Diagnose Allergie Bienengift Wespengift

Priv.-Doz. Dr. med. Timo Buhl, Oberarzt der Klinik, Leiter Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen zum richtigen Vorgehen bei der Diagnose einer Allergie gegen Bienengift oder Wespengift!

Insektengiftanaphylaxie: Diagnose bei Allergie gegen Bienen- oder Wespengift

Welche Hinweise des Patienten spielen ansonsten eine Rolle bei Ihrer Diagnosestellung einer Bienengift- oder Wespengiftallergie?

Die Jahreszeit in der der Stich erfolgte kann z.B. ein Hinweis für das angeschuldigte Tier sein. Die Bienen fliegen deutlich früher im Jahr aus, als die Wespen und sie fliegen auch nicht so lange. Kommt es im Spätherbst zu einem Stich, handelt es sich demzufolge wahrscheinlich eher um eine Wespe.

Eine wichtige Frage, die der Arzt stellen sollte, ist, in welcher Umgebung es zu dem Stich kam. Wenn der Stich erfolgte, als der Patient barfuß durch eine blühende Kleewiese gelaufen ist, spricht die Wahrscheinlichkeit eher für eine Biene. In der Nähe eines Abfalleimers käme eher eine Wespe in Frage.

Eine weitere Standardfrage ist die, nach Imkern in der Nachbarschaft und auch nach dem Verhalten des Tieres sollt man fragen. Ein aggressives Verhalten spricht eher für Wespen, Bienen sind die freundlicheren Insekten.

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Empfehlen Sie Insektengiftallergikern eine Hyposensibilisierung?

Wenn es zu systemischen Reaktionen kommt, unbedingt! Gerade bei Insektengiftallergikern ist die spezifische Immuntherapie eine ausgesprochen wirksame Maßnahme. Stiche durch Bienen oder Wespen „auf freier“ Wildbahn“ lassen sich schwerlich vermeiden und eine Anaphylaxie kann lebensbedrohlich sein.

Eine spezifische Immuntherapie über drei oder fünf Jahre oder lebenslang kann diese Risiken deutlich minimieren und die Schutzwirkung der Behandlung setzt sehr schnell ein. Bereits nach 15 Spritzen innerhalb einer drei- bis fünftägigen Aufdosierungsphase ist die Erhaltungsdosis bei Insektengiftallergikern erreicht. Allerdings sollte diese initiale Behandlung aus Sicherheitsgründen in einer Klinik stattfinden. Ist die Erhaltungsdosis erreicht, erfolgen die Injektionen nach einer Woche, danach nach zwei und drei Wochen. Im Anschluss daran kommt der Patient nur noch alle vier bis sechs Wochen in die Praxis eines niedergelassenen Allergologen.      

Ein Gerücht, dass sich unter Imkern immer noch hartnäckig hält ist, man könne eine Hyposensibilisierung quasi selbst durchführen, indem man sich öfter von Bienen stechen lässt. Davor kann ich jedoch nur warnen. Bei echten Bienenstichen ist die jeweilige Allergenmenge pro Bienenstich weder kontrollierbar, noch ist es möglich, dies hausgemachte SIT ganzjährig durchzuführen, denn im Winter gibt es keine Bienen. Deshalb ist es lebensgefährlich, wenn sich ein Imker mit einer unbehandelten Bienengiftallergie absichtlich stechen lässt.

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Selbst bei Kontraindikationen der SIT, wie z.B. einem Tumor, sollte man durchaus prüfen, ob nicht doch eine SIT möglich wäre, wenn ein Patient eine schwere, wiederbelebungspflichtige Insektengiftallergie hat. Es gilt abzuwägen, welches Risiko das relativ größere ist.

Herr Privatdozent Buhl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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