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Allergie Pferd Curly Horse

Dr. Wolfgang Mitlehner, Arzt für innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologie in Klappholz

Pferdeallergie: Sind Curly Horses eine Alternative für allergische Reiter?

Im Sommer 2013 erschien die erste wissenschaftliche klinische Studie über pferdeallergische Reiter, die Curly Horses nutzen. Man schreibt dieser sehr robusten Pferderasse ein geringeres Maß an Allergenität zu, als dies bei normalen Pferden der Fall ist. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Wolfgang Mitlehner, Arzt für innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde und Allergologie in Klappholz über die Ergebnisse seiner Pilotstudie.

Herr Dr. Mitlehner, mit welchen Symptomen reagieren Pferdeallergiker normalerweise wenn sie mit Pferden in Kontakt kommen? Wo sitzen bei Pferden die Allergene?

Pferdeallergiker reagieren auf das Pferdeallergen mit den typischen Heuschnupfen Symptomen. Dies sind Beschwerden wie Niesreiz, eine laufende, juckende oder verstopfte Nase, sowie juckende, brennende und tränende Augen bis hin zum allergischen Asthma. Auch atopische Ekzeme sind möglich, eine allergische Schockreaktion ist eher selten, kommt aber durchaus vor. Kürzlich wurde z.B. von einem schweren allergischen Schock eines Patienten nach einem Biss durch ein Pferd berichtet.

Es gibt vier genau beschriebene allergieauslösende Stoffe bei Pferden. Die auslösenden Allergene findet man in den Hautschuppen, dem Speichel und im Urin der Pferde. Viele dieser Stoffe sind verwandt mit den Allergenen, die auch in Kuh, Schwein, Hund, Katze, Maus, Ratte und Meerschwein zu finden sind. Es kann deshalb auch zu Kreuzallergien kommen.

In Deutschland gibt es ca. 16 bis 20 Millionen Allergiker insgesamt, an einer Pferdeallergie leiden ca. 500.000 Menschen. Meist sind Allergiker nicht nur gegen einen Stoff, sondern auch gegen viele andere Stoffe allergisch (Milben, Schimmel, Pollen). Die in Ställen vorherrschende Atmosphäre, in der viele Allergene vorkommen, ist deshalb für Pferdeallergiker ungünstig, wenn Sie auch gegen z.B. Gräser, Getreide, Schimmel und Hausstaubmilben allergisch sind.

Wie kamen Sie auf die Idee zu untersuchen, inwieweit Curly Horses für Pferdeallergiker verträglich sind?

Eine Spezifische Immuntherapie (SIT) gegen die Pferdeallergie ist weltweit nur bei 25 Menschen wissenschaftlich dokumentiert. In Deutschland ist der Einsatz der SIT für Pferdeallergiker deshalb unüblich.

In meiner Praxis hatte ich jedoch einige Patienten, die unter einer Pferdeallergie litten und in der Laienpresse und im Internet wurde häufig behauptet, dass Curly Horses eine geringere Allergenität hätte. Für mich lag es deshalb nahe, die Curly Horses wissenschaftlich zu untersuchen.


Was versteht man unter  "Curly Horses" ? Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Curly Horses und "normalen" Pferden?

Curly Horses sind Robustpferde und besonders unempfindlich gegen Hitze und Kälte. Die Tiere haben auch sehr widerstandsfähige Hufe und benötigen keine Hufeisen. Ihr Winterfell ist mehr oder weniger gelockt, man nennt sie deshalb auch "Pferd im Schafspelz", und sie riechen auch nicht wie "normale" Pferde. Außerdem sind Curly Horses sehr unkompliziert und gutmütig und eignen sich deshalb gut für Kinder.  

Curly Horse mein allergie portalCurly Horse-Fuchsstute Es gibt Vermutungen über eine Abstammung der Curly Horses aus russischen Quellen. Der Name American Bashkir Curly Horse ist entstanden, weil man in den 30er Jahren glaubte, dass diese Pferde in Urzeiten aus Russland über die Alaskabrücke nach Amerika eingewandert seien. Deshalb wurden diese Pferde „bashkirische Pferde“ genannt. Diese Theorie hat sich als falsch herausgestellt – der Name ist jedoch geblieben.

Andere Theorien besagen, dass die Curly Horses von südamerikanischen bzw. spanischen Rassen oder auch von indigenen nordamerikanischen Rassen abstammten. Der genaue Ursprung der Curly Horses ist nicht bekannt - die ältesten Abbildungen von Curly Horses findet man in Malereien von Sioux Indianern aus dem Jahr 1801.

Wichtig zu erwähnen ist es, dass die wichtigste Zucht, aus der auch unsere Curlies stammen, die der Damele Pferde ist. Die Zucht wurde in den 30er Jahren in Nevada begonnen, weil die Curly Pferde extreme Temperaturen aushielten – die Zucht gibt es noch heute. 

Sie wollen untersuchen, warum Pferdeallergiker auf Curly Horses keine allergischen Reaktionen zeigen. Wie sind Sie bei Ihrer Vorphasen-Teststudie vorgegangen?

Zunächst haben wir unsere Testpersonen, 10 Pferdeallergiker, die aufgrund ihrer Pferdeallergie den Reitsport aufgeben mussten, einem Lungenfunktionstest unterzogen. Dies wurde mit Hilfe einer Spirometrie, einem einfachen Lungenfunktionstest oder mit einer Ganzkörperplethysmographie, einem Lungenfunktionstest in einer abgeschlossenen Kabine mit dem man mitarbeitsunabhängig, d.h. ohne aktive Mitarbeit des Patienten, die Lungenwiderstände messen kann, durchgeführt.

Danach wurden ein Standard Prick-Test auf das reguläre Pferdeallergen und ein Scratch-Test auf Curly Horse durchgeführt. Dabei reagierten die Testpersonen auf den Curly Horse Scratchtest im Vergleich zum Standard Pricktest nur leicht bis moderat, obwohl einige der Patienten in der Vergangenheit sehr ausgeprägte allergische Reaktionen gezeigt hatten.

Danach wurden die Testpersonen, unabhängig vom Testergebnis, einem kontrollierten Kontakt mit Curly Horses ausgesetzt. Dabei sind die allergischen Reiter zunächst auf den Curly Horses geritten. Im weiteren Verlauf der Untersuchung haben die Pferdeallergiker die Curly Horses auch gestriegelt.

Vor und nach dem Kontakt zum Curly Horse wurde jeweils die Lungenfunktion gemessen. Keine der 10 Testpersonen zeigte starke allergische Reaktionen auf das Reiten der Curly Horses. Das Striegeln konnten 9 von 10 Personen ohne signifikante allergische Reaktion durchführen.


Sie haben in Ihrer klinischen Studie zwei unterschiedliche Tests genutzt. Was war der Grund?

Für den Test mit den Curly Horses mussten wir den Scratch-Test nutzen, weil für Curly Horses kein Prick-Test zur Verfügung steht.

Ein Scratch-Test wird heute normalerweise nicht mehr durchgeführt, üblich ist der Prick-Test mit einer Standard-Pricklösung, die das zu testende Allergen enthält. Beim Prick-Test wird ein Tropfen einer definierten Lösung eines definierten Herstellers auf die Haut aufgebracht. Dann wird die Haut durch diesen Tropfen mit einer Prick-Lancette einmal geprickt, also kurz angestochen.  

Beim Scratch-Test arbeitet man  mit nativem Material und bevor dieses auf die Haut aufgelegt wird, wird die Haut auf ca. 1 cm2 Fläche leicht skarifiziert, d.h. angeschabt. Man hat diesen Test früher für Materialien genutzt, für die man keine Prick-Lösungen herstellen konnte.

Sie haben im Rahmen Ihrer Pilotstudie bei den Testpersonen Unterschiede bzgl. der Reaktionsausprägung im Hauttest festgestellt, je nachdem mit welchem Pferde diese in Kontakt gekommen sind. Wie lässt sich das erklären?

Hierfür gibt es bisher keine plausible Erklärung. Offensichtlich gibt es intraindividuelle Unterschiede zwischen den Curly Horses – unter unseren Testpferden befindet sich ein Glatthaar-Curly, das am wenigsten allergen ist. Hieraus könnten sich Möglichkeiten für die Züchtung noch allergenärmerer Curlies ergeben.

Bei einer allergischen Rhinitis ist der Etagenwechsel besonders gefürchtet. Wie ist dieses Risiko in Bezug auf den Umgang von Pferdeallergikern mit Curly Horses zu bewerten?

In der Tat kann es bei der schlecht behandelten allergischen Rhinitis irgendwann zum Etagenwechsel kommen. Da unsere Reiter auf die Curlies jedoch nicht mehr allergisch reagieren, besteht hier auch nicht die Gefahr des Etagenwechsels.

Ihre Pilotstudie fand mit 10 Personen statt und beobachtete einen Kontaktzeitraum von 32 Stunden. Wie sah die Folgestudie aus? Welche weiteren Studien sind geplant?

Dr Wolfgang Mitlehner und Frau mein allergie portalDr. Wolfgang Mitlehner mit seiner Frau Susanne, Gestütsleiterin der Curlyfarm in Klappholz, Schleswig-HolsteinIn der Folgestudie wurden 20 pferdeallergische Reiter untersucht. 19 der 20 pferdeallergischen Reiter reagierten bei 212 Messungen nicht signifikant bzw. reagierten nur in sehr geringem Umfang auf den Kontakt mit den Curly Horses. 18 der 20 Pferdeallergiker reagierten bei  79 Messungen auch auf das Striegeln der Pferde nicht signifikant. Zwei der pferdeallergischen Reiter hatten einen signifikanten Abfall der PEF Werte von mehr als  20 Prozent während, nach dem Reiten oder beim Striegeln. Dies konnte durch eine einmalige Gabe von Salbutamol behoben werden.

Wir planen die Vervollständigung dieser Studie mit einer hohen Patientenzahl über einen langen Zeitraum hinweg. Darüber hinaus sind weitere Studien bzgl. des methodischen Nachweises der Hypoallergenität der Curly Horses geplant. 

Herr Dr. Mitlehner, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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