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Wespennester umsiedeln

Wespenexperte Peter Tauchert, Aktion Wespenschutz

Wespennest? Wann kann es bleiben, wann sollte man Nester umsiedeln?

Ein Wespennest in nächster Nähe? Vielen ist das nicht geheuer, auch dann, wenn sie keine Allergie auf Wespengift haben! Bemerkt wird ein solches Nest aber oft erst dann, wenn das Wespenvolk schon stattliche Ausmaße angenommen hat. Was tun, wenn man ein Wespennest im eigenen Garten findet? Wann kann es bleiben? Wann sollte man es umsiedeln? MeinAllergiePortal sprach mit Wespenberater Peter Tauchert aus Rodgau, der die Website Aktion Wespenschutz betreibt.

Herr Tauchert, wann beginnt die Nestgründungsphase der Wespen und woran erkennt man, dass die Wespen­königin ein Nest baut?

wespe nestgruendung an der dachrinneWespennestgründung an der Dachrinne (Quelle: Peter Tauchert)Die Nestgründungsphase beginnt im Frühjahr, je nach Temperatur und Witterung, von März bis Mai. Die Hornisse, als größte heimische Wespenart, beginnt als letzte die Nestgründungsphase. In diesem Jahr war das ab der ersten Maiwoche.

Wenn man sein Umfeld beobachtet, kann es möglich sein, dass man eine einzelne, etwas  größere Wespe, ca. alle 20 bis30 Minuten immer wieder an der gleichen Stelle ein- oder abfliegen sieht.  Ein solcher beobachteter und regelmäßiger Flugverkehr  verrät eine Nestgründung. Man beobachtet die Versorgungsflüge einer Wespenkönigin zu ihrem Anfangsnest.

Wie genau sieht eine Nestgründung bei Wespen aus?

wespennest aller anfang ist ein nageldicker zapfenWespennest: Aller Anfang ist ein nageldicker Zapfen (Quelle: Peter Tauchert)Jedes Wespennest beginnt mit einem „Wabenstiel“, das ist ein etwa nageldicker Zapfen. An ihn heftet die Königin die ersten Wabenzellen, in die noch während der Bauphase das erste Ei gelegt wird. Nach und nach entstehen etwa 30 bis 40 solcher Wabenzellen, die ebenfalls mit je einem Ei bestiftet werden.

Für die gute Larvenentwicklung werden warme Temperaturen benötigt. Hierzu baut die Königin eine kleine Kugel, die Nesthülle, um die Waben. In der Gründungsphase kann man oft solche tischtennisballgroßen Nestkugeln entdecken.

Welche Orte kommen für ein Wespennest in Frage?

wespennest der gemeinen wespe im rollladenkastenWespennest der gemeinen Wespe im Rollladenkasten (Quelle: Peter Tauchert)Bei uns gibt es insgesamt 12 staatenbildende Wespenarten. Der Standort für die Nester ist je nach Wespenart unterschiedlich.  

Da gibt es die „Dunkelhöhlenbewohner“, die völlig versteckt an dunklen Standorten ihr Nest gründen.  Hier wäre  z. B.  ein Neststandort in der Erde, im Rollladenkasten, auf dem dunklen Dachboden oder in einem Mauerhohlraum zu nennen. Solche versteckte Neststandorte werden von der Deutschen und der Gemeinen Wespe bevorzugt.

wespennest der deutschen wespe auf dem dachbodenWespennest der Deutschen Wespe auf dem Dachboden (Quelle: Peter Tauchert)Diese beiden Wespenarten bilden übrigens große Völker mit bis zu 10.000 Individuen und entsprechend auch großen Nestern aus. Auch leben die beiden Arten bis in den Oktober hinein und besuchen uns ab etwa Mitte August an der Kaffeetafel, im Biergarten oder im Eiscaffee.

Dann gibt es noch die frei hängenden, grauen Wespennester, die geschützt in z. B. Gartenhütten, Geräteschuppen, an Dachvorsprüngen, in Vogelkästen oder unter dem Dach angebracht sind. Hierbei handelt es sich um die Sächsische Wespe oder die Waldwespe. Graue Nestkugeln in Hecken und Sträuchern gehören zu der Mittleren Wespe.

Alle aufgezählten „Freinister“ bauen die typischen grauen, etwa handballgroßen Wespennester. Mit 150 bis 350 Individuen bleiben die Nester relativ klein. Auch sind die Nester bereits im August / September schon wieder abgestorben. Die Arbeiterinnen dieser Völker kommen niemals an die Speisen des Menschen und sind somit nicht lästig. Im Gegenteil, solch ein Nest im Garten ist ein wahrer Insektenvernichter, den sich jeder Gartenbesitzer nur wünschen kann.

larven und puppen der wespeLarven und Puppen im Wespennest (Quelle: Peter Tauchert)Weil aber ihre frei hängenden Nester vom Menschen schnell entdeckt werden, bekommen gerade solch harmlose Wespenarten die geballte Ladung an „Rache durch Unwissenheit“ ab, an der eigentlich die Deutsche- und die Gemeine Wespe mit ihrer Vorliebe für Süßes schuld sind. So ist gerade die Mittlere Wespe bereits sehr, sehr selten geworden.


Gibt es Möglichkeiten, den Wespen­nestbau zu verhindern?

wespennest der mittleren wespe im gebueschWespennest der Mittleren Wespe im Gebüsch (Quelle: Peter Tauchert)Ja, man kann z. B. Öffnungen an Außenwandverkleidungen, Hinterlüftungsschlitze oder Astlöcher verschließen. Für Lüftungsschlitze gibt es z.B. spezielle Klammern zum Verschließen. Astlöcher kann man mit Zement verschließen und Hohlräume an Gebäuden kann man verfüllen.

Zu- und Abluftöffnungen, sowie Schächte an Gebäuden, kann man mit Fliegengitter verschließen; Nischen von Fenstern lassen sich abdichten; Hohlräume im Steingarten und Mäuse- oder Maulwurfslöcher im Rasen, sollte man mit Erdreich zuschütten. Die Einfahröffnung an Rollladenkästen lassen sich durch das Anbringen einer Profilgummi-, Bürsten- oder Aluminiumleiste abdichten.

Was ist zu tun, wenn das Wespennest bereits besteht?

wespennest der saechsischen wespe im toilettenhaeuschenWespennest der Sächsischen Wespe im Toilettenhäuschen (Quelle: Peter Tauchert)Wespennester stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes § 39 und § 44, d.h. man kann ein Wespennest nicht einfach vernichten. Es bleibt also nur, mit dem Wespennest zu leben, oder es umzusiedeln. Vor einer Umsiedlung sollte  man abwägen, ob man nicht mit einfachen Sicherungsmaßnahmen ein Wespennest vor Ort belassen kann. Das funktioniert natürlich nur, wenn der Betroffene auch damit einverstanden ist. Hier wären z. B. Absperrmaßnahmen mit einem Flatterband mit der Aufschrift „Wespennest - bitte Abstand halten“  und Flugumlenkungen, indem man z. B. auf dem Balkon ein Bettlaken aufspannt, damit die Tiere aus einer anderen Flugrichtung zum Nest gelangen und nicht immer über den Balkon fliegen müssen zu nennen. Man kann einem Wespennest auch einfach einen Schutzkorb umlegen, z.B. einen Wäschekorb Natürlich können Wespennester auch umgesiedelt werden.

Wann sollte ein Wespennest besser umgesiedelt werden?

Wenn sich ein Neststandort im unmittelbaren Lebensbereich des Menschen befindet, z. B. unter dem Balkontisch, im Schuhschrank an der Sitzecke, wenn jemand ein Wespengiftallergiker (nachgewiesen, mit Allergiepass) ist, wenn Kinder im Vorschulalter an das Nest gelangen können und oben genannte Sicherungsmaßnahmen nicht funktionieren, dann sollte man ein Wespennest umsiedeln.

Eine Umsiedlungsaktion ist zeitaufwändig und benötigt die richtige Ausrüstung, einen Umsiedlungskasten und natürlich Sachkenntnis. Diese Sachkenntnis kann man sich an so genannten Wespenberater- und Umsiedlerseminaren aneignen. Nicht zuletzt benötigt man für die Umsiedlung eines Hornissenvolkes auch noch eine Umsiedlungsgenehmigung. Von daher kann ich keine pauschalen oder einfachen Tipps für eine Umsiedlung nennen.


Und wann ist eine Umsiedlung des Wespennestes nicht mehr möglich?

Grundsätzlich gilt: Je früher man ein Wespennest umsiedelt, umso besser! Ist das Wespenvolk erst auf mehrere Tausend Tiere angewachsen, funktioniert eine Umsiedlung nicht mehr.

Auch wenn sich das Nest im Gebälk eines Fachwerkhauses befindet wird es schwierig. Wegen eines Wespennestes kann man nicht das ganze Fachwerk aufklopfen, das wäre unverhältnismäßig.

Man sollte eine Wespennestumsiedlung also auf keinen Fall selbst  in Angriff nehmen ...

ausruestung fuer eine wespennest umsiedlungAusrüstung für eine Umsiedlung (Quelle: Peter Tauchert)Auf keinen Fall! Wie bereits erwähnt, benötigt man neben Sachkenntnis auch die entsprechende Ausrüstung, zu der natürlich auch ein Stichschutzanzug gehört. Man ist gerade in der Anfangsphase einer Umsiedlung automatisch dem Verteidigungsverhalten eines Wespenvolkes ausgesetzt.  Also ist das Stichrisiko wohl recht naheliegend.

Wenn man schon den Aufwand betreibt und umsiedelt, so möchte man natürlich auch das Überleben des Wespenvolkes gewährleisten. So sollte man solch eine Tätigkeit jemandem überlassen, der Erfahrung  und Fachwissen hat.

Es gibt Umsiedlungspraktiken, bei denen das Wespennest einfach in eine Plastiktüte gesteckt und in einen Baum gehängt wird. Ich würde dies als „giftfreie“ Vernichtung bezeichnen, denn in einer Plastiktüte kann kein Nest überleben. Das Wespennest vermodert in der Plastiktüte und das ist für den gesamten Wespenstaat ein qualvoller Tod. Man sollte sich deshalb, wenn man ein Unternehmen mit der Umsiedlung eines Wespennests beauftragt, genau erkundigen, wie das vor sich geht und was dann mit dem Nest passiert.

Herr Tauchert, herzlichen Dank für dieses Interview!