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Hornissen

Wespenberater Peter Tauchert aus Rodgau, Betreiber der Website "Aktion Wespenschutz"

Hornissen – was sollte man über die große Wespenart wissen?

Auch Hornissengift kann Allergien auslösen. Für Hornissengift-Allergiker ist die Vorstellung, ein Hornissennest im Garten zu haben, sicher nicht gerade angenehm. Da kann es nicht schaden, etwas mehr über diese große Wespenart zu wissen um besser einschätzen zu können, wie groß die Gefahr ist, gestochen zu werden. MeinAllergiePortal sprach mit Wespenberater Peter Tauchert aus Rodgau, der die Website Aktion Wespenschutz betreibt, über Hornissen und was man im Umgang mit ihnen beachten sollte.

Herr Tauchert, was sollte man über Hornissen wissen?

hornisse fliege und ameiseDie Größen sind schon unterschiedlich: Hornisse, Fliege und Ameise (Quelle: Ralf Schreck)Die Hornisse ist die größte, heimische Wespenart. Aufgrund sinnloser Verfolgung, Aberglaube und Vorurteilen stand die Hornisse kurz vor dem Aussterben. Deshalb ist diese Wespenart im Jahr 1989 unter besonderen Schutz gestellt worden. Sie steht auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Man darf also kein Hornissennest ohne Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde entfernen. Zuwiderhandlungen können mit bis zu 50.000 Euro bestraft werden.

Welche Funktion haben Hornissen im Ökosystem?

Hornissen sind gigantische Insektenjäger. Man bezeichnet die Hornisse auch als den “Falken“ unter den Insekten. In den Sommermonaten kann ein Hornissenvolk bis zu 500 Gramm Insekten am Tag vertilgen. Das entspricht einer Tagesration von fünf Meisenfamilien während der Brutzeit! Umgerechnet auf das Gewicht einer Fliege, werden etwa 8.333 Fliegen am Tag erbeutet.

hornissen als insektenjäger hier eine wespeZur Beute der Hornissen gehören hauptsächlich Fliegen. Aber auch andere Insekten, wie Raupen, Heupferdchen, Stechmücken, Wespen und alle möglichen Forstschädlinge werden als Nahrung für die Larven in das Nest geflogen. Und: Die Bestäubung und Befruchtung von Pflanzen und Obstgehölzen sollte man nicht vergessen. So ist die Hornisse ein absolut nützlicher Garten- und Landschaftsbewohner, der leider nur wenig Beachtung geschenkt wird.

Hornissen gelten als aggressiv – stimmt das?


hornissen als nektarsammler und bluetenbestaeuberHornissen als Nektarsammler und Blütenbestäuber (Quelle: Ralf Schreck)Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Hornissen und den kleineren Wespenarten.

So kann ich behaupten, dass die Hornisse die gemütlichste und berechenbarste Art unter den Wespen ist. Selbst im unmittelbaren Nestbereich fliegt die Hornisse keine Angriffe. Sie kennen sicher den Spruch: „… dicke Menschen sind gemütlich …“, das kann auch von der „dicken“ Hornisse behaupten. Auch wird man eine Hornisse niemals auf den Speisen des Menschen finden.

Und das Geschwätz von „3 Stiche töten einen Menschen und 7 Stiche ein Pferd“, das gehört in die Märchenwelt. Eher kann ein Pferd 7 Hornissen mit einem Biss töten …

Welche Verhaltensregeln sollte man beachten?

harmlos hornissen auf dem fingerHornissen auf dem Finger: Von wegen aggressiv! (Quelle: Ralf Schreck)Außerhalb des Nestbereichs ist die Hornisse eher scheu und geht jeder Konfrontation durch Flucht  aus dem Weg.

In Nestnähe sollte man bei Hornissen folgendes beachten:

  • Mindestabstand von etwa 2 bis3 Meter vom Nest halten
  • Nicht das Flugloch oder die Einflugschneise verstellen
  • Im Nestbereich nicht mit hektischen Bewegungen nach den Hornissen schlagen
  • Nicht in das Nest hineinpusten
  • Nicht mit einem Gegenstand in das Flugloch stechen
  • Helle Kleidung im Nestbereich wird eher ignoriert als dunkle Bekleidung , denn Fressfeinde haben ein dunkles Fell oder Federkleid, wie z. B. Bären, Wildschweinen, Dachse oder der Wespenbussard.

Es gibt in Deutschland eine neue Hornissenart, die Vespa velutina oder asiatische Hornisse…

und sieben stiche toeten ein pferdHornisse:... und „Sieben Stiche töten ein Pferd!“ ;-) (Quelle: Ralf Schreck)Vespa velutina nigrithorax wurde im Jahr 2004 mit Warentransporten nach Frankreich eingeschleppt. Aufgrund ähnlicher klimatischer Verhältnisse konnte sich diese Hornissenart gut integrieren und ausbreiten. Vom Norden her nahm sie Spanien in Angriff und 2011 wurde sie bereits in Belgien gesichtet. 2013 überquerte sie die Grenze zu Italien und nun ist Vespa velutina auch in Deutschland angekommen.


Ähnelt die asiatische Hornisse unserer heimischen Hornissenart?

Die Asiatische Hornisse ähnelt unserer heimischen Hornisse insofern, dass auch sie langlebige Völker aufbaut, die bis in den Spätherbst aktiv sind. Mit 1000 bis über 2000 Tieren sind sie jedoch wesentlich kopfstärker. Im Gegensatz zur heimischen Hornisse baut die asiatische Hornisse ihre bis 80 cm langen Nester vornehmlich freihängend in Baumwipfel und in mehr als 10 m Höhe, sodass versehentliche und „stichhaltige“ Begegnungen mit dieser Art für den Menschen eher die Ausnahme sein werden.

Angeblich soll Vespa velutina Bienenstöcke angreifen. Diese Beobachtungen sind aber zwiespältig zu beurteilen. Richtig ist, dass Vespa velutina vor Bienenbauten lauernd entdeckt wurde, weil sie dort heimkehrende  Honigbienen abfangen wollte. Überfälle und ganze Vernichtungen von Bienenvölkern verwechselt man sicher mit der Japanischen Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die aber in Europa nicht präsent ist.

Wo in Deutschland findet man die die Vespa velutina? Welche Konsequenzen hat das?

Erstmals wurde Vespa velutina im September 2014 als einzelnes Tier in Waghäusel bei Karlsruhe an einer Dahlienblüte entdeckt. Im November 2014 wurden drei weitere Funde aus dem südlichen Rheinland-Pfalz - bei Jockgrim, Minfeld und Herxheim - bekannt gegeben.  

Die Konsequenzen, d.h. die Vor- oder Nachteile, die mit dem Einwanderer Vespa velutia entstehen könnten, sind spekulativ. Man kann das bis jetzt noch nicht absehen.

Ich persönlich sehe der Sache eher etwas gelassen entgegen. Vespa velutina nigrithorax ist ein tierischer Einwanderer mehr, wie es auch schon in der Vergangenheit vorkam und weiter vorkommen wird.

Was tun, wenn Hornissen im Garten ihr Nest bauen?

Wer einen Garten hat, sollte auch damit rechnen, dass Insekten und andere Tiere sich dort nieder lassen.

Es kommt natürlich darauf an, wo Hornissen ihr Nest bauen und wie die Gartenbesitzer zu den großen Wespen eingestellt sind. Mittlerweile belassen viele Leute eine Hornissenansiedlung und beobachten die imposanten Tiere bei der Nestversorgung.  In den allermeisten Fällen kann man sich tatsächlich den Garten mit einem Hornissennest teilen, ohne dass es zu irgendwelchen Konfrontationen kommt. Wie schon erwähnt, hat man mit den Hornissen im Garten einen guten „Schädlingsbekämpfer“ und „Blütenbestäuber“. Besonders wenn die Wespen im September beginnen, die Speisen anzufliegen, wehren die Hornissen solche lästigen Besuche ab.

Sollte allerdings doch einmal ein äußerst ungünstiger Platz von einer Hornissenkönigin ausgesucht worden sein, so kann man in den meisten Fällen mit Sicherungsmaßnahmen oder Flugumlenkungen die Sachlage entspannen.

Wenn gar nichts mehr geht, besteht die Möglichkeit, ein Hornissennest umzusiedeln. Solche Umsiedlungen müssen allerdings von einem Fachmann vorgenommen werden, der eine Umsiedlung fachgerecht durchführen kann. Diese Fachleute haben vorher spezielle Seminare besucht und haben Umsiedlungen in der Praxis, bei einem erfahrenen Umsiedler erlernen können. Solche Spezialisten sind den Umweltämtern bekannt, die ihrerseits eine Umsiedlungsgenehmigung  für die Befreiung  aus dem Bundesnaturschutzgesetz erstellen können.

Herr Tauchert, herzlichen Dank für dieses Interview!