dann allerdings feststellen, dass in Bezug auf die Allergenfreisetzung keinerlei Unterschied zwischen Rassen wie der Cornish Rex und der Cornish Devonshire Rex und der Europäisch Kurzhaar bestand.

Interessanterweise haben wir dabei jedoch herausgefunden, dass innerhalb der Europäischen Kurzhaarkatzen deutliche Unterschiede in Bezug auf die Allergenfreisetzung bestehen. Das bedeutet, manche Katzen scheiden deutlich mehr Allerge aus als andere – es gibt Katzen, die viele Allergene produzieren und andere produzieren wenig Allergene.

Was ist der entscheidende Faktor dafür, ob eine Katze viele oder wenige Allergene produziert?

Die Anlage dafür, ob eine Katze viele oder wenige Allergene produziert, ist genetisch festgelegt. Innerhalb der Europäisch Kurzhaar Katze kann es aber zu einem bis zu 100fachen Unterschied in Bezug auf die Allergenfreisetzung aus den Haaren kommen.


Was ist denn bei der Katze allergen?

Das Hauptallergen der Katze ist immer ein Protein mit der Allergenbezeichnung Fel d 1. Der Name kommt vom lateinischen Namen Felis domesticus und steht für Hauskatze, die Zahl 1 steht für das erste gefundene allergene Protein. Es ist dieses Protein Fel d 1, das bei 80 bis 90 Prozent der Katzenallergiker die Symptome auslöst. Auf die anderen Allergen, die die Katze freisetzt, die sogenannten Minorallergene, reagieren nur wenige Menschen.

Wie können Sie ermitteln, wie hoch oder niedrig die Allergenfreisetzung einer Katze ist?

Das Allergen der Katze, Fel d 1, kann man mit bestehenden immunologischen Methoden sehr gut bestimmen. Allerdings ist es ein wichtiger Faktor, an welcher Stelle man bei der Katze die Probe entnimmt, anhand derer die Allergenfreisetzung der Katze ermittelt wird. Es ist ein großer Unterschied, ob man diese Probe z.B. von den Vorderbeinen, von den Hinterbeinen oder vom Rücken entnimmt. Hinzu kommt, dass sich eine Katze bekanntermaßen auch leckt und dort, wo sie sich leckt, verändert sich die Allergenmenge permanent. Wir mussten also eine Stelle finden, die reproduzierbar zeigt, dass die Katze eine bestimmte Menge Allergen produziert und die haben wir im Nacken gefunden.

Interessanterweise haben wir dabei auch nachweisen können, dass es ein riesiges Missverständnis unter Katzenhaltern und sogar unter Allergologen gibt. Allgemein ist man der Meinung, dass das Katzenallergen im Speichel der Katze zu finden ist. Im Speichel der Katze findet man auch Fel d1, allerdings nur in sehr geringem Maße.

Die Hauptquelle des Allergens sind aber die Talgdrüsen der Katze. Diese Talgdrüsen befinden sich an der Haarwurzel des Katzenhaares in einer separaten Drüse und produzieren Talg, d.h. Fett. Der Talg wird dann von den Drüsen auf die Haut gedrückt und so gelangt er auch auf die Haare der Katze. Wenn der Katze die Haare ausfallen oder sich Hautschüppchen lösen, gelangt der Talg und damit das Allergen in die Umwelt – der Talg ist die Hauptallergenquelle bei der Katze.

Das heißt, der Speichel der Katze spielt nicht die Rolle, die man bisher angenommen hat?

Nein, denn wenn der Speichel die Hauptallergenquelle wäre, dann müsste die Allergenkonzentration an der Spitze des Katzenhaares am größten sein. Dies ist aber nicht so. Die größte Allergenkonzentration haben wir an der Wurzel des Haares gefunden.


Zurück zu der Probenentnahme, wie genau gehen Sie dabei vor?

Zur Probenentnahme ziehen wir der Katzen im Nacken einige Haare mit einer kleinen Zange aus. Das klingt viel schlimmer als es ist, denn Katzenhaare sind anders als Menschenhaare. Unter dem Elektronenmikroskop sieht man z.B. bei Menschenhaaren deutlich eine Verdickung der Haarwurzel. Dagegen ist die Wurzel eines Katzenhaares ganz spitz. Das bedeutet, die Haare einer Katze lassen sich viel leichter ausziehen und vor allem ganz und gar schmerzfrei für die Katze. Trotzdem bekommen die Katzen natürlich ein Leckerli!

Gibt es denn sonst noch Faktoren, die bei der Allergenfreisetzung der Katze eine Rolle spielen?

Im Hinblick auf die Allergenfreisetzung gibt es einen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen. Die Haare der männlichen Katzen haben einen höheren Allergengehalt als die der weiblichen Katzen. Wenn man Kater kastriert, nimmt der Allergengehalt der Haare 50 um Prozent ab, kastriert man weibliche Katzen, hat dies keinen Einfluss auf die Allergenfreisetzung. Die Streuung in Bezug auf die Allergenfreisetzung gilt jedoch für Männchen und Weibchen gleichermaßen, d.h. sowohl unter den männlichen Katzen als auch unter den weiblichen Katzen gibt es solche, die hohe Allergenmengen freisetzen und andere, die nur geringe Allergenmengen freisetzen. Es kann also sein, dass ein kastriertes Weibchen eine höhere Allergenfreisetzung aufweist als ein nicht kastriertes Männchen. Das heißt: Die Streuung in Bezug auf die Allergenfreisetzung ist bei den Weibchen so groß, dass man nicht generell sagen kann: Weibliche Katzen setzen weniger Allergene frei als männliche Katzen. Man muss also im Einzelfall testen, wie hoch die Allergenfreisetzung einer jeden Katze tatsächlich ist.

Spielt auch das Alter der Katze eine Rolle bei der Allergenfreisetzung?

Wenn die Katzen in die Pubertät kommen, kommen die Hormone ins Spiel und damit steigt der Allergengehalt an. Unsere Studie läuft aber noch nicht lange genug - erst seit zwei Jahren - um sagen zu können, ob sich der Allergengehalt bei Katzen auch mit zunehmendem Alter verändert.

Wie geht es mit der Katzen-Studie weiter, was wird als nächstes untersucht?

Der nächste Schritt in der Katzenstudie wäre die Untersuchung von Luftproben aus Wohnungen von Menschen, die Katzen haben. Interessant wäre es z.B. über einen längeren Zeitraum zu untersuchen, ob eine Katze mit einer hohen Allergenfreisetzung einen Raum in stärkerem Maße mit Katzenallergenen kontaminiert als eine Katze mit einer niedrigen Allergenfreisetzung. Die Frage ist: Enthält die Luft in der Katzenwohnung auch z.B. 20 Mal mehr Allergene, weil diese Katze 20 Mal mehr Allergenen ausstößt, als eine andere Katze? Dies ist allerdings sehr schwer zu untersuchen, denn zum einen ist jeder Raum anders, z.B. in Bezug auf die Größe und die jeweiligen Werte wären dann sehr schwer vergleichbar. Zum anderen würde kein Katzenbesitzer seine Katze für mehrere Monate zu Versuchszwecken in einem Raum einsperren wollen. Deshalb versuchen wir zurzeit dieses Problem wissenschaftlich zu lösen.

Könnte es aufgrund Ihrer Katzenstudie bald einen Test geben, mit dem Katzenallergiker allergenarme Katzen finden können?

Mit Hilfe unseres Tests ist es jetzt bereits möglich bei jeder Katze zu ermitteln, wie hoch ihre individuelle Allergenfreisetzung ist. Sinnvollerweise würde man dafür eine Katze aussuchen, die die Pubertät hinter sich hat, weil erst dann die Allergenfreisetzung wirklich feststeht.

Allerdings müssen wir jetzt noch untersuchen, ob eine allergenarme Katze tatsächlich keine Allergiesymptome bei Katzenallergikern auslöst, denn es gibt auch bei den Katzenallergikern eine gewisse Variabilität. Manche Katzenallergiker vertragen höhere Allergenmengen, andere reagieren bereits auf kleinste Mengen des Katzenallergens. Diese Schwellenwerte müssen wir noch ermitteln und dann gäbe es für Katzenallergiker doch eine Möglichkeit, eine Katze zu halten!

Herr Prof. Buters, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.