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Allergisch auf Katze

Norbert Mülleneisen zum Thema: Allergisch auf die eigene Katze? Was tun bei Katzenallergie? Bildquelle: N. Mülleneisen

Allergisch auf die eigene Katze? Was tun bei Katzenallergie?

Wenn man allergisch auf die eigene Katze ist, ist das ein Drama. Was kann man also tun, wenn man eine Katzenallergie hat und seine Katze behalten möchte? MeinAllergiePortal sprach mit dem Facharzt für Lungenheilkunde Norbert Mülleneisen, Leverkusen, darüber, welche Therapiemöglichkeiten es bei Katzenhaarallergie gibt.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Norbert Mülleneisen

Herr Mülleneisen, wie häufig sind Allergien auf Katze?

Mit knapp 16 Mio sind Katzen mit Abstand das beliebteste Haustier in Deutschland und das Verhältnis von "Katzenmenschen" zu ihren Stubentigern ist ein ganz spezielles. Wenn sich dann herausstellt dass eine Allergie gegen die eigene Katze besteht, ist das für die Besitzer meist eine mittlere Katastrophe. Viele wollen sich unter keinen Umständen von ihren Lieblingen trennen und suchen händeringend nach Möglichkeiten, ihre Beschwerden trotz Katze loszuwerden.

Kann man plötzlich eine Katzenallergie entwickeln? Welche Faktoren spielen hier eine Rolle?

Eine Katzenallergie kann sich bei jedem Allergiker entwickeln. Die häufigste Ursache ist die eigene Katzenhaltung. Aber auch ohne eigene Katzenhaltung kann man eine Allergie entwickeln. Das Katzenallergen findet sich, nach einer aktuellen Studie von Prof. Jeroen Buters aus München, in überraschend hoher Menge auch in Schlafzimmern, ohne das ein Tier im Hause ist. Es ruft bereits bei geringen Konzentrationen Beschwerden hervor.

Wie äußern sich die Symptome einer Katzenallergie?

Eine Katzenallergie äußert sich ähnlich wie ein Heuschnupfen. Die Nase läuft, man muss niesen, die Augen sind gerötet, sie jucken und tränen. Und häufiger als bei anderen Allergenen kommt es durch die Allergene der Katze zu Asthma mit anfallsweiser Luftnot.

Kann es bei einer Katzenallergie auch zu Symptomen wie Hautauschlag, Quaddeln, Urtikaria/Nesselsucht oder Atemnot kommen?

Die Relevanz für das atopische Ekzem, die Neurodermitis, ist unklar. Urtikaria kann sich entwickeln bei direktem Kontakt. Asthmatische Luftnot ist bei einer Katzenallergie häufig und das gefährlichste Symptom.

Welche Tests gibt es, im eine Katzenallergie zu diagnostizieren?

Teste sind wie sonst auch Pricktest auf der Haut und Antikörperbestimmung im Blut. Ich empfehle aber dringend, dass jeder Katzenallergiker, insbesondere wenn er noch kein Asthma bemerkt hat, einen Asthmatest beim Lungenfacharzt macht. Asthma bronchiale ist eine häufige Folge einer Katzenallergie und der Patient sollte das wissen, damit er sich vorbereiten kann und Notfallmedikamente besorgt.

Kann man eine Katzenallergie trotz negativem Prick-Test haben?

Das ist sehr selten aber möglich. Ich habe einen Patienten der eindeutig nur an der Nase reagiert. Das habe ich im Nasenprovokationstest nachgewiesen. Aber in aller Regel haben die Patienten einen positiven Pricktest und/oder einen positiven Nachweis von Antikörpern gegen das Allergen der Katze im Blut.

Wo sind die Allergene der Katze enthalten?

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass die Haare der Katze der Auslöser ihrer Allergie sind. Wahrscheinlich deshalb, weil man sie sehr deutlich sieht. Tatsächlich reagieren Katzen-Allergiker jedoch, wie übrigens alle Menschen mit Allergien, auf ein Protein, also ein Eiweiß. Das Hauptallergen der Katze nennt man Fel d 1. Der Speichel der Katze, aber auch der Urin und das Sekret der Hautdrüsen, also Tränendrüsen, Talgdrüsen und Analdrüsen, enthalten dieses Protein. Putzt sich die Katze oder nutzt sie das Katzenklo und die Flüssigkeiten trocken, verteilt sich das Protein Fel d 1 über die Luft in der gesamten Wohnung. Für den Allergiker gibt es dann kein Entrinnen.

Kann man die Allergene von Katzen durch Putzen entfernen?

Katzenallergene lassen sich durch Reinigungsmaßnahmen nicht beseitigen. Deshalb ändert sich auch erst mal nichts an den Allergiesymptomen der Katzenallergiker, wenn ein Katzenbesitzer sich tatsächlich entschließt, sein Tier abzugeben. Das Allergen bleibt noch monatelang in der Wohnung. Das Hauptproblem für den Katzen-Allergiker ist, dass der Staub lange in der Luft schwebt. Schon beim Betreten eines Raumes, in dem einmal eine Katze war, kann der Staub und damit das Katzenallergen aufgewirbelt und eingeatmet werden. Allerdings macht das Allergen Fel d 1 an der Wohnungstür nicht halt.

Heißt das, man findet Katzenallergene, also Fel d 1, auch im Freien?

Das Allergen der Katze ist sehr klein, heftet sich an Haare und Kleidung der Menschen, die mit der Katze leben. So kommt es überall hin. Deshalb findet man das Katzenallergen auch in öffentlichen Gebäuden, im öffentlichen Nahverkehr, in Schulen und Kindergärten, überall, wo Menschen zusammenkommen. Es kommt sogar vor dass, Lehrer mit Katzenallergie allergisch reagieren, weil ein Schüler in der Klasse zu Hause eine Katze hat. Übrigens gelten diese Aussagen nicht nur für Hauskatzen, alle Katzen, auch Raubkatzen produzieren dieses Allergen Fel d 1. Katzenallergiker sollten deshalb auch Zoos und den Zirkus meiden.

Oft liest man von speziellen Katzenrassen, die "hypoallergen" sind. Wäre das eine Option, zumindest für all jene, die sich trotz diagnostizierter Katzenallergie ein Tier neu anschaffen wollen?

Nein, die Firma, die an einer hypoallergenen Katze "gearbeitet" hat, ist meines Wissens pleite. Es gibt Kater, die mehr Allergen produzieren als Katzen, kastrierte Katzen produzieren weniger Allergen als unkastrierte Katzen.  Aber die Rasse spielt keine Rolle, sonst hätte man ja auch nicht im Zoo oder Zirkus das gleiche Problem.

Lässt sich eine Katzenallergie heilen?

Im Internet gibt es sehr viele Diskussionen zu diesem Thema. Dort werden auch in der Tat Ratschläge erteilt, wie man eine Katzenallergie heilen kann. Diskutiert werden alle möglichen Methoden, von Akupunktur gegen Katzenallergie über Eigenbluttherapie gegen Katzenallergie zu Kinesiologie gegen Katzenallergie etc. Aber Allergien lassen sich nicht heilen und dies gilt auch für die Katzenallergie.

Was raten Sie also Katzenallergikern?

Der erste und wichtigste Rat ist immer, den Kontakt zur Katze zu vermeiden, das heißt, die Katze abzuschaffen. Unter bestimmten Voraussetzungen empfehle ich aber eine Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung gegen die Katzenallergie, eine spezifische Immuntherapie.

Was ist die Voraussetzung für eine Hyposensibilisierung gegen Katze?

Unter den folgenden Bedingungen würde ich einen Katzenallergiker, der eine Katze hat, gegen Katze desensibilisieren:

  • Wenn der Patient nicht bereit ist seine Katze abzugeben und alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.
  • Wenn die Diagnose „Katzenhaarallergie“ eindeutig ist und die Lebensqualität des Patienten erheblich beeinträchtigt ist.
  • Wenn noch dazu ein Etagenwechsel, das heißt ein allergisches Asthma bronchiale, aufgrund der Katzenallergie droht

Voraussetzung dafür ist, dass sich noch kein Allergisches Asthma entwickelt hat. Bisher habe ich 55 Patienten auf Katze behandelt und die Ergebnisse sind allesamt positiv. Meist verbessern sich die Beschwerden schon sehr rasch sehr deutlich. Allerdings ist eine Hyposensibilisierung gegen Katze nicht ungefährlich. Es kam schon zu schweren Nebenwirkungen kommen. Sogar Todesfälle sind in der Literatur beschrieben. Der behandelnde Allergologe muss daher sehr erfahren sein. Außerdem ist die Behandlung teuer.

Mit welchen Kosten sollte ein Katzenallergiker rechnen, wenn er eine Hyposensibilisierung durchführt?

Alleine die Medikamentenkosten betragen ca. 3.000 bis 5.000 €, hinzu kommen die Arztkosten in etwa der gleichen Höhe.

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Was macht ein Katzen-Hyposensibilisierung gefährlicher als eine Desensibilisierung gegen Pollenallergien?

Das Katzen-Allergen Fel d 1 ist ein tierisches Eiweiß und die Exposition gegenüber Katzen ist ubiquitär, das heißt, überall vorkommend. Das bedeutet, dass nach der Allergiespritze manchmal nur noch wenig zusätzliche Belastung ausreicht, um eine lebensbedrohliche Reaktion entstehen zu lassen. Pollenallergiker bitte ich, nur 30 Minuten nach der Hyposensibilisierungs-Spritze in der Praxis zu bleiben. Katzenallergiker fordere ich auf, eine Stunde in der Arztpraxis zu warten, denn ich habe auch noch nach 40 Minuten schwere anaphylaktische Reaktionen auf die Hyposensibilisierung gegen Katze gesehen

Wie sieht eine solche Hyposensibilisierung gegen Katze aus?

Ziel der Hyposensibilisierung auf Katze ist es, die Empfindlichkeit des Patienten auf das Katzen-Allergen Fel d 1 herabzusetzen. Im Laufe der Behandlung wird der Körper immer wieder mit dem Katzenallergen in sich steigernden Dosen konfrontiert. Dies bis zu einer bestimmten Höchstmenge. Nach Abschluss der Behandlung, die 36 Monate dauert, fällt bei einem erneuten Kontakt mit dem Katzenallergen eine allergische Reaktion harmloser aus. Allerdings sind wir hier stark auf die Disziplin des Patienten angewiesen, denn ein Kontakt zur Katze während der Hyposensibilisierung ist verboten. Natürlich kann aber der Arzt nie wissen, ob der Patient sich an diese Anweisung hält. Grundsätzlich gehört die Behandlung in die Hand eines erfahrenen Allergologen bzw. Pneumologen, der über eine Notarztausbildung verfügt.

Gibt es auch gegen die Katzenallergie eine orale Immuntherapie mit Tabletten oder Tropfen?

Ja das gibt es, aber eine Firma ist gerade vom Markt gegangen.

Wird die Hyposensibilisierung gegen Katze von den Krankenkassen übernommen?

Da ist die Situation paradox. Es ist nachvollziehbar, dass die Krankenkassen eine Kostenübernahme für die Hyposensibilisierung gegen die Katzenhaarallergie ablehnen. Sie ziehen sich auf die Position zurück, dass der Patient seine Beschwerden ja abstellen kann, indem er die Katze abschafft. Allerdings ist es eine Tatsache, dass vier von fünf Katzenhaltern mit Allergie gegen Katze ihre Katzen eben nicht abschaffen, sondern behalten. Die Konsequenz ist häufig ein allergisches Asthma. Diese Behandlungskosten zahlen die Kassen dann ohne Murren, obwohl diese Kosten beim chronischen, also lebenslangen allergischen Asthma bronchiale wesentlich höher ausfallen. Besser wäre hier eine Investition in die Hyposensibilisierungs-Therapie gegen Katze. Diese verhindert ein Allergisches Asthma mit einer Erfolgsquote von 4 zu 1.

Gibt es heutzutage neue Behandlungsmethoden, um eine Katzenallergie zu therapieren?

Es gibt die experimentellen Versuche von Prof. Kündig aus der Schweiz, die Katze zu impfen, so dass sie weniger Allergen produziert. Dies und auch der Versuch die Patenten in den Lymphknoten zu spritzen und so, mit nur 3 Spritzen, eine gute Immunantwort zu generieren, funktioniert in kleinen Studien. Aber die Allergiefirmen haben kein Interesse an diesen neuen Methoden und stellen die Therapielösungen nicht dafür zur Verfügung. Auch gibt es die Idee über das Katzenfutter - sehr teuer - die Katze so zu verändern, dass sie weniger Allergen produziert. Das funktioniert im Labor aber die Patienten profitieren nicht sehr davon. Das Geld kann man sich sparen.

Herr Mülleneisen, vielen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.