Allergisch  Pferde Toleranzinduktion Curly Horses Pferdeallergie

Pferdeallergiker durch Curly Horses desensibilisieren? Ist das möglich?

Allergisch auf Pferde? Toleranzinduktion durch Curly Horses?

Welche Kontrolluntersuchungen haben Sie im Zuge der Reitstunden mit den Curlies durchgeführt?

Die Effekte des Kontaktes mit den Curly Horses haben wir vor, alle 30 Minuten während und 15 Minuten nach den Reitstunden bzw. dem Striegeln der Pferde gemessen. Dafür haben wir den sogenannten PNIF-Test (peak nasal inspiratory flow)-Test (peak nasal inspiratory flow) und den Lungenfunktionstest (Peak Flow FEV 1) genutzt. Parallel dazu wurden mögliche allergische Symptome beim Kontakt mit den Curly Horses, wie z.B. Bindehautentzündung, Schnupfen, Atembeschwerden und Urtikaria dokumentiert.

Nach Abschluss der Reitstunden, d.h. nach einem halben Jahr mit 60 Reit-Sessions, wurde erneut ein nasaler Provokationstest durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass keinerlei Sensibilisierung auf das „normale“ Pferde-Allergenextrakt mehr nachweisbar war.

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Und wie veränderten sich die allergischen Reaktionen der Patienten mit Pferdeallergie generell im Verlauf der Studie?

In der ersten Reit-Woche mit den Curly Horses verschlechterten sich die PNIF und FEV 1-Werte minimal um 20 Prozent bzw. 10 Prozent während und nach dem Reiten. Nach 10 Reitstunden konnte die Patientin die Curlies bereits striegeln, ohne dass Nasen- oder Lungenfunktion maßgeblich beeinträchtigt waren. Je länger der Kontakt mit den Curly Horses andauerte, umso geringer fielen die allergischen Symptome aus.

Und: Nach 60 Reit- und Striegelstunden setzten wir die Patienten einem „normalen“ Pferdeallergenkontakt aus. Wir brachten die Pferdeallergikerin mit einem Nordenglischen Fell-Pony und einem Deutschen Reitpony zusammen, ohne dass es zu Allergiesymptomen kam. Auch im Lungenfunktionstest und bei der Rhinomanometrie zeigten sich keinerlei Beeinträchtigungen.

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Welche Konsequenzen kann man aus Ihren Studienergebnissen ziehen?

Vermutet wurde die geringere Allergenität der Curly Horses für Pferdeallergiker bereits seit 1971, aber es gab keine Studie hierzu. Erst mit unserer Pilotstudie, die wir 2013 durchgeführt haben, sind wir dem Phänomen Curly Horses weiter auf den Grund gegangen und konnten zeigen, dass Curly Horses bei Pferdeallergikern weniger häufig Allergiesymptome auslösen.

Bestätigt wurden wir übrigens durch eine nicht-repräsentative Umfrage in Curly Horses Gruppen auf Facebook. Hier berichteten uns zahlreiche Reiter, dass sie ihre Pferdeallergie durch den Kontakt mit den Curlies reduzieren konnten oder sogar verloren hatten.

Zu den Konsequenzen: Normalerweise geht man in der Allergologie davon aus, dass ein andauernder Allergenkontakt bei Atemwegsallergien zu einer Verschlimmerung der allergischen Symptome führt, wenn eine entsprechende Allergie besteht. Die übliche Empfehlung an den Allergiker lautet deshalb „das Allergen meiden“. In unserer Studie an einer pferdeallergischen Reiterin und den ABCR-Curly Horses war es jedoch umgekehrt: Mit zunehmendem Curly-Kontakt nahmen die allergischen Symptome der Pferdeallergikerin ab und verschwanden schließlich komplett, selbst bei Kontakt zu „normalen“ Pferden.

Was bedeutet das für Menschen mit einer Pferdeallergie?

Aufgrund unserer Daten kommen wir zu der Vermutung, dass das Reiten und Bürsten von Curly Horses eine realistische Alternative zu der bei einer Pferdeallergie üblichen Empfehlungen sein könnte, jeden Kontakt mit Pferden zu vermeiden.

Herr Dr. Mitlehner, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1) Mitlehner W, Mitlehner HC, Tolerance Induction of Horse Allergy by Horse Contact with Curly Horses, Pneumologie. 2017 Jul;71(7):480-483. doi: 10.1055/s-0043-108137. Epub 2017 Jul 12, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28701016

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